Grazer geschädigtBankberater leerte Kundenkonto: 560.000 Euro fort

Ein Grazer Anleger verlor 560.000 Euro, weil ein Volksbank-Berater heimlich Geld vom Konto abbuchte. Die Bank warf den Mitarbeiter fristlos hinaus, muss aber für den Schaden nicht haften.

Geschädigter Anleger Horst Raggam
Geschädigter Anleger Horst Raggam © Simon Moestl
 

Diese unglaubliche Story darf einfach nicht passieren: Der Anleger Horst Raggam hatte bei der Volksbank Graz-Bruck rund eine Million Euro veranlagt. Im Frühjahr 2015 fehlten plötzlich 560.000 Euro.

Das Geld war von Dezember 2014 bis Juni 2015 in sieben Teilbeträgen vom Volksbank-Kundenbetreuer Werner R. abgehoben und auf ein „Brokerjet-Konto“ seines eigenen Bruders bei der Steiermärkischen Sparkasse überwiesen worden. Dort hat der Bankberater das Kundengeld über hochriskante Ölzertifikate bis auf den letzten Cent verspekuliert.

Von den ersten 300.000 Euro soll der Kunde angeblich noch gewusst und die Umbuchung teils nachträglich telefonisch genehmigt haben – was der Kunde freilich bestreitet. Unstrittig ist aber, dass Kunde Raggam mindestens für eine Teilsumme von 260.000 Euro nie einen Auszahlungsbeleg unterschrieb und von diesen Abhebungen auch nichts wusste.

"Angeschlagene Gesundheit"

Bei der Vernehmung durch die interne Revision der Volksbank gab der Berater R. vielmehr an, er habe die späteren Beträge heimlich behoben, um die zunächst entstandenen Verluste durch weitere Spekulationen auszugleichen. Den Kunden habe er über den Verlust „nicht mehr verständigt, weil Herr Raggam eine angeschlagene Gesundheit hat“.

Warum er die Spekulationen aushäusig auf dem Konto seines Bruders durchführte, erklärte er so: In der Volksbank selbst seien so riskante Geschäfte nicht erlaubt gewesen.

Als diese ungeheuren Vorgänge im Juni 2015 intern aufflogen, waren zunächst auch die Volksbank-Chefs schockiert: Was Mitarbeiter R. getan habe, sei „nicht tolerierbar“ und „ein absolutes No-Go in unserem Geschäft“, sagte der damalige (mittlerweise pensionierte) Volksbank-Vorstand Johann Muhri laut Gesprächsprotokoll.

Fristlos entlassen

Werner R. wurde fristlos entlassen und zeigte sich reumütig: Sein eigenes Handeln sei „durch gar nichts“ zu entschuldigen. „Es ist alles schlimm genug, aber ich wollte lediglich Verluste wettmachen und das ist leider schiefgegangen.“

Kunde Raggam sagt, die Volksbank-Chefs hätten ihm damals versprochen, den Verlust zu ersetzen, wenn er mit dem Fall nicht an die Medien geht. Volksbank-Direktor Johann Lurf bestreitet das kategorisch. Jedenfalls klagte Raggam die Bank – und verlor den Prozess in allen Instanzen.

Denn das Gericht glaubte der Bankversion: Der Kunde habe dem Berater mündlich „freie Hand“ über sein Vermögen gelassen, er habe von den Transaktionen gewusst und sie nachträglich genehmigt. Außerdem habe zwischen Raggam und R. eine „private Beziehung ähnlich einer Vater-Sohn-Beziehung“ geherrscht.

Und die Verluste seien ja auf dem Brokerjet-Konto der Steiermärkischen passiert. Dort habe R. das Geld „außerdienstlich“ veranlagt. Raggam bestreitet das alles.

Peinliche Details: Der entlassene Berater R. war schon zuvor einmal wegen solcher riskanten und verbotenen Geschäfte hausintern verwarnt worden, Konsequenzen gab es damals aber nicht. Und begonnen hat er die Spekulationen nur, um jene Verluste auszugleichen, die Raggam mit Volksbank-Partizipationsscheinen erlitten hatte.

Hintergrund

Hintergrund der Anleger-Affäre um Horst Raggam sind die dubiosen Partizipationsscheine („PS-Scheine“) der steirischen Volksbank. Diese finanzierte jahrelang ihre Expansion, indem sie den eigenen Kunden Anteilsscheine der Bank verkaufte. Diese Scheine konnte man später nur verlustreich zurücktauschen.

Kunde Raggam wollte ursprünglich gar keine Risikogeschäfte. Doch die Bank habe ihm die PS-Scheine aufgenötigt. Der entlassene Volksbank-Mitarbeiter Werner R. sagte dazu: „Es hat Druck seitens der Bank gegeben. Ich habe eine Liste zum Nachtelefonieren bekommen mit dem Hinweis, wir brauchen unbedingt mehr PS.“

Als dann Verluste eintraten, begann R., mit dem Kundengeld zu spekulieren, um dies auszugleichen.

Kommentare (5)

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chatrouge
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"und verlor den Prozess in allen Instanzen"

Ich glaube die Geschichte so nicht, nachdem der Betroffene bereits in allen Instanzen bis zum OGH geklagt und verloren hat.
Ich würde mir zumindest eine Stellungnahme der Bank und eine kurze Version des Gerichtsurteiles von einem Journalisten erwarten. Aber dann wäre die Geschichte wahrscheinlich nicht mehr so aufregend.

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PlutoVV
0
3
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Kunde schädigte sich wohl selber

Herr Sittinger, Der Inhalt Ihres Artikels steht den Urteilen mehrerer Gerichte exakt diametral entgegen. Das was sie da schreiben scheint mir eher eine undifferenzierte und unreflektierte Räubergeschichte zu sein.

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Oberwoelzer
3
10
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Soviel zur Volksbank

Wenn man den oben angeführten Beitrag "HINTERGRUND"liest sieht man wie die Volksbank ihre Angestellten unter Druck setzt und diese dann in weiterer Folge ihre Kunden bescheissen. Die Volksbank gehört somit verurteilt diese Schäden die ihre Angestellten unter Druck verursachten zu bezahlen .

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pesosope
1
6
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Das verstehe ich jetzt nicht (wie so vieles in der Rechtssprechung)

Wenn ein Angestellter fristlos entlassen wird, muss eine schwerwiegende, rechtlich relevante Verfehlung vorliegen, sonst wäre es ja nur eine Kündigung. Wenn dies der Fall ist, haftet selbstverständlich einmal der Arbeitgeber für seinen Angestellten und muss sich dann bei ihm schadlos halten.

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Mein Graz
2
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Na hoffentlich wechseln jetzt viele,

die bei genannter Bank ein Konto haben, ihre Bankverbindung!
Es ist unfassbar, was alles möglich ist.

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