Arena-Diskussion: Stickler & Co. zur Lage der Fußball-Nation
Der Aufsteiger soll Österreich bei der EM als Vorbild dienen, sagt Trainer Werner Gregoritsch. ÖFB-Boss Stickler outet sich als Salzburg-Kritiker.

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Österreich soll das Finale erreichen und sich stahlhart an Kapfenberg aufrichten. Salzburg darf nicht Österreich sein, jedenfalls nicht repräsentativ für den heimischen Kick. Euphorie als Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Euro gehört zum Geschäft, Kritik ist erlaubt, aber um Himmels willen nur ja keine Teamchef-Debatte! "Ich möchte das nicht diskutieren", so ÖFB-Präsident Friedrich Stickler gestern in der von Achim Schneyder moderierten Kleine-Zeitung-Arena im Grazer Kunsthaus.
"Zu viel experimentiert"? Kleine-Experte Heribert Weber lässt jedoch nicht unerwähnt, dass "lange kein Stamm gefunden und sehr viel experimentiert" worden sei. Zu viel? Diese Frage bleibt vorerst offen. Jedenfalls hat sich Österreichs Fußballteam, so verblüffend das angesichts der nackten Zahlen klingt, offenbar einiges an Selbstvertrauen antrainiert. Werner Gregoritsch, der Kapfenberg in die Fußball-Bundesliga geführt hat, zieht eine Parallele zur Nationalmannschaft. "Uns hat niemand eine Chance gegeben, und jetzt sind wir oben."
Diskussion um Spry. Doch nicht alles, was im Team passiert, gefällt dem Trainer des Aufsteigers. "Für mich ist es unverständlich, dass man mit Roger Spry einen Coach aus dem Ausland geholt hat. Warum bringt man den österreichischen Trainern so wenig Vertrauen entgegen?" Stickler schlüpft in die Rolle des Team-Verteidigers. "Spry hat sehr viel internationale Erfahrung und die Testergebnisse waren sehr zufrieden stellend."
Kritik an Salzburg. Aber es gibt auch Konsens. Zum Beispiel in der Frage nach dem österreichischen Weg. Rapid wird als Meister gutgeheißen, der Legionärsklub Salzburg verurteilt. Selbst der ÖFB-Chef verlässt den Kurs der Diplomatie. "Es freut mich, dass Rapid den Titel geholt hat. Salzburg ist nicht aufwärts, sondern bestenfalls auf die Seite gegangen." Gregoritsch bedauert, dass sich Spieler wie Christoph Leitgeb und Rene Aufhauser von Salzburg locken ließen und dort häufig zuschauen.
Diskussion um Kader. Auch so manche Personalie erregt die Gemüter. Dass Sturm-Angreifer Mario Haas im Kader fehlt, wird bedauert. Die Frage aus dem Publikum, ob die Nominierung des im Frühjahr nur einige Minuten in Bremen eingesetzten Martin Harnik gerechtfertigt sei, beantwortet Weber neutral. "Auch international gibt es viele Teams mit Spielern, die bei ihren Vereinen nur auf der Bank sitzen, wie bei den Deutschen Schweinsteiger oder Podolski."
EM-Favoriten. Deutschland sind für Stickler und Weber die EM-Favoriten. Für Österreich hängt laut Weber alles vom Auftakt gegen Kroatien ab. Gregoritsch will unser Team im Finale gegen Italien oder Portugal sehen. "Kroatien unterschätzt uns", sagt er und zitiert Niko Kovac, der meinte: "Die Österreicher können laufen, so viel sie wollen, wir sind die besseren Fußballer." Gregoritsch: "Ich würde das in der Kabine aufhängen."


















