Hypo-Leasing allein gegen "Mafia"
Die Sanierung der Hypo-Leasingfirma stößt in Kroatien und Bosnien auf massive Gegenwehr. Die Bank sieht sich im Visier von Kriminellen. Ex-Cobra-Chef lieferte heißes Mafia-Dossier.
Die missglückten Leasinggeschäfte der steirischen Landes-Hypobank in Kroatien wachsen sich zu einem atemberaubenden Kriminalfall aus. Denn die Bemühungen der neuen Bank-Führung, mit allen zwielichtigen Praktiken aufzuräumen, stoßen offenbar auf erbitterten Widerstand. Zur Wehr setzen sich jene Personen, die jahrelang durch Leasing-Betrug lukrative Einnahmen erzielten. Eine neue Strafanzeige rollt diese Hintergründe nun auf.
Faktum ist, dass sich die Bank seit dem Auffliegen der Affäre im Jahr 2006 in Kroatien und Bosnien stark bedroht fühlt. Mitarbeiter fürchten um ihr Leben, bis heute können sie nur mit Leibwächtern ausfahren. Im Herbst 2006 griff man deshalb zu einer eher befremdlichen Notmaßnahme: Die Hypo-Bank beauftragte den früheren Chef der Antiterroreinheit Cobra, Wolfgang Bachler, mit der Aufdeckung aller kriminellen Verflechtungen in Kroatien und Bosnien. Das Ganze lief als geheime Kommandoaktion unter strikter Geheimhaltung.
"Organisierte Kriminalität". Die Security-Firma "Bachler und Partners", an der auch Ex-Innenminister Karl Schlögl und der frühere Kärntner Landeshauptmann Christof Zernatto beteiligt sind, lieferte daraufhin in der Grazer Hypo-Zentrale eine rund 150 Seiten starke "Netzwerkanalyse" ab. Durchleuchtet wurden Geschäftspartner, Vermittler, Anwälte und Hypo-Mitarbeiter.
Brisant. Der Inhalt des Dossiers, das der Kleinen Zeitung vorliegt, ist brisant: Es gebe in beiden Ländern ein dichtes Geflecht aus organisierter Kriminalität, von dem ein "hohes Bedrohungspotenzial für die Hypo Leasing" ausgehe.
Gefährlich. Bachlers Analyse zählt dutzende Firmen, Scheinfirmen und Personen auf, die allesamt "der organisierten Kriminalität zuzurechnen" seien und als gefährlich eingestuft werden müssten. Zitat: "In Bosnien stehen der Hypo Steiermark Leasing zwei überaus starke Netzwerke aus kriminellen Familienclans gegenüber." Von einem der Clan-Chefs, Ismet B. (Name der Redaktion bekannt), gehe "absolute Gewaltbereitschaft" aus. Dem kroatischen Netzwerk wird "proportional zunehmende Aggressivität" bescheinigt, und zwar "in dem Maße, wie deren Einnahmequellen zerstört werden und sie in den Fokus der Strafverfolgung gelangen".
Betrug, Untreue etc. Als kriminell, gewaltbereit und/oder gefährlich werden in dem Bericht auch jene Personen bezeichnet, gegen die in Graz seit längerem Voruntersuchungen wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung laufen. Darunter der 2006 entlassene Ex-Geschäftsführer der Hypo-Leasingfirma, Peter S. (62), die Zagreber Rechtsanwältin Renata P. (43), der Unternehmer Rudolf M. (58) und der Autoverkäufer Svemir K. (46), der laut Bachler "Chef einer mafia-ähnlichen Suborganisation" ist.
Anzeige. Peter S. wehrt sich jetzt gegen die Unterstellungen: Er hat über seinen Rechtsanwalt Harald Christandl Anzeige wegen Verleumdung eingebracht. In der Hypo gibt man sich zerknirscht: Das Mafia-Dossier sei nur für den "strikt internen" Gebrauch bestimmt gewesen.
Features
Fakten
Im Jahr 2006 flog auf, dass die Hypo- Leasingtochter in Kroatien jahrelang planmäßig betrogen wurde. Die Bank musste Forderungen von 122 Millionen Euro abschreiben und bemüht sich nun um Begrenzung des Schadens.
















