Das wird bestimmt "gemutlik"
Stimmwunder Al Jarreau (67) beehrt heute den Grazer Jazzsommer. Vorab sprach er mit uns über Musik, Aufmerksamkeitsdefizite, Halsweh. Und natürlich über Friesach.

Foto © ReutersAl Jarreau
Bei Ihrem letzten Österreich-Gastspiel haben Sie den Veranstalter mit einem herzlichen "Seawas Oida!" begrüßt. Woher können Sie das denn?
AL JARREAU: Ich war oft genug hier, um ein bisschen Umgangssprache aufzuschnappen. Das merkt man sich, weil es so fröhlich und "gemutlik" klingt.
Wird Ihr Konzert "gemutlik"?
JARREAU: Diese Musik hat man in Österreich von mir sicher noch nicht gehört. Manche Songs habe ich gar nie aufgenommen. Und eröffnet wird mit einem Tribut an Joe Zawinul: "Black Market". In einer frechen neuen Version.
Sie touren mehr in Europa als in Amerika?
JARREAU: Ja. Das europäische Publikum hört mit mehr Interesse und Neugier zu. Die Aufmerksamkeitsspanne der Amerikaner ist viel kürzer. Bei uns haben die Erwachsenen vor dem Musikgeschmack der Teenager kapituliert: Ein-Akkord-Musik für Leute mit Aufmerksamkeitsdefiziten. Meine Musik dagegen soll den Leuten Auftrieb geben.
Sie haben 7 Grammys für Jazz, Pop und Rhythm'n'Blues. Sind Sie überhaupt ein Jazzmusiker?
JARREAU: Sehen Sie, auf Jazzfestivals ist man wie unter alten Freunden. Aber ich will für Leute singen, die meine Musik noch nie gehört haben! Auch wenn es für sie ungewohnt ist. Ich bin in Österreich einmal in Friesach aufgetreten. Bei einem Wettbewerb sind da 15 oder 20 Bands durch den Ort marschiert, am Abend gab's ein Musikfestival. Was für ein tolles Publikum! Viele kannten meine Lieder nicht. Aber solche Auftritte sind, als schlösse man neue Freundschaften. Genau das ist mir wichtig.
Wie halten Sie Ihre Stimme fit?
JARREAU (lacht): Whiskey. Zigaretten. Frauen. Nein, nein, im Ernst: Die größte Gefahr für Sänger ist das Sängerdasein. Man arbeitet immer zuviel. Also achtet man darauf, Gurgellösung und Nasentropfen immer dabei zu haben.
Ist Ihre Stimme noch dieselbe?
JARREAU: Mein erstes Album habe ich 1975 aufgenommen. Inzwischen war ich viel unterwegs, habe zuviel gesungen. Heute habe ich mehr tiefe Töne. Aber das Publikum will ohnehin nicht, dass man klingt wie auf dem Album. Man muss nicht immer derselbe sein, genau das macht Spaß.
Und dabei heißt es immer, Jazz sei eine ernste Sache.
JARREAU: Aber nein! Zu meiner Musik sollen die Leute sich bewegen. Zuhören. Und tanzen. Das ist eine Aufforderung: Move your feet!














