ExperimentMit 50 Euro durch die Woche: "Die Rechnung bitte"

"Wie weit komme ich mit 50 Euro in der Woche?" -so lautete meine Frage am Anfang der Woche. Am letzten Tag hatte ich endlich die Antwort gefunden ...

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Lange fieberte ich dem letzten Tag der Woche entgegen und schlussendlich stand er vor der Tür. Schneller als gedacht. Von meinen Ausgangs-Szenarien, die ich mir am Anfang der Woche zweckoptimistisch zurechtlegte, sollte sich keines erfüllen. Weder stand ich mit Gitarre, Hut und strapazierten Stimmbändern am Jakominiplatz.

Sehr zum Glück aller Beteiligten, denn sehr wahrscheinlich wäre meine Haupteinnahmequelle jene gewesen, dass mir Passanten Geld gegeben hätten, nicht zu singen. Noch wurde ich zum millionenschweren Lottosieger. Dennoch sorgte der Gewinn in der Höhe von 1,20 Euro für eine kurze Verschnaufpause meiner Geldbörse. Abschließend ließ ich mir nur allzu gerne am heutigen Sonntag die Rechnung präsentieren.

Wie geht es den 50€ derzeit?

Tag 1 (hier nachzulesen)

-3€ (Lotto)

Tag 2 (hier nachzulesen)

-3€ (Jause)

Tag 3 (hier nachzulesen)

-0,50€ (Kaffeeautomat Uni)

-11,96€ (Nahrungsmittel)

-4,10€ (Schwimmbad)

Tag 4 (hier nachzulesen)

+1,20€ (Lotto)

-5,34€ (gutes Benehmen)

Tag 5 (hier nachzulesen)

-3,70€ (Tee)

Tag 6 (hier nachzulesen)

-7,30€ (Grillgut)

Tag 7

keine Angaben

es bleiben: 12,30€

Am Nahrungsmitteleinkauf verhungert das Budget

Als größte Ausgabe meiner finanziellen Fasten-Woche sollte sich der Lebensmittel-Einkauf herausstellen. Die Ausgaben um 12 Euro ließen mich an der Kassa kurz schlucken. Doch schlussendlich stieg ich mit diesem Einkauf noch billiger aus, als gedacht. Es war mir ein denkbar großes Anliegen, meinen Öko- und Nachhaltigkeits-Prinzipien treu zu bleiben und infolgedessen entschied ich mich für die teureren Bio-Produkte. 

Lebensmittel werden zu Über-Lebensmitteln. Foto © Michael Schäfl

Dennoch kaufte ich lediglich für eine einzelne Person ein. Familien oder Paare, die sich mehr oder minder freiwillig mit dieser Finanz-Herausforderung konfrontiert sehen, jagen die Preise beim Einkauf einen kalten Schauer über den Rücken, bis hinein in die Geldtasche. Alternativen, wenn selbst das Geld für Billigprodukte knapp wird, wären die Fairteiler an unterschiedlichen Plätzen in Graz, doch die hier angebotetenen Produkte benötigen wohl andere dringender, als ich.

0-Fixkosten-Luxus

Zusätzlich musste ich in dieser Woche keine periodischen Ausgaben tätigen. Miete war bereits bezahlt und mit dem Fahrrad schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Auto und Öffi-Karten sind also hinfällig. Somit konzentrierten sich die 50 Euro auf Lebensmittelausgaben und Freizeitaktivitäten. Letztere hielten sich aufgrund meiner inneren Motivation, wirklich so wenig Geld wie möglich zu benötigen, auch eher im Zaum.

Fahrradfahren schont das Portemonnaie. Dabei hat jedoch die Gesundheit noch ein Wörtchen mitzureden. Foto © Michael Schäfl

Dennoch wird manch sonst Alltägliches schnell zum Luxus, Kinogehen, Frühstücken mit Freunden oder Theater- und Museumsbesuche werden zur selten gegönnten Belohnung, falls das nötige Kleingeld übrig bleibt.

Gesunder Lebensstil spart viel

Dadurch, dass ich als Nichtraucher ohne mit der Achsel zu zucken an einer Trafik oder einem Zigaretten-Automaten vorbeigehen kann, sparte ich abermals Geld. Menschen, denen es anders ergeht, und die, um am zweiten Tag nicht einen unverantwortlichen Wut- und Verzweiflungsanfall zum Besten zu geben, ihre tägliche Nikotin-Dosis benötigen, brennen sich sprichwörtlich aus.

Doch wer jetzt denkt, dass mit einem gesunden Lebensstil die finanzielle Problematik gelöst ist, der irrt. Sport hinterlässt im Geldtascherl auch Risse, von passender Ausrüstung kann hier noch gar nicht die Rede sein. Eine Eintrittskarte ins Schwimmbad wiegt sich finanziell gleich aus, wie eine Schachtel Zigaretten. Zumindest bleibt einem bei beidem die Luft weg.

50 Euro in der Woche - ein Fazit

Selbstverständlich sind 50 Euro für eine Woche, gemessen daran, dass keine Fixkosten anfallen, noch relativ akzeptabel. Doch immerhin beschert das kleine finanzielle Fenster genügend Einblicke, um sich die Situation mancher genauer vor Augen zu führen. Man beginnt, sich über kleine Geldbeträge mehr Gedanken zu machen und öffnet nicht leichtfertig für jeden Kaffee oder Snack bereitwillig die Geldbörse. Eine jede Ausgabe will gut überlegt sein und nach deren Sinnhaftigkeit beurteilt werden. Vorstellbar, wie es denen geht, die noch weniger haben. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass diese in keinster Weise freiwillig die Spendierhose gegen das finanzielle Korsett getauscht haben. Denn arm zu sein, suchst sich niemand freiwillig aus.

Mein Schlussfazit: "Bei weniger Geld als gewohnt, werden alltägliche Kleinigkeiten rasch zu Luxus, im Gegensatz dazu, wird man mit unbezahlbaren Erfahrungen entlohnt."

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