Grazer Pfarre will mehr Menschlichkeit bei Asylanträgen
Grazer Pfarrer initiiert mit Künstlern eine Plattform für das humanitäre Bleiberecht. Menschen, die länger als fünf Jahre in Österreich leben, sollen bleiben dürfen.
Es ist ein kräftiges Zeichen der Zivilgesellschaft. Rund um den bekannten Grazer Pfarrer Hermann Glettler hat sich eine engagierte Plattform mit einem klaren Ziel gegründet: Menschen, die länger als fünf Jahre in Österreich leben, unbescholten und integriert sind, sollen auch hier bleiben dürfen. Gemeinsam mit Pfarrer Glettler machen der Autor Ernst M. Binder, der Theaterregisseur Peter Ulrich und die Künstlerin Veronika Dreier darauf aufmerksam, dass der Fall Arigona Zogaj kein Einzelschicksal, sondern in Österreich mittlerweile die Regel geworden ist.
Behördliche Warteschleifen. "Nicht jede Abschiebung in das Heimatland der Betroffenen ist eine humanitäre Katastrophe", stellt Glettler klar. "Aber in vielen Fällen werden Leute, die jahrelang in die behördlichen Warteschleife des Asylverfahrens gesteckt werden, abgeschoben und damit in ein Nichts gestoßen."
Dutzende Schicksale. Mit seinen Mitstreitern hat der Pfarrer von St. Andrä - mitten im Griesviertel, das bekannt für seinen hohen Ausländeranteil ist - Dutzende afrikanische Asylwerber in sein Pfarrheim geladen, um sie von ihren Schicksalen erzählen zu lassen. John, ein Mann aus Nigeria, berichtet: "Ich bin seit 2001 in Österreich, seit fünf Jahren arbeite ich und gebe mein Geld hier aus. Und jetzt kommen die Behörden drauf, dass ich nicht bleiben darf. Nach sieben Jahren?! Versetzen Sie sich einmal in meine Lage."
"Normal leben". Ein anderer sagt: "Ich bin stark, ich bin gesund und ich will auch arbeiten, aber ich darf nicht. Wir wollen ja nur ganz normal hier leben dürfen."
Kunst aus Afrika. Künstlerin Dreier fragt sich, warum sie mit der von ihr gegründeten Gruppe "Badoao" junge Kunst aus Afrika öffentlich und auch vor Politikern präsentieren darf, gleichzeitig aber Angst haben muss, beim nächsten Auftritt nicht mehr genügend Künstler zu haben, "weil einige abgeschoben wurden"?
Appell an Politik. Die Plattform appelliert an die Politik, sich endlich für das humanitäre Bleiberecht stark zu machen. Glettler: "Das darf kein Gnadenakt der Innenministerin sein, das muss endlich Recht werden."

















