Steirische MietenAK warnt: Mieter gehen k.o.

Steigende Mieten, mehr befristete Verträge und der große Nachholbedarf bei Sozialwohnungen halten die Steirer auf Trab. Und die Arbeiterkammer, die nun ein Forderungspaket vorlegte.

Josef Pesserl und Bettina Schrittwieser (AK)
Josef Pesserl und Bettina Schrittwieser (AK) © kk
 

Bettina Schrittwieser leitet den AK-Konsumentenschutz und verzeichnet inzwischen bis zu 40 Prozent aller Anfragen aus der Kategorie Wohnen. Denn in der Steiermark mit rund 179.000 Mietwohnungen können die steigenden Mietkosten mit dem Angebot nicht Schritt halten.

"Ungeachtet der Eigentümer: Von 2008 bis 2016 stiegen die Mietkosten stärker als die Inflation", erzählt AK-Präsident Josef Pesserl. Konkret: Die Bruttomieten haben in dem Zeitraum im Schnitt um rund 24 Prozent, die Inflation um gut 14 Prozent zugenommen.

Obendrein würde "bereits ein Fünftel aller steirischen Mietwohnungen nur befristet vergeben". Diese Bleiben sind vergleichsweise teurer. 

Konsequenzen: Die Arbeiterkammer fordert eine Wohnbauoffensive der öffentlichen Hand. Dabei geht es auch um Grundstücksvorsorge. "Mir sagen Genossenschaften, dass sie sich mittlerweile nur noch wenige Gründe leisten könnten", so Pesserl. 

Auch die von anderer Seite häufig gestellte Forderung nach einer Zweckwidmung der Wohnbauförderungsbeiträge stellt die AK.
Außerdem müsste das Mietrecht vereinfacht werden (Schrittwieser: "Da blicken selbst erfahrene Juristen kaum mehr durch") und eine Kostenobergrenze eingezogen werden.

Befristung mit Limit

Die wachsende Zahl an befristeten Mietverträgen möchte die AK ebenso eindämmen. Wie? Solche Verträge sollen nur noch erlaubt sein, wenn der Vermieter seinen Eigenbedarf nachweisen kann, so Pesserl sinngemäß.

Die AK weiß die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich: Laut bundesweiter Umfrage (Integral, 1000 Personen) müsste sich jeder Zweite einschränken, um sich seine Bleibe leisten zu können. 96 Prozent der befragten Frauen befürworten einen "staatlichen Eingriff für günstiges Wohnen".    

1400 neue Einheiten

Auf Landesseite erinnert man daran, dass heuer 1400 neue Wohneinheiten geschaffen werden. Bei einem operativen Wohnbaubudget im Land von 37,6 Millionen Euro. Im nächsten Jahr beträgt dieses 36,9 Millionen Euro, geplant sind freilich weitere 1400 neue Wohnungen für die Steirer, bestätigt der Sprecher von Landesrat Hans Seitinger (ÖVP).

Übrigens: Die Länder können ab 2018 die Höhe der Wohnbauförderungsbeiträge mitgestalten. Am Dienstag (7. 11.) berät darüber ein Ausschuss im Landtag.

 

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KarlKapper
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Scheinheiligkeit als Geschäftsmodell...

...Hr. Pesserl, habe Sie schon mal eine Wohnung vermietet und auf Nachfrage wegen Mietrückstands die Antwort gehört: ich war mit meiner Freundin in Urlaub (und deshalb kein Geld für die Miete)?
...Hr. Pesserl, haben Sie schon versucht, ein älteres Haus unter Vewendung von Mieteinnahmen zu renovieren und mussten Sie schon die Abschreibungen für die Handwerkerrechnungen dem Finanzamt zurückzahlen wegen des "Liebhaberei-Paragraphen"?
Wenn Sie schon enteignen wollen, dann übernehmen Sie doch bitte auch gleich die Verantwortung dafür.

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CIAO
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das hätten sie gern

die AK. Am liebsten alles enteignen.
Deren Klienten sagen sie, Du bekommst alles was nicht uns gehört

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selbstdenkerX
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AK-Schuß ins Knie

Da werden es sich aber viele Wohnungseigentümer gut überlegen, wenn sie laut AK-Forderung wegen eines beabsichtigten befristeten Mietvertrages "ihren Eigenbedarf nachweisen" müssen. Unbefristet zu vermieten könnte bedeuten, zu Lebzeiten die Wohnung selbst nie wieder nutzen zu können.
Die Folge: noch weniger Wohnungsangebot auf dem Markt - die Mieten steigen dann noch stärker.
Diese "Königsidee" der Arbeiterkammer erinnert mich an die peruanische Regierung 1979 mit einem generellen Kündigungsverbot für Arbeitnehmer zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Unternehmen nahmen dann überhaupt keine Dienstnehmer mehr neu auf, und die Arbeitslosigkeit explodierte, statt zu sinken...
Aber was tut Kammer nicht alles, um die Zwangsbeiträge der Dienstnehmer zu rechtfertigen.

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Lodengrün
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Wenn dann eines Tages Ihr Chef

sagt ab nächstem Monat bekommen Sie € 1.ooo,-- weniger, es gibt keine Kollektivverträge, keine Kammer mehr, der freie Markt macht die Gehälter, dann werden Sie noch staunen was es so alles gibt. Wenn Sie dann noch über 50 sind dann heißt es a guats Nächtle.

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Acquario
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Also wer die AK schon mal gebraucht hat

ist froh, daß es sie gibt.
Wer sie nicht braucht soll froh sein.
Auch hier gilt das System der Solidarität - ein Wort, daß viele heutzutage gerade noch lesen - aber schon gar nicht mehr verstehen können.

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