Am Eisernen TorWarum die Verkehrsplaner der Tiefgarage eine Abfuhr erteilen

Stellungnahme der städtischen Verkehrsplanung „versenkt“ den von Schwarz-Blau forcierten Autolift am Eisernen Tor.

Am Eisernen Tor
Die städtischen Verkehrsplanern lehnen die Idee zu einer Tiefgarage im Herzen der Altstadt klar ab © Strohecker Architekten
 

Als innovatives Innenstadtprojekt, das man rasch umsetzen will, präsentierten Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) und Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) jüngst die „Bienenstock-Tiefgarage“ unter dem Brunnen am Eisernen Tor. Bis zu 40 Meter tief soll der Schacht werden, mit einem Durchmesser von bis zu 38 Metern. Vier Lifte sollen bis zu 300 Autos vollautomatisch versenken und einparken.

Private Investoren, die bisher geheimgehalten werden, wollen 7,5 Millionen Euro locker machen, der Architekt Guido R. Strohecker, der die ersten Renderings und Planungen erstellt hat, bekommt von der schwarz-blauen Rathaus-Koalition aber volle Rückendeckung. 2018 soll die Planung finalisiert werden, die erste derartige Garage in dieser Dimension in Graz könnte dann 2019 fertig sein.

UMFRAGE

Ist eine neue Tiefgarage im Herzen der Altstadt sinnvoll?

Versenkt wird das Projekt aber jetzt schon. Und zwar von der städtischen Abteilung für Verkehrsplanung. „Die Schaffung von zusätzlichen Pkw-Stellplätzen in der Innenstadt würde dem politischen Ziel der Stadt, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, entgegenstehen und die Verkehrssituation im Zentrum verschärfen“, schreiben Abteilungschef Martin Kroißenbrunner und seine Stellvertreterin Barbara Urban in einer Stellungnahme an Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ) zu dem Projekt. Die Stellungnahme liegt der Kleinen Zeitung vor.

Mehr Parkplätze schaffen mehr Verkehr, führen sie aus und betrachten das Projekt unter dem Gesichtspunkt, dass man im Gegenzug an der Oberfläche den Raum für Mobilität umverteile, also Stellflächen streicht und dafür etwa einen Radweg am Joanneumring errichte. Das entspräche dem Bekenntnis des Gemeinderates, eine „Prioritätensetzung bei der Flächenverteilung“ zugunsten sanfter Mobilität zu verfolgen. Die Schaffung von Sammelgaragen sei verkehrspolitisch sinnvoll. Jedoch sei der Standort „inmitten der Altstadt grundsätzlich zu hinterfragen. Aus verkehrlicher Sicht sollte eine derartige Garage hauptsächlich in dicht besiedelten Wohngebieten als Anrainer-Sammelgarage (außerhalb des Zentrums) errichtet werden.

Eindringlich warnen die Experten vor dem Prestige-Projekt für die Innenstadt. Es müsse „grundsätzlich die Leistungsfähigkeit der umliegenden Straßen für dieses Projekt betrachtet werden.“ Vor allem was die Zu- und Ausfahrt über den Ring bedeute.

KPÖ startete Online-Petition gegen Tiefgaragen-Projekt

Verkehrsstadträtin Kahr fühlt sich durch die Stellungnahme der Verkehrsplaner in ihrer Skepsis bestärkt: „Dieses Projekt würde die Verkehrslage im Zentrum verschärfen und es stellt sich die Frage, ob es mit der Altstadt-Schutzzone vereinbar ist.“ Die KPÖ startete gestern abend eine „außerparlamentarische Initiative“, um das Projekt zu verhindern: eine Online-Petition über ihre Homepage.

Gelegenheit, das Für und Wider zu diskutieren, gibt es heute im Gemeinderat. Die Grünen machen die Tiefgaragen-Idee zum Thema. „Das ist Verkehrs- und Stadtplanungspolitik aus den 1970er-Jahren“, kritisiert Klubchef Karl Dreisiebner.

Kommentare (16)

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gerry2kzf
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Prestigeprojekt nur für NAGL

Bis jetzt konnte er sich kein Denkmal setzen. Jetzt versucht er einen neuen Anlauf.

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stern000
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Standorte

Es ist sicher eine gute Idee mehr unterirdischen Parkraum zu schaffen. Ein guter Standort wäre im Herz Jesu Viertel/ Schillerpark, wenn man möchte, dass die Leute in Öffis umsteigen.

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alwin
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Verlust an Freiflächen

Diese Art von Garagen verbraucht große Freiflächen an der Oberfläche für: Zufahrt, Wartebereich und oberirdische Liftgebäude. Das Tor zur Herrengasse soll bitte kein permanentes Hütteldorf mit wartenden PKW werden.

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docholliday
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na also

die idee ist bei genauerer Betrachtung wirklich eine schnapsidee, aber was mich mehr und wirklich schreckt ist , dass sich so viele berufen und berechtigt sehen persönliche Angriffe und Beschimpfungen z.b. gegen Hrn Nagl loszuwerden.das ist übles Benehmen.
und noch was, wer keine Ideen mehr hat, der ist entweder gstorben oder zu faul zum denken. wer viele ideen hat, produziert unsinn UND Sinn.na soll schrott dabei sein, der Rest ist dafür gut.

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eadepföbehm
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Übles Benehmen

Natürlich sind viele Ideen gut, auch wenn sich bei näherer Betrachtung die meisten als Schnapsideem herausstellen und nur wenige zur Realisierung übrig bleiben. Früher nannte man das Brainstorming.
Wenn aber der Herr Nagl nach getanem Brainstorming jeden, der einen berechtigten Einwand zu seinen Ideen hat als Blockierer und Verhinderer abkanzelt und gleich droht seine Geistesblitze gegen jede Vernunft auf jeden Fall Realität werden zu lassen, ist das als gefährliche Drohung zu sehen und das darf ihm durchaus persönlich angelastet werden.

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checker43
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Die Dinge sind alles mögliche

nur sicher keine Ideen von Nagl. Sondern von gut vernetzten Lobbyisten an ihn herangetragene.

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Strassenbahnausbau
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Leider nutzen Nagls Ideen und "Visionen" niemandem...

...außer ihm selbst.

Warum brauchen wir um jeden Preis eine Seilbahn in Graz. Hat da Doppelmayr einen kleinen Obulus in Aussicht gestellt?

Warum brauchen wir eine weitere Tiefgarage in der Altstadt? Weil der Fußweg zum Geschäft der Familie Nagl in der Herrengasse von dort kürzer wäre, als von allen existierenden Tiefgaragen?

Fragen über Fragen, die man aber niemandem stellen darf, weil die Investoren hinter solchen Projekten offenbar streng geheim sind.

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talfahrt
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Seifenblasen

Da werden alle drei Menschen, die an dieses Projekt geglaubt haben, traurig
sein. Schade um die bunten Seifenblasen...
wie geht das, dass sich der Bürgermeister und sein Stellvertreter von den eigenen Ämtern derart vorführen lassen?

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Strassenbahnausbau
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Naja, es gibt eben Leute, die sich auskennen...

...und solche, die schwachsinnige Ideen ohne Rücksicht auf Verluste um jeden Preis umsetzen wollen. Ich hab leider wenig Hoffnung, dass diese Tiefgarage wieder abgesagt oder der Standort überdacht wird.

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Lamax2
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Alle sind"Radlfahrer"?

Die Planer glauben wirklich,dass man mit dem Radl aus dem Umland tagtäglich in die Stadt fahren kann, um zu arbeiten oder einzukaufen. Sie wollen lieber eine Schlafstadt. Bei richtiger Verkehrsplanung wäre das eine tolle Sache. Der öffentliche Verkehr wird zwar besser, ist aber für viele noch lange keine Alternative.

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clawjelly
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Sie sagen es ja selber:

"Bei richtiger Verkehrsplanung", aber genau die wurde jahrzehntelang vernachlässigt bzw. komplett dem Individualverkehr per KFZ gewidmet. Dementsprechend überfüllt sind die Grazer Strassen mit Autos. Insofern ist ein Bau einer Tiefgarage das letzte, dass diese Stadt braucht.

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Strassenbahnausbau
2
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Direkt beim Eisernen Tor

gibt es eine Tiefgarage, nämlich Oper/Rosarium, mit 400 Stellplätzen. Und es gibt noch viele weitere Garagen im Grazer Zentrum, egal aus welcher Richtung Sie kommen (Kunsthaus, Mariahilferplatz, Kastner, Andreas-Hofer-Platz, Pfauengarten, Schönaugasse, Steirerhof, Kaiser-Josef-Platz...)

Kein Mensch braucht diesen Unsinn mitten in der Altstadt an einer derart exponierten und sensiblen Stelle!

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Lamax2
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@Straßenbahn

Sie haben natürlich Recht, aber meine Freude mit diesen engen und teuren Parkgaragen hielt sich bisher in Grenzen. Die Kastner Garage (auch sehr tief) ist für mich positiver, da hier mit Einkaufsgutscheinen entgegen gerechnet wird und man direkt im Haus oder am Hauptplatz ist. Ein weiterer Vorteil wäre das Abgeben des Autos ohne Platzsuche und Umherirren in der Unterwelt. Der Preis müsste allerdings auch stimmen.

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eadepföbehm
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Egomane

Sie möchten also einen komfortablen Luxustiefgaragenplatz ganz nahe an ihrem Fahrziel und gratis soll er am besten auch noch sein. Dass das nur auf Kosten und zum Nachteil der Allgemeinheit funktioniert ist ihnen offensichtlich egal.

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eadepföbehm
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Der Preis müsste stimmen

Das heißt, das so ein Tiefgaragenplatz wesentlich teurer als ein konventioneller sein muss weil er ihrer Beschreibung nach ja auch viel komfortabler ist.

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checker43
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Wenn Sie

mit dem Auto in die Innenstadt müssen, stehen Ihnen bereits jetzt zahlreiche Tiefgaragen zur Verfügung.

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