Neuer Anlauf für den Grazer Drogen-Konsumraum
Grüne bringen Drogenkonsumraum wieder ins Spiel. Rechtlich wollen sie ihn mittels Pilotprojekt durchsetzen. ÖVP kündigt leise ihre Unterstützung an.
Drogensüchtige, die sich in öffentlichen Toiletteanlagen eine Nadel setzen. Drogenabhängige, die auf dem Hauptplatz in aller Öffentlichkeit ihrer Sucht frönen - sie sollen bald der Vergangenheit angehören, zumindest, wenn es nach den Grünen geht. Sie starten einen neuen Anlauf für die Einrichtung eines Drogenkonsumraumes. Rechtlich möglich soll das durch ein österreichweit einzigartiges Pilotprojekt werden, das für zwei Jahre konzipiert ist und wissenschaftlich begleitet werden soll. Das Ziel: Die Drogensüchtigen weg von der Straße holen. Umsetzung. Bei der Gemeinderatssitzung nächsten Donnerstag soll die Umsetzung des Projekts gestartet werden, zunächst mit einer Anfrage an Bürgermeister Siegfried Nagl, ob er die notwendigen Ergänzungen von Justiz-, Innen- und Gesundheitsministerium einholt. "Wir rechnen mit seiner Unterstützung - und dem Konsens von vier Parteien", betont Gemeinderat Heinz Baumann, selbst Sozialarbeiter. Er zielt damit auf das Ja von VP, SP und KP ab. Kernpunkt des Pilotprojekts ist der Konsumraum im dann ausgebauten Kontaktladen in der Orpheumgasse, wo Opiatabhängige unter ärztlicher Aufsicht und betreut von Sozialarbeitern sich Spritzen setzen können. "Ein klinischer Raum". "Das soll eine niederschwellige Anlaufstelle für schwer Süchtige sein, kein Wohnzimmer, sondern ein klinischer Raum", betont Roland Urban, Leiter des Kontaktlades. Jugendliche und Ersteinsteiger in die Drogenszene werden nicht betreut, außerdem muss eine Nutzervereinbarung abgeschlossen werden. "Unser Ziel ist es, sie von der Straße wegzuholen, bevor die Drogensituation in Graz eskaliert", so Baumann. Denn schon jetzt häufen sich die Beschwerden von Bürgern über den Drogenkonsum in aller Öffentlichkeit. "Und auch für die Süchtigen selbst ist es unwürdig." Kein grünes Licht. Nagl-Sprecher Thomas Rajakovics betont, dass es sich dabei nicht um ein grünes Licht für den Konsumraum handelt. "Aber eben auch kein kategorisches Nein. Bei einer Enquete im September wollen wir alle Experten hören und dann entscheiden." SP-Gesundheitsstadtrat Wolfgang Riedler kündigt für den Gemeinderat einen Info-Bericht zur aktuellen Situation in Graz an.
Features
Drogenkonsumraum
Europaweit gibt es bereits 75 derartige medizinisch betreute Konsumräume für schwer Süchtige, der erste startete 1985 in Bern. Unter den Betreuten sank die Sterberate, gab es weniger schwere Erkrankungen.
Rund 80.000 Euro würde das Projekt in Graz pro Jahr kosten.
















