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Zuletzt aktualisiert: 12.04.2008 um 07:26 Uhr

Mobbing-Vorwürfe gegen die Post

"Karriere- und Entwicklungscenter" der Post in Graz entpuppt sich als Abschiebezentrum für Mitarbeiter, die man loswerden will. Postler sollen zu freiwilligem Abgang oder in Pension gedrängt werden.

Foto © APA

Die wollen uns zermürben, uns dazu bringen, selbst zu kündigen. Und sie geben mir das Gefühl, nichts mehr wert zu sein. " Ein ehemals stolzer Mitarbeiter der Post wirkt geknickt. Viele Monate hat er in einem "Karriere- und Entwicklungscenter" der Post in Graz verbracht.

Zum Nichtstun verurteilt. Solche Einrichtungen gibt es in ganz Österreich. Der Name Karriere- und Entwicklungscenter ist zynisch. Mitarbeiter machen dort weder Karriere, noch können sie sich entwickeln. Im Gegenteil: Sie werden dort "geparkt" und sind zum Nichtstun verurteilt, weil die Post sie nicht mehr einsetzen kann oder will.

Bezahlte Arbeitslosigkeit. Ein Center ist im zweiten Stock des Postgebäudes in der Grazer Neutorgasse. Offiziell heißt es von Seiten der Post AG, dort seien nur rund 35 Mitarbeiter untergebracht. In Wahrheit sind es mehr als 80, und schon nächste Woche gibt es Verhandlungen über 70 weitere Zugänge, die von der Paketlogistik am Bahnhof Graz in die ungewollte bezahlte Arbeitslosigkeit geschickt werden. Das Durchschnittsalter der "Insassen" liegt bei 45 Jahren.

Zeitung lesen und Karten spielen. Ein Mann, der im Karriere- und Entwicklungscenter untergebracht war, beschreibt: "Ich saß tagtäglich acht Stunden mit einigen anderen Kollegen in einem Raum. Wir konnten Zeitung lesen oder Karten spielen, aber wir durften nicht arbeiten - obwohl jeder gern gearbeitet hätte." Nur zwischendurch sei man für diverse Tätigkeiten herangezogen worden.

Offiziell heißt es von der Post, die Mitarbeiter seien "zumindest teilzeitbeschäftigt".

JOSEF FRÖHLICH

60 Prozent unkündbar

In der Steiermark gibt es 3200 Postler. Etwa 60 Prozent davon sind beamtet, also unkündbar.

Rund 80 Mitarbeiter sind derzeit in Graz im "Karriere- und Entwicklungscenter", rund 700 in Centern in ganz Österreich. Die Tendenz ist steigend.

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