Tanguera: Erotische Duelle in Graz
Achtzig Minuten "La Traviata" im "West Side Story"-Messerkampf: "Tanguera" aus Buenos Aires bietet in der Grazer Oper eine elektrisierende Tanzshow.

Foto © TangueraTanguera in der Grazer Oper
Zwischen 1880 und 1930 herrschte nicht nur in der Hafen-Hauptstadt Argentiniens Frauenmangel: Die Regierung startete ein Einwanderungsprogramm, dem sechs Millionen Europäer, die der Arbeitslosigkeit, dem Nachkriegs-Wirtschaftselend oder russischen Judenpogromen entfliehen wollten, in Hoffnung auf Wohlstand Folge leisteten. Frauen wurden oft durch Heiratsversprechen geködert, aber von Nachtklub-Paten und deren Entourage ins Animiergeschäft gezwungen.
Blutiger Messerkampf. Das ist der Ausgangspunkt für "Tanguera" von Diego Romay (Libretto), Lisandro Adrober (Tango-Arrangements), Mora Godoy (Choreographie) und Omar Pacheco (Regie). Die elektrisierende Tango-Show mit romantischer Love Story, blutigen Messerkämpfen und realistisch knisternder Erotik läuft seit 2002 vor ausverkauften Häusern wie der Berliner Staatsoper oder dem Teatro Alcalá in Madrid und reist nach dem Grazer Gastspiel in die Semperoper Dresden und ins Theatre Chatelet nach Paris weiter.
Welterfolg. George Bernard Shaw nannte einst den Tango den "vertikalen Gedanken eines horizontalen Verlangens", kümmerte sich aber nicht um die höchst kreative Herkunft des Kaschemmentanzes aus Habanera, Milonga, Walzer und Mazurka. Seit "El Choclo" 1903 seine Weltreise antrat, ist der Tango ein Welterfolg.
Tänzerischer Welterfolg. Auch die Protagonisten Gabriela Amalfitani als zarte Französin, Esteban Domenichini als ihr ruppiger Ritter Lorenzo und Oscar Marinez Pey als brutaler Nachtklub-Pate Gaudenzio sind seit Jahren ein tänzerischer Welterfolg. Unheimlich präzise auch Carla Chimento als Puff-Madame, weich timbriert die Singstimme von Marianella. Feurig und packend auch die 16 in vielen Soli geforderten Gruppentänzer. Das Premierenpublikum tobte und applaudierte eine Viertelstunde lang.


















