"Burnout-Syndrom: Bereits 20.000 Steirer betroffen
Wenn der Arbeitstag zur Qual wird: Laut Statistiken der Sozialversicherungen sind psychisch bedingte Krankenstände bereits um 60 Prozent gestiegen". Auch immer mehr Steirer sind laut aktuellen Schätzungen vom Burnout-Syndrom betroffen.

Foto © aboutpixel.de/BroilerWenn nichts mehr geht...
Leer. Depressiv. Fertiggefahren. So fühlen sich mehr und mehr Berufstätige. "Burnout" ist längst mehr kein Krankheitsbild, das nur Top-Manager betrifft. Großer Druck und Stress werden in verschiedensten Branchen zunehmend zum Problem.
Fallbeispiel
Steigerung um 60 Prozent. "Die Zahl an physisch bedingten Krankenständen ist in den letzten drei Jahren um 17 Prozent zurückgegangen. Psychisch bedingte Krankenstände aber sind um 60 Prozent gestiegen", zitiert Manfred Walzl, Neurologe an der Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF) die Statistiken der Sozialversicherungen. Konkret schätzt er, dass 20.000 Steirer vom "Burnout" betroffen sind. Wirtschaftlich entstehe dadurch ein Schaden von jährlich 300.000 Millionen Euro, so der Experte.
Schnelltest. Klare Richtlinien zur Definition des Krankheitsbildes werden derzeit Schritt für Schritt erarbeitet. Am LSF führt ein Expertenteam rund um Walzl etwa einen Schnelltest in die Routine: Mit Fragebogen und objektiven Methoden aus der Schlafforschung soll das "Burnout" greifbar gemacht werden. "Das Gesundheitsministerium will nun mit uns zusammenarbeiten, um die einzelnen Fälle zu dokumentieren", so der Forscher.
Jeder Zehnte gefährdet. Auch Rupert Mandl, Arbeitspsychologe der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) bemerkt: "Die psychischen Belastungen nehmen zu, Depressionen steigen an." Er schätzt, dass jeder zehnte Steirer ernsthaft Burnout-gefährdet ist. "Die Zahl der Überstunden explodiert, die Intensität der Arbeit nimmt zu", sagt der Fachmann. Zudem kritisiert er eine zu geringe Personalreserve.
Führungsstil wichtig. "Wenn ein Arbeitnehmer ausfällt, werden dafür die anderen doppelt belastet." Doch große Belastung allein muss nicht automatisch zum Zusammenbruch führen. Der Führungsstil des Vorgesetzten etwa spielt eine große Rolle.
Ausgebucht. "Betroffene vermissen Wertschätzung und Fairness", bestätigt auch Gerhard Plank, Leiter der neuen Burnout-Beratung der Arbeiterkammer (AK). Im März ging die Stelle in Betrieb, seither ist Plank so gut wie ausgebucht. Insgesamt 260 Telefonberatungen und 180 Intensivberatungen hat er bisher durchgeführt. Dazu kommt die Beratung von Unternehmen. Bei den Einzelgesprächen stellt er fest: "Anonymität ist ein sehr wichtiges Kriterium." Denn: Psychische Probleme sind nach wie vor ein großes Tabu-Thema. "Erst nach dem halben Leidensweg holen viele Menschen Hilfe", meint dazu auch der Grazer Psychologe Paul Jimenez.
Features
Rechtliche Lage
Psychische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom sind nicht als Berufskrankheit anerkannt. Als Berufs-
















