Ex mit SMS bombardiert: Stalking-Prozess in Graz
Stalking: Betrogene Ex-Ehefrau verschickte wüste Beschimpfungen. "Ich war zu verletzt."
Was zwischen zwei Menschen läuft und warum sie etwas tun oder nicht tun, soll ausschließlich deren Sache bleiben. Ein Gericht hält sich an Fakten und Faktum ist, dass dieses Ehepaar bereits seit einem Jahr geschieden war, aber trotzdem weiter zusammen lebte. "Warum?" erkundigt sich Richterin Julia Sorg bei der Ex-Ehefrau. "Niemand, selbst meine Schwiegereltern durften von dieser Scheidung etwas wissen, wir hatten sogar noch ein Kind geplant und mussten den Schein nach außen wahren", erzählt die Ex von diesem Arrangement. Der Ehemann, ein steirischer Arzt, flog auf Urlaub, seine Ex wollte ihn überraschen und - siehe da: eine andere war an seiner Seite.
Bekanntschaft. "Eine flüchtige Bekanntschaft", wischte er die Sache vom Tisch. "Doch dann habe ich ein Flugticket und einen Liebesbrief gefunden." - "Und Sie sind ausgerastet?" - "Ich war verzweifelt, als ich mitbekam, dass das schon länger geht", erzählt die Frau, "es war seine Ordinationsgehilfin."
Stalking. Wochenlang wurden der Ex und dessen Geliebte mit SMS bombardiert. "Das waren derart wüste Beschimpfungen, die ich gar nicht wiederholen kann", bemerkt die Richterin. "Ja", bestätigt die Beschuldigte, "ich war so verzweifelt . . . so verletzt . . . so fertig, ich habe diese Trennung nicht verkraftet." - "Und jetzt?" - "Nein, das mache ich nie wieder", versichert die Frau, "ich habe zu akzeptieren, dass er sich so entschieden hat." Allerdings: Erst vorgestern hat der Ex die (vorerst) letzte SMS bekommen. "Bitte", ersucht der Arzt die Richterin, "machen Sie ihr eindringlich klar, dass damit Schluss sein muss." Das Verfahren wird auf Probezeit eingestellt, jeder unerwünschte Kontakt hat zu unterbleiben - sonst droht eine Strafe. Tatsächlich und nicht nur zum Schein.















