,Plus von 20% im Monat'Online-Apotheken: Ein Boom mit Nebenwirkungen

Die Grippewelle rollt - und viele Betroffene bestellen längst vom Bett aus Hustentee und Co. Auch in Grazer Onlineshops. Ein Boom mit Folgen?

Mittlerweile gibt es neun steirische Versandapotheken
Mittlerweile gibt es neun steirische Versandapotheken © Gina Sanders - Fotolia
 

Der Schwächeanfall blieb aus, ganz im Gegenteil: An allen Fronten legt man zu. So ist die Zahl jener Apotheken, die einen Onlineshop anbieten, in Graz wie in der Steiermark sukzessive gestiegen - und damit die Anzahl der Kunden. Auch in diesen Tagen bestellen unzählige Grippekranke die Brausetabletten vom Bett aus. Via Fingerdruck aufs Display.

Auch der Pionier drückt aufs Gas: 2015 startete die Grazer Apothekerfamilie Rothlauer ihren Onlineversand „Valsona“ - als erster offizieller Betrieb in der Steiermark. Zweieinhalb Jahre später schmunzelt und seufzt Ivo Rothlauer zugleich: „Unser Onlineversand wächst stetig: monatlich um 20 Prozent“, so der 22-Jährige. Dieser Boom habe aber zur Folge, „dass wir langsam an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen.“

Pionier in der Steiermark: Ivo Rothlauer
Pionier in der Steiermark: Ivo Rothlauer Foto © KLZ/HOFFMANN

Dem Beispiel Rothlauer sind längst viele gefolgt: Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen listet aktuell neun steirische Versandapotheken auf - vier davon in Graz: Neben den Rothlauers sind dies die Apotheken Casa-Medica, Adler sowie die Regenbogenapotheke. Was sie eint: Von Gesetzes wegen dürfen sie nur rezeptfreie und in Österreich zugelassene Medikamente anbieten. Dass sie sich daran halten, soll ein Logo auf der Homepage verdeutlichen: ein weißes Kreuz mit grüner Schrift, das angeklickt werden kann, um quasi den TÜV des Bundesamtes zu erhalten.

Immerhin 11.000 Artikel hat die Grazer Regenbogenapotheke online parat. „Die Leute können uns jederzeit telefonisch um Rat fragen“, betont Sabine Wagner-Theußl. Umgekehrt sei man aber auch hellhörig, „wenn jemand drei Schmerzmittel bestellt, dann fragen wir schon nach, ob das etwa für drei Personen bestimmt ist.“ 5000 Produkte bietet Ivo Rothlauer an. „Zu Apothekenpreisen“, wie er betont: Er mache nicht mit bei dem Preiskampf, der im Netz tobt. Gerade Branchenkollegen im Ausland würden online „mit Diskonttarifen agieren“.

Jürgen Fuchs Kritisch: Gerhard Kobinger, Präsident der Apothekerkammer
Kritisch: Gerhard Kobinger, Präsident der Apothekerkammer © Jürgen Fuchs

Diese Auftritte im Internet, „von welchem Land aus auch immer koordiniert“, bereiten Gerhard Kobinger Kopfschmerzen. „Am Ende dieser Kette steht dann plötzlich ein Kunde in einer Grazer Apotheke, öffnet ein Kuvert und meint: Ich hab diese blauen Pillen online bestellt, können Sie mir sagen, ob die echt sind?“, schildert der Präsident der Apothekerkammer. „Und das zu Preisen, dass es dir die Sicherungen raushaut. Alles schon erlebt.“

Doch auch das Tun der Grazer Kollegen sieht Kobinger kritisch. „Im Grunde erreicht jeder von uns binnen fünf Minuten eine stationäre Apotheke. Brauchen wir dann noch Onlineapotheken? Oder gefährden diese am Ende dieses stationäre Netz samt Nachtdiensten?“

 

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