Luxusyacht "Black Money" zum Nulltarif
Die Hypo Steiermark wurde jahrelang mit System abgezockt. Der Betrugs-Krimi führt um die ganze Welt und hat auch komische Seiten.
In der Vorstandsetage der steirischen Landes-Hypobank am Grazer Joanneumring dürfte in den Jahren 2000 bis 2005 viel gejubelt worden sein. Das Leasing-Geschäft in Kroatien und Bosnien entwickelte sich phänomenal, die Umsätze sprengten Jahr für Jahr die Bilanzen. Doch 2006 platze die schöne Illusion: Man war einem Betrüger-Netzwerk zum Opfer gefallen.
Rasche Markteroberung.
Heute muss man fragen, ob der Rausch der raschen Markteroberung nicht den Blick getrübt hat für die nötige Kontrolle. Denn es war vor allem ein Mann, Dr. Peter S., der als Alleingeschäftsführer in den Hypo-Leasing-Firmen alle Zügel in der Hand hielt. Als man die Notbremse zog und S. ablöste, blieb ein Desaster zurück.
Allein die Hypo Kfz Leasing hatte gegenüber 1.651 Kunden offene Forderungen von 137 Millionen Euro. Viele dieser Forderungen sind bis heute uneinbringlich, weil die Firmen verschwunden sind, die Leasinggüter gar nicht existieren oder die Bank wegen fehlender Sicherheiten keinen Zugriff auf Wertgegenstände hat.
"Faule Leasingverträge".
Die Gerichtsakten zu dem spektakulären Fall zeichnen nach, wie sich die Betrüger bei der Bank bedienten: Bei fast allen "faulen" Leasingverträgen traten immer wieder dieselben Lieferanten und Leasingnehmer auf, die sich gegenseitig Autos oder Maschinen lieferten. So schloss etwa eine Firma "Rok d.o.o." insgesamt 13 Leasingverträge ab, mit denen sie ein Segelboot Elan 45, einen Mitsubishi Pajero, einen gebrauchten Jaguar XJ Executive sowie Luxusautos der Marken Audi, BMW und Mercedes bezog.
Spuren ins Steuerparadies.
Obwohl die Firma ihre Raten nicht zahlte und im Mai 2003 bereits mit 18.167 Euro gegenüber der Hypo im Rückstand war, wurden weiter neue Leasingverträge genehmigt. Im Genehmigungsblatt für das Segelboot findet sich ein Vermerk von Geschäftsführer Dr. S: "Zusätzliche Finanzierung aufgrund bisher ordnungsgemäßer Zahlweise vertretbar".
Als die Sache bereits gerichtsanhängig war, schrieb ein Hypo-Mitarbeiter einen Vermerk auf das Wertberichtigungs-Blatt: "laufen lassen laut SP für 12-132". "SP" ist der Hypo-Geschäftsführer Peter S., die Zahlen sind die Endnummern der Leasingverträge. Scheinbar war es also der Chef selbst, der die Eintreibung verhinderte. Ob dies böswillig geschah, müssen die Strafgerichte klären - die Bank hat S. und einen Prokuristen wegen Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung angezeigt. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Unübliche Details finden sich in hunderten Geschäftsfällen. So wurde mit der gerichtlichen Eintreibung oft die Zagreber Anwältin Renata P. beauftragt, obwohl sie das betreffende Geschäft selbst vermittelt hatte. P. ist eine Zentralfigur der Affäre, sie und andere Vermittler kassierten für ihre "Dienste" auch noch sagenhafte 6,3 Millionen Euro Provisionen von der Hypo.
Geleast wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war: Asphaltiermaschinen, Mähdrescher, Kaffeehaustische, Heizräume, Klimaanlagen, Traktoren. Der Krimi führt mittlerweile um die ganze Welt; Scheinfirmen aus den Steueroasen Belize und British Virgin Islands sind ebenso involviert wie etwa die Firma Dixie Reproductions aus Goodlettsville, Tennessee (USA), die eine Druckmaschine an die Zagreber Firma Iterum lieferte. Die Iterum veröffentlichte zweimal exakt dieselbe Jahresbilanz. Trockener Kommentar von Gerichtsgutachter Fritz Kleiner: "Iterum heißt auf lateinisch ,abermals, nochmals'." Schaden aus diesem Fall: 297.360 Euro.
Unfreiwillige Komik.
Auch sonst regiert über weite Strecken unfreiwillige Komik. So heißt eine Lieferfirma "Foculus" (lateinisch: Opferpfanne). Die Fleisch-Großhandelsfirma GIPI aus Citluk (Bosnien) leaste neben Geschäftsausrüstung auch die Motoryacht "Black Money I", was niemand verdächtig fand. Nach zwei Raten stellte sie die Zahlung ein, der Schaden beträgt laut Gutachten 242.000 Euro. Auch hier existiert ein Vermerk von Dr. S: "Zusätzliches Obligo vertretbar." Noch ein Detail: Als die Bank von GIPI-Firmenchef Pero G. die geleaste Ausrüstung zurückverlangte, hielt dieser zwar die Gegenstände zur Abholung bereit, verrechnete der Hypo aber 335.000 Euro Lagergebühr. Die Bank war offensichtlich zur goldenen Gans geworden - jeder schlachtete sie, wo er nur konnte.
Features
Fakten
Die Hypo-Tochterfirmen wur-
Variante 1: Lieferant verrechnet der Bank Waren, die er gar nie beim Leasingnehmer abgeliefert hat.
Variante 2: Der Leasing-Nehmer zahlt die Raten nicht und verschwindet mit der Ware.


















