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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2008 um 12:36 UhrKommentare

Die ÖVP kennt nur einen Gegner: Faymann

Bunte Show zum Auftakt des ÖVP-Wahlkampfs in Graz. Der von 2000 Fans gefeierte Parteichef Willi Molterer stellt Attacken auf SP-Chef Werner Faymann in den Mittelpunkt.

Molterer wurde in Graz frenetisch bejubelt

Foto © APAMolterer wurde in Graz frenetisch bejubelt

Geht es nach der Stimmung, die beim Wahlkampfauftakt der ÖVP in der Grazer List-Halle herrschte - Willi Molterer hätte die Wahl bereits gewonnen. Er wurde zwischendurch gefeiert wie ein Pop-Star, eine perfekte Parteitagsregie sorgte für permanente Jubelstimmung.

2000 Funktionäre jubelten. Aber es gab auch leise, warnende Stimmen. Molterer selbst beruhigte zwischendurch die Jubler mit der Anmerkung, "der Abend des 1. Oktober 2006 war der schlimmste Tag in meinem politischen Leben". Am Morgen sei die ÖVP siegessicher zur Wahl gegangen, am Abend geschlagen dagestanden. Das dürfe nicht wieder passieren, jetzt habe "der Kampf begonnen, der Kampf um jede Stimme". Und die rund 2000 aus ganz Österreich angereisten Funktionäre applaudierten trotzig, auch sie kennen die Stimmung im Land.

SPÖ macht Sorgen. Und die ist nicht sehr rosig für die ÖVP: Als Molterer das Ende der zerstrittenen Koalition verkündete, lag man in Umfragen rund sieben Prozentpunkte vor der SPÖ. Seither holt diese ständig auf. Aktuell liegt man, je nach Umfrage, bestenfalls gleichauf. Sowas drückt auf die Stimmung, knabbert am Selbstbewusstsein.

"Es geht um alles". Die Wahlkampfstrategen haben darauf bereits reagiert, die Linie ist ab sofort klar: "Es geht nicht um viel, liebe Freunde. Es geht um alles", donnerte Molterer in den überfüllten und stickigen Saal. Und dann der Begriff, der sich durch die einstündige Rede zog, den man in den nächsten drei Wochen wohl häufig hören wird - Richtungswahl.

"Hauptgegner SPÖ". Keine andere Partei spielt dabei offenbar eine Rolle außer dem "Hauptgegner SPÖ". An zahlreichen Beispielen rechnete Molterer vor, dass es "der ÖVP nur ums Land und um die Menschen geht", während bei der SPÖ immer die Partei im Vordergrund stehe. Und Molterer zählte auf, was dem Land drohe, wenn die SPÖ den Kanzler stelle: Die Erbschaftssteuer werde wieder eingeführt, die SPÖ verlange "das arbeitslose Grundeinkommen, wir dagegen wollen, dass alle Arbeit finden". Kurz: Während die ÖVP für Wahlfreiheit stehe, verordne die SPÖ Zwangsbeglückung, von der Kinderbetreuung bis zur Schule und zur Pflege.

Schwere Attacken gegen Faymann. Im Mittelpunkt der Attacken stand immer SPÖ-Chef Werner Faymann. Dieser sei nicht nur bereit, "Europa dem billigen Populismus zu opfern", sondern habe durch die Anbiederung bei der "Kronen Zeitung" seine Unabhängigkeit verloren.

"Charakterlos". Der steirische VP-Chef Hermann Schützenhöfer hatte Faymann sogar der Charakterlosigkeit bezichtigt, dieser habe als Wiener Stadtrat Zehntausende Wiener delogiert und halte der ÖVP soziale Kälte vor. Die Begrüßung war dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagel zugefallen, der Molterer an Ende eine Marionette im Faymann-Look überreichte. Einige Zuhörer wollten in den wohl gewählten, aber kämpferischen Worten Nagls einen möglichen Ministerkandidaten gehört haben. Aber der Weg für die ÖVP dorthin ist noch weit und hart, darüber konnte auch der frenetische Jubel der Funktionäre am Schluss der Veranstaltung nicht hinwegtäuschen.

CLAUS ALBERTANI

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