UKH GrazKnochenjob für 50.000 Patienten

Die politische Debatte um die Zukunft der AUVA trifft auch ihre Spitäler: Lokalaugenschein im UKH Graz-Eggenberg.

Erste Station: Wundversorgung © Ballguide/Stefan Pajman
 

So ein Fehltritt kann ganz schön folgenschwer sein. Fragen Sie Helmut Gerhold. Im Februar war er noch auf Montage in Italien – dann ein Sturz und jetzt liegt der 60-Jährige in einem Dreibettzimmer im Grazer UKH. Sehnenriss und Schulterluxation. Am Dienstag ist er operiert worden, zwei Tage später macht sich schon die Therapeutin an seinem Arm und der Schulter zu schaffen. Das Gelenk soll schließlich nicht versteifen.


Zähne zusammenbeißen heißt es aber nicht nur für ihn: Der Südoststeirer ist einer von mehr als 50.000 Patienten, die alljährlich im Unfallkrankenhaus landen. Fallweise übrigens durchaus wörtlich: Der Rettungshubschrauber hat seinen eigenen Landeplatz.


In der Erstaufnahme sitzen an diesem Donnerstagmittag etwa 20 Personen und warten darauf, zu ihren Beschwerden auch eine Diagnose zu bekommen. Hinter Türe C entscheidet sich ihr Schicksal: Dort erfolgt eine erste Einschätzung der Situation, farblich abgestimmt wird bestimmt, wer sofort versorgt werden oder warten muss. Auch wenn’s nicht jeder einsehen will: Akutpatienten – meist eingeliefert mit Rettung oder Notarzt – haben Vorrang.

Auch Promis werden hier verarztet

140 Betten auf fünf Stationen (vier allgemeine, eine Privatstation) gibt es im UKH. Die Aufenthaltsdauer: ein paar Tage bis Monate. Auch Promis sind unter den Patienten. Im Haus hängen etwa Poster von Rallye-Profi Helly Frauwallner oder den 99ers, auch Sturm wird hier bei Bedarf verarztet.


Es ist nicht immer gleich viel los, aber im Schnitt werden tagtäglich rund 150 bis 200 Frischverletzte betreut (in der Nachbetreuung einen Gang weiter fast doppelt so viele, dort allerdings die meisten mit Termin).


Diesen Mittag ist alles ruhig – das ist aber nicht immer so. Wer hier arbeitet, kann ein Lied davon singen: Wenn etwa mit dem Alkspiegel nachts auch das Aggressionspotenzial steigt. Mittlerweile gibt es zu den Untersuchungsräumen keine Schiebetüren mehr – die Türen werden von innen geöffnet, dort zeigen Monitore auch, wenn draußen jemand glaubt, aufdrehen zu müssen. In der Nacht gibt’s einen Wachdienst – und gelegentlich braucht’s sogar das Einsatzkommando, weiß Unfallchirurg Maximilian Kerl. – Im Normalfall allerdings nur die fachliche Kunst eines Mediziners.


Dass gut geplant halb gewonnen ist, zeigt sich hier an allen Ecken und Enden. Von den Untersuchungszimmern ist es nicht weit zu Röntgen, CT oder MR – von der Rettungseinfahrt geht’s direkt in den Schockraum und zur Wundversorgung. Dort kümmert sich ein Arzt gerade um einen Daumen, der einer Kreissäge zu nahe gekommen ist. Viel zu nahe!


Überhaupt: Empfindlich sollte man hier besser nicht sein. „Vom Holzspan im kleinen Zehen bis zur Fingerabtrennung durch den Holzspalter oder die Rissquetschwunde beim Sturz“ gibt’s da alles. Und noch viel mehr: Mit Beginn der Motorradsaison steigt auch die Zahl der Zweiradunfallopfer wieder, mit den ersten reifen Kirschen jene der Leitersturzpatienten ...

UKH Graz: Lokalaugenschein

Ein Blick in den Aufwachraum

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In der Wundversorgung: Hier ist ein Patient mit dem Daumen zu nahe an eine Kreissäge gekommen

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Der ärztliche Leiter, Primar Michael Plecko

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Was spielt sich draußen bei der Rettungszufahrt oder in der Aufnahme ab? Das sieht man auch drinnen in den Untersuchungsräumen

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Ab in die Röhre: Magnetresonanztomographie

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Auch die Computertomographie darf nicht fehlen

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Wenn der Patient nicht zum Röntgen kommen kann, kommt das Röntgen zum Patienten: mobiles Röntgengerät

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Mehr als 50.000 Patienten werden pro Jahr im UKH versorgt

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Auch ein eigenes Blutlabor gibt es

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Moderne Röntgentechnik, Unfallchirurg Maximilian Kerl zeigt, wie's geht

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Und schon wartet die nächste OP

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Vorrang für Akutpatienten

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So funktioniert es, das mobile Röntgengerät

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Auch das findet man im Gipszimmer: einen sogenannten Mädchenfänger - oder genau genommen eine Extensionshülse

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Betten im Gang - aber nur, weil sie zum Sterilisieren ausgetauscht werden. Im Gang schläft hier kein Patient

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Wie kommt der Patient wieder auf die Beine? Hier eine Aufstehhilfe

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Und so schaut dann das Innenleben der Patienten aus ...

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Protestaktion des Betriebsrats

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Was nicht alles die Knochen zusammenhält ...

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Schritt für Schritt: Therapie wird großgeschrieben

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Zwei Tage nach der Operation ist schon die Therapeutin am Werk

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Fünf Bettenstationen gibt es, vier allgemeine, eine Privatstation - und viele Menschen, die dort alles im Griff haben

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Ohne Schwestern und Pfleger geht gar nichts. 460 Menschen arbeiten insgesamt im UKH

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So viel zur aktuellen Debatte ...

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Der Knöchel ist gebrochen, da hilft nur eine OP - und vorerst ein Gips

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Es muss nicht immer Gips sein

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Eine Hand, einmal Röntgen, einmal CT

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Und wenn es allein nicht mehr geht, dann mit Krücke. Der Vorrat ist gefüllt

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Warten heißt es in der Erstambulanz - Akutpatienten haben Vorrang

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Unfallchirurg Maximilian Kerl wirft einen Blick auf den OP-Plan

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Arbeitsutensilien in der Wundversorgung

Ballguide/Stefan Pajman
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Nein, das sind nicht alles klassische Arbeitsunfälle – womit wir mittendrin wären in der aktuellen Diskussion um die Nicht- oder Schon-Zukunft der AUVA. Die lässt hier, no na, keinen kalt – weder die Patienten noch das Personal. Die einen fragen schon, „ob sie dann die Behandlung selbst zahlen müssen oder nicht mehr behandelt werden“ – die anderen fragen sich, was aus ihren Jobs wird. „Ich bin jetzt seit 37 Jahren hier, dass ich das noch miterleben muss, diese Verunsicherung, das ist schon belastend“, spricht es Petra Panzenböck (beruflich im UKH und auf der Bühne daheim) offen aus. Und an vielen weißen Mänteln steckt ein Button: „Stopp der Zerschlagung der AUVA“. Der Betriebsrat ist gerade im Haus unterwegs, verteilt diese.


460 Menschen arbeiten in diesem Spital, Ärzte, Schwestern, Pfleger ... „Von den großen UKH machen wir mit der kleinsten Mannschaft die meisten Versorgungen“, stellt Primar Michael Plecko in einer kurzen Pause zwischen zwei OPs klar. 44 Unfallchirurgen gehören zum Team, 17 Anästhesisten – an die 5100 Operationen schaffen sie im Jahr. Extremitäten, Wirbelsäule, Becken: Hier sind die Spezialisten für echte Knochenjobs zu Hause.


Für den ärztlichen Leiter ist es die chirurgische Versorgung, die zählt, „unabhängig vom Versicherungsstatus“. Für den Präsenzdiener, der gerade im Gipszimmer verarztet wird, wohl auch. Bei einem Sprung ist er „blöd aufgekommen“: Der Knöchel ist gebrochen, muss operiert werden. Das tut weh, aber was soll’s: „Ich hab da sehr viel Vertrauen in das Krankenhaus.“ Sagt’s und wird mit Gips wieder zum Röntgen geschoben.

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