Ab DezemberReparieren statt wegwerfen: Pionier eröffnet Geschäft in Graz

Auch in Graz eröffnet Sepp Eisenriegler, streitbarer Kämpfer gegen die Wegwerfgesellschaft, nun ein „Reparatur- und Service-Zentrum“. Er erklärt, warum.

Sepp Eisenriegler eröffnet Geschäft in Graz
Sepp Eisenriegler eröffnet Geschäft in Graz © Christian MUELLER
 

Herbert „Schneckerl“ Prohaska trifft auf Hugo Portisch. Oder so. Jedenfalls schafft es Sepp Eisenriegler, globale Zusammenhänge in wenigen Sätzen zu veranschaulichen - und diese mithilfe seiner Wiener Sprachmelodie charmant rüberzubringen. Und so erzählt Eisenriegler von „hinichen Waschmaschinen“, von der Wegwerfgesellschaft und von Ausbeutung.

All das in jenen Grazer Räumen, in denen der Wiener nun in Kürze sein zweites „Reparatur- und Service-Zentrum“ (R.U.S.Z.) eröffnen wird: 20 Jahre nach dem Start in Wien sperrt nun Eisenriegler gemeinsam mit seinem Sohn Martin in der Ägydigasse 15 ein Grazer R.U.S.Z. auf.

Dieses soll ab 1. Dezember Anlaufstelle für die Reparatur von Haushalts- und Elektrogeräten sein. „Wenn die Leut uns anrufen, verlangen wir eine Pauschale von 96 Euro. Darin sind die Anfahrt zum Kunden und schon die ersten Arbeitsminuten integriert. Erfahrungsgemäß deckt man damit auch schon die halbe Reparaturleistung ab.“

Warum er vor 20 Jahren das R.U.S.Z in Wien gründete, hat Eisenriegler in zahlreichen Interviews und nicht zuletzt in seinem Buch „Konsumtrottel“ erklärt. An diesem Donnerstag in Graz hat er zum Drüberstreuen unter anderem folgende Zahl parat: „In Österreich werden jährlich allein 1,4 Millionen Stück Haushaltsgroßgeräte neu gekauft. Wenn du die alle nebeneinander aufstellst, reicht das von Wien bis Straßburg. Und da kommen zum Beispiel noch 3,5 Millionen Stück Unterhaltungselektronik hinzu.“

Eisenriegler mit Stadträtin Wirnsberger und Alexandra Loidl (Grazer Umweltamt)
Eisenriegler mit Stadträtin Wirnsberger und Alexandra Loidl (Grazer Umweltamt) Foto © Stadt Graz/Fischer

Also will er die Wegwerfgesellschaft aufrütteln. Weil ganz am Anfang unserer elektronischen Wohlstandskette „die Ausbeutung von Rohstoffen steht. Und gleich anschließend kommt die Ausbeutung der Arbeiter in den Schwellenländern.“

Die Grazer Umweltstadträtin Tina Wirnsberger (Grüne) freut sich über Eisenrieglers Engagement in der steirischen Landeshauptstadt: Weil er zum einen auch eng mit Stadt und Holding Graz zusammenarbeiten werde. Und weil er die Palette an jenen Angeboten erweitere, die man bereits im Hinblick auf die Reduktion sowie Vermeidung von Müll anbiete:

100-Euro-Förderung: Wer seine kaputten Geräte reparieren lässt, erhält von der Stadt Graz 50 Prozent der Kosten retour (pro Haushalt und Kalenderjahr, maximal 100 Euro). Wichtig: Der durchführende Betrieb muss unter www.reparaturfuehrer.at registriert sein. Infos unter www.umwelt.graz.at.

Repair-Cafés: Bei regelmäßigen Treffen können Besucher ihre Geräte, die plötzlich aufmucken, unter der Anleitung von ehrenamtlichen Profis reparieren (lassen). Details: www.repaircafe-graz.at.

Compuritas: Die gleichnamige Grazer Firma übernimmt aussortierte Computer-Hardware von Firmen, setzt sie wieder instand und lässt sie Schulen oder sozial schlechter gestellten Personen zukommen. www.compuritas.at.

Carla-Shops: In diesen Geschäften der Caritas kann man auch alte Elektrogeräte abgeben, die repariert und für einen guten Zweck weitergenutzt werden. Mehr auf www.caritas-steiermark.at/spenden-helfen/carla.

Beratung: Weitere Anlaufstellen und Tipps gibt's auf www.umwelt.graz.at.

 

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