JoanneumFür Moses wurde ein Erbe gefunden

„Geschenk“ aus Nazi-Ära wird zurückgegeben.

Die Replik
Die Replik © KK
 

Der Fall Moses ist geklärt. Die während der Nazi-Zeit zwangsverschenkte Skulptur „Moses“ hat einen neuen Besitzer. Ein Grazer Universalerbe wurde ausfindig gemacht, er bekommt das Kunstwerk dieser Tage zugestellt.
Vor zwei Jahren erregte der Fall großes Aufsehen. In Artikeln der Zeitschrift „David“ und der Kleinen Zeitung wurde darüber aufgeklärt, welches Schicksal hinter jener Skulptur steckte, die damals nur durch ein Kellerfenster im Schloss Eggenberg von außen zu sehen war. Diese Replik eines Michelangelo-Werks war ursprünglich im Besitz der wohlhabenden jüdischen Familie Bauer aus Wien.

Der pensionierte Krankenkassenleiter Adolf Bauer wurde gezwungen 1939 nach Graz zu ziehen, wohnte in Wetzelsdorf, wurde wieder nach Wien geschickt und von Frau und Kind getrennt. Die Familie musste ihr Hab und Gut verschenken, die Bücher gingen an die Grazer Gefangenenbücherei, den Moses musste die Familie verschenken, da niemand semitische Kunst haben wollte – Nutznießer war seinerzeit das Joanneum.

Adolf Bauer wurde kurz darauf in Wien hingerichtet, die Tochter als Lehrerin in die Untersteiermark strafversetzt. Auch wenn die Statue laut Abteilung 9 der Landesabteilung für Kultur, Europa und Außenbeziehungen nur einen „Liebhaberpreis von zwei- bis dreihundert Euro“ hat, steht sie also stellvertretend für das traurige Schicksal ihrer Besitzer in einer düsteren Zeit.

Wolfgang Muchitsch, Geschäftsführer des Universalmuseums Joanneum, bestätigte, dass dies der erste Fall aus der Bevölkerung sei, durch den eine Restitution eingeleitet wurde. Die Recherchen ergaben nun, dass ein 86-jähriger Grazer als Universalerbe existiert. Das Joanneum wird die Rückgabe innerhalb der nächsten Tage durchführen. Robert Preis

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