Als Brückenbauer bei den EU-Skeptikern
Der Grazer Jurist Richard Kühnel ist ab 1. September der neue Chef der Vertretung der EU-Kommission in Österreich - und will neue Brücken bauen.
Sein Start als offizielles Sprachrohr der EU-Kommission in Österreich könnte wohl kaum turbulenter erfolgen: Der neue EU-Vertrag noch nicht unter Dach und Fach, die österreichische Regierung nicht zuletzt wegen des Parteienstreits über die EU zurückgetreten, im September wird neu gewählt und zu allem Überdruss hat hierzulande die EU-Begeisterung ihren Allzeit-Tiefstand erreicht.
Diplomat und Kämpfer. Aber das alles beeindruckt den in Graz-Eggenberg gebürtigen Richard Kühnel (39) überhaupt nicht. Er ist Diplomat und Kämpfer durch und durch. "In meiner Jugend habe ich beim ESK Fußball gespielt, dann sogar kurz bei Sturm mittrainiert. Aber mit 15 ist mir das zu viel geworden." Dann hatte das Lernen Vorrang. "Ich bin ein Linker, vor allem links im Mittelfeld bin ich zu Hause", lächelt er. Eine Leidenschaft, die ihm im diplomatischen Dienst in Japan zugute kam, denn da spielten die verschiedenen Botschaften regelmäßig gegeneinander.
Aber noch war es nicht soweit: Nach dem Besuch des BG Dreihackengasse und dem Militärdienst bei den Pionieren studierte Kühnel in Graz Rechts- und Betriebswirtschaft. "Aber ich habe nur Jus fertig gemacht und mich schon früh auf Europarecht und internationale Fragen konzentriert." Danach folgten Studien- und Forschungsaufenthalte an den Universitäten Lyon, Florenz und Princeton sowie erste Auslandseinsätze für den diplomatischen Dienst des Außenministeriums. Zagreb, Wien, Tokio und die UNO in New York waren seine Stationen. Dann kam er zurück nach Wien ins Kabinett von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner.
Brüssel. Als seine Chefin im November 2004 EU-Kommissarin wurde, "hat sie mich gefragt, ob ich mitgehe nach Brüssel". Richard Kühnel folgte ihrem Ruf, nahm seine Frau mit und siedelte in die belgische Hauptstadt. Jetzt war keine Zeit mehr übrig für Kendo, den japanischen Schwertkampf, den er im Land der Morgenröte gelernt hatte. Einzig Laufen und das Lesen von Biographien blieben ihm zur Entspannung.
Brückenbauer. Ab 1. September will der Nachfolger Karl Doutliks als Leiter der Kommissionsvertretung in Wien "Brückenbauer zwischen den Menschen und Institutionen in Österreich und der Kommission sein. Dabei kommt mir meine Vergangenheit als Pionier zugute, da haben wir auch dauernd Brücken bauen müssen", schmunzelt das EU-Sprachrohr.
Kontakt zu den Menschen. "Ich komme als Österreicher, der in der europäischen Struktur einen Posten hat, und verstehe meine Aufgabe als die eines Netzwerkers, der bemüht ist, die Menschen hier mit den Institutionen in Brüssel zusammenzubringen, um eine Beziehung aufzubauen, die für beide Seiten von Nutzen ist." Am wichtigsten ist ihm dabei der Kontakt zu den Menschen. "Am Anfang will ich vor allem zuhören und verstehen, was die Menschen bewegt."
Features
Zur Person
Name: Richard Kühnel.
Geboren: 1969 in Graz.
Karriere: BG Dreihackengasse, Jus-Studium in Graz. Studien- und Forschungsaufenthalte an den Unis Lyon, Florenz und Princeton, im diplomatischen Dienst in Zagreb, Tokio (als Finanzmarkt-Experte), New York (Uno-Menschenrechtsexperte). Ab 1. September Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich.
















