Clemens J. Setz: "Nur der Agent" seiner Bücher
Der jüngste der nominierten Autoren geht mit einer Novelle ins Rennen - 750 Seiten starker Roman "Die Frequenzen" erscheint im Frühjahr - "Bin den langweiligen Weg gegangen".
"Geschichten erfinden und erzählen als wären sie wahr, mache ich schon sehr, sehr lange", sagt Clemens J. Setz im APA-Interview. "Das Aufschreiben hat etwa mit 17 angefangen." Heute ist der Grazer Autor 25 Jahre alt, steckt noch im Lehramtstudium für Mathematik und Deutsch und veröffentlicht im kommenden Februar sein zweites Buch - ganze 750 Seiten stark. Mit seinem Debütroman "Söhne und Planeten" (Residenz 2007) hat er es schon auf die Shortlist des aspekte-Literaturpreises geschafft, Ende Juni geht er als einer von nur zwei Österreichern mit einer Novelle beim Wettlesen um den Bachmann-Preis in Klagenfurt ins Rennen.
Kettenreaktion mit geringem Effekt.
"Es haben auch schon Leute mit großartigen Romanauszügen gewonnen, aber es ist riskant, weil in den Diskussionen dann mitunter beanstandet wird, dass zu viel offen bleibt", begründet Setz seine Wahl für eine in sich geschlossene Novelle. Auswahl genug hätten "Die Frequenzen" - so der Titel des umfangreichen neuen Romans - wohl geboten. "Wenn man einen Begriff googeln will, der das Buch beschreibt, dann ist das die Rube-Goldberg-Maschine", so der Autor kryptisch. Eine Maschine also, die nach einer langen Folge von Kettenreaktionen einen vergleichsweise geringen Effekt erzielt. "Wenn sich der verrückte Professor das Frühstücksei aufschlagen lässt, zum Beispiel." Wie man sich einen Roman nach diesem Modus vorstellen soll? "Es ist eine langwierige Geschichte. Es kommt alles vor." Mehr wird nicht verraten.
Affinität zur Naturwissenschaft.
Maschinen und Frequenzen lassen aber schon eine gewisse Affinität zur Naturwissenschaft erahnen. Dass Autoren wie Daniel Kehlmann mit solchen Themen sehr erfolgreich sind, erklärt sich Setz damit, "dass die Leute immer nach neuen Gebieten suchen, in denen sie Schönheit finden." Dafür brauche es aber das "oberflächliche, poetische Verständnis" eines Laien wie Kehlmann. "Nur dann werden die Bücher so gut." Setz selbst studiert Mathematik. "Warum nicht? Ich hab mir gedacht, das kann ich. Ich muss aber zugeben, dass es mich auch wirklich kaputt macht." Und Unterrichten kommt für den Lehramtsstudenten ohnehin nicht mehr infrage. "Das wäre für alle Beteiligten schrecklich. Ich kann's einfach nicht. Es ist mir egal, ob jemand etwas verstanden hat oder nicht."
Worst-Case-Szenario.
Als gescheiterter Schriftsteller Deutsch unterrichten wäre also nur das Worst-Case-Szenario für den ehrgeizigen Autor. Der Bachmannpreis, mit dem man "sofort berühmt und anerkannt" wäre, käme da gerade recht. Ebenso wie die 25.000 Euro - "da kann ich lang leben davon". Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit ja noch für alle 0,07, wie Setz nebenbei bemerkt, während den Lesungen verschiebt sich das dann ganz schnell ins Unberechenbare. "Es könnte schon sein, dass die Autoren am zweiten Tag einen frischeren Eindruck hinterlassen", meint Setz zur vorgezogenen Juryentscheidung auf den Abend des zweiten Lesetages. "Aber das sind ja fähige Leute." Inwiefern die Tatsache, dass er mit Abstand der jüngste der nominierten Autoren ist, eine Rolle spielt, lässt sich mindestens genauso schwer in Zahlen fassen.
"Der Agent seiner interessanteren Seite".
"Biografisch kann man nicht viel falsch machen", meint der Grazer beim Interview gleich einleitend. "Ich bin den ganz normalen, langweiligen Weg gegangen." Erste Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, dann ein hochgelobter, formal anspruchsvoller Roman. In der Freizeit Katzen, Klavierspiel und - weniger langweilig - Obertongesang. "Das ist eigentlich sehr leicht, es könnte jeder, der eine Zeitlang im Badezimmer übt", winkt Setz ab. Wer die spannenden, die "gequälten Dinge" von ihm erfahren will, muss in den Büchern suchen. "Dort findet man sie oder nicht." Außerhalb der Bücher sei man als Autor eben einfach nur "der Agent seiner interessanteren Seite", sagt Setz. Wenn man etwa bei Interviews erzählt, dass das J. in der Mitte für Johann steht, zum Beispiel. Und dass man es nur eingefügt hat um nicht mit einem anderen Grazer Autor, Georg Petz, verwechselt zu werden.















