So schön kann Rache sein
Starke Auftritte sind ihr Metier. Martina Stilp, Wahlgrazerin und theatralisches Wandlungswunder, zeigt ab heute höchst grimmige Seiten.

Foto © KKMartina Stilp
Eigentlich wollte sie, als sie im Jahr 2000 nach Graz kam, nur zwei Jahre bleiben. Theaterleute sind und bleiben ein fahrendes Volk. Mittlerweile sind acht Jahre daraus geworden. Martina Stilp, strahlkräftiges Wandlungswunder, ist aus dem Grazer Bühnengeschehen nicht mehr wegzudenken und sie hat erreicht, was nur Großen des Schauspielfachs vorbehalten bleibt - sie ist "die Stilp" geworden. Die "Stilp" muss man einfach gesehen haben, auch wenn das Stück eher nur mittelmäßig ist. Egal, sie veredelt es durch zauberhafte Künste, die fernab sind von jedem vielfach geprobten Spiel.
53 Rollen hat die gebürtige Bayerin bisher verkörpert. Große, klassische Figuren fanden sich darunter, etwa die Medea, aber auch fragile Jahrhundertgeschöpfe des Theaters wie Wedekinds "Lulu". Ob aber nun glückhafter oder schlimmer Wind über sie weht, es ergibt sich daraus Musik, Wortmusik - und Raum für das auch im Theater Unsagbare.
"Fröhliche Melancholikerin". Ab Samstag folgt für Martina Stilp, die sich selbst als "fröhliche Melancholikerin" bezeichnet, Rolle Nummer 54. Im Grazer Schauspielhaus feiern Hebbels "Nibelungen" Premiere und "die Stilp" ist als Kriemhild der düstere Racheengel in diesem tragischen Spiel. "Eine Frau, die schon ganz schön draufhauen kann", sagt sie über ihre Rolle.
Schöpferische Pause. Danach folgt eine schöpferische Pause. "Ich hatte das Gefühl, wie an einem Stücke-Fließband zu stehen. Jetzt ist es höchste Zeit, wieder zu mir selbst zu finden, nachzudenken, Bücher zu lesen, die ich schon lange lesen wollte, einfach bei mir zu sein." Einen oder zwei Seitensprünge aber gestattet sie sich - zum Film. Sie wird fehlen, aber das schafft ihr innere Bleibe, im Theater, im Lebenstheater.
Features
Zur Person
Martina Stilp, geb. in Weiden/Oberpfalz (Bayern).
Erste Engagements ab 1998, seit 2000 am Grazer Schauspielhaus.
Zahlreiche Titelrollen - u. a. als "Maria Stuart", "Lulu", "Elektra" "Stella", "Medea".















