Prozess: Grazer mit einer Holzlatte geprügelt
Im zweiten Anlauf wurde Räuber schuldig gesprochen. Satte sieben Jahre Freiheitsstrafe.
Das Prozedere in einem Schwurgerichtssaal kennt dieser Angeklagte, ein 29-jähriger Mann aus der Dominikanischen Republik: Vor ein paar Monaten stand er wegen schweren Raubes vor Gericht, weil er einen Grazer mit einer Holzlatte geprügelt und ihm Geld und eine wertvolle Uhr geraubt haben soll. Die Geschworenen kamen damals zum Schluss: Nein, so war das wohl nicht und sprachen den Mann frei.
Dacapo. Doch die Berufsrichter setzten diesen so genannten Wahrspruch mit der Begründung "Hier irrten die Geschworenen" aus. Also ein Dacapo mit neuem Gerichtshof. Richter Martin Wolf führt den Vorsitz und gleich die erste Frage: "Fühlen Sie sich schuldig?" - "Nein", kommt es temperamentvoll und wortgewaltig von der Anklagebank zurück. Richtig sei, dass er das spätere Opfer in einem Grazer Cafe kennen gelernt hätte, und richtig sei auch, dass dieser Mann bereits ziemlich betrunken war. Aber zusammengeschlagen? Und eine 100-Euro-Note und eine (echte) Breitling genommen? Nein!
Opfer.
"Doch, dieser Mann war es", schaut sich das Opfer, ein 67-jähriger Grazer, den Angeklagten genau an. "Sind Sie ganz sicher?", fragt der Richter nach. "Ja, er war es." Schon bei der Polizei hat er eine genaue Personenbeschreibung abgegeben: 180 cm groß, schwarze Haare, südamerikanischer Typ, circa 30 Jahre. All das trifft auf den Angeklagten zu. "Wir sind aus dem Lokal gegangen und ich wollte ihn loswerden", erzählt der Grazer weiter. "Ich sagte, verschwind' jetzt! Er holte eine Holzlatte und schlug auf mich ein. Er schrie laut, ich auch, dann fiel ich um."
Auffallend viele Fragen haben die Geschworenen während des Verfahren gestellt, ihr Spruch: schuldig mit 5 : 3 Stimmen. Sieben Jahre Haft. Nichtigkeit und Berufung, das war zu erwarten.
















