Betondecke begrub Polier: Bauleiter vor Gericht
Polier starb unter einstürzender Betondecke. Der Bauleiter steht vor Gericht.

Foto © AP
Mit Unterstellungen muss man vor Gericht vorsichtig sein. Richter wollen keine Fragen wie "Was glauben Sie. . .?" und auch keine Antworten, die mit "Ich glaube. . ." anfangen. Nur Fakten zählen, und so musste Richter Helmut Krischan gestern auch einige Male dazwischenfahren.
Polier getötet. Und doch zieht sich das Thema "Unterstellung" durch diesen Prozess gegen einen oststeirischen Bauleiter. Es geht allerdings um die Abstützung der Verschalung für eine Betondecke - Maurer-Deutsch: "Unterstellung". Tatsache ist, die Decke stürzte im Juli des Vorjahres beim Betonieren ein und tötete den Polier. Tatsache ist auch, dass die Decke mit normalen Stehern "unterstellt" war, nicht mit Schwerlaststehern, die fünfmal soviel tragen könnten.
Offen ist, wer dafür verantwortlich ist. Die Staatsanwältin meint, der Bauleiter, und hat "fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" angeklagt. Der Bauleiter meint, der Polier. Und wer hat den Polier kontrolliert? Offenbar er sich selber, jedenfalls nicht der Bauleiter.
Gegenteilige Aussagen. Schwerlaststeher seien genug auf der Baustelle gewesen, der Polier habe sogar überzählige abtransportieren lassen. Ein anderer Maurer, der direkt aus dem Krankenhaus kommt, wo er eine Lebertransplantation erwartet (keine Unterstellungen jetzt!) erzählt es anders: Er hätte Schwerlaststeher einbauen sollen, aber es gab keine. Da habe der Polier gesagt: "Dann passt's so." Einem anderen sagte er angeblich sogar: "Wir kriegen auch keine."
Vertagt. Warum wird betoniert, wenn keine Schwerlaststeher da sind?", fragt der Richter. "Gute Frage", lobt ein Zeuge. Das Gericht will das nächste Mal klären, ob tatsächlich genug Steher da oder zumindest verfügbar waren, wie der Bauleiter behauptet. Es wird vertagt.
















