Ab Mai 2018Rauchverbot: Warum in Graz schon jetzt die Köpfe rauchen

Ab 2018 ist das Rauchen in Lokalen untersagt. Doch was ist, wenn Raucher in Massen ins Freie drängen? Hagelt es dann Anzeigen von Anrainern? In Graz rauchen bereits die Köpfe.

Ab Mai 2018 darf in Lokalen nicht mehr geraucht werden
Ab Mai 2018 darf in Lokalen nicht mehr geraucht werden © Fotolia
 

Solange die Nationalratswahl im Herbst nicht doch noch etwas daran ändert und die neue Regierung womöglich über Kurz oder lang das Steuer herumreißt, ist es also im Mai 2018 so weit: Das generelle Rauchverbot in Lokalen tritt in Kraft.

Ist damit aber auch der jahrelange Ärger über eine lauwarme staatliche Lösung verraucht? Über Glaswände und andere Umbauten, für die Österreichs Wirte geschätzte 100 Millionen Euro ausgegeben haben? Hat man das Geld ausreichend abschreiben können? 

WK Christian Kolbl, WK-Geschäftsführer Gastronomie
Christian Kolbl, WK-Geschäftsführer Gastronomie © WK

In Graz jedenfalls wird bereits über ein neues Glutnest debattiert: Wenn dann ab 2018 die Raucher vor den Lokalen Aufstellung nehmen – ist dann nicht der Aufschrei von Anrainern vorprogrammiert?

Aus einem Cocktail aus Unsicherheit und Wird-schon-schief-gehen-Parolen ragt seit Kurzem ein Strohhalm hervor, an den sich viele klammern: Im Sommer wurde die Gewerbeordnung novelliert. Bislang hieß es in Paragraf 113, bei einer wiederholten und unzumutbaren Belästigung der Nachbarschaft habe die Gemeinde einzuschreiten und eine frühere Sperrstunde zu verhängen.

„Aus dieser zwingenden Muss-Bestimmung ist nun eine Kann-Bestimmung geworden. Es liegt künftig noch mehr im Ermessen der Gemeinde, ob sie das durchzieht“, betont Christian Kolbl, Geschäftsführer der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer. „Und auch dann wäre eine Vorverlegung der Sperrstunde nur möglich, wenn ein Sachverständiger die Unzumutbarkeit der Belästigung feststellt“, so Kolbl, der darin nach jahrelangen Bemühungen einen „ersten wichtigen Schritt für uns“ sieht.

Jürgen Fuchs Michael Schunko, Gastronom und Gemeinderat
Michael Schunko, Gastronom und Gemeinderat © Jürgen Fuchs

Spaßbremsen unter Grazer Gastronomen und Juristen sind da eher skeptisch: „Da wird sich nicht großartig was ändern. Liegt der Gemeinde eine Anzeige vor, muss sie dieser nachgehen. Fingerspitzengefühl oder so wird es da nicht spielen“, meint ein Wirt. Und auf Anfrage der Kleinen Zeitung betont Doris Jurschitsch, Leiterin der Bau- und Anlagenbehörde: „Ein Sachverständiger wurde ja auch bisher schon eingebunden. Vor Jahren habe ich ein solches Verfahren bei einem Lokal im Univiertel geleitet, da wurden genaue Gutachten angelegt.“

Insofern kommt Michael Schunko schon Monate vor dem Rauchverbot ins Grübeln. Der Gastronom (Eckstein, Freiblick) ist ja seit April auch ÖVP-Gemeinderat – und als solcher will er die Gastro-Szene, die Behörde und auch Anrainer-Vertreter möglichst rasch an einen Tisch bringen. „Noch bevor das Rauchverbot wirksam wird, brauchen wir gerade für die Grazer Innenstadt eine praktikable Lösung. Einen Katalog, an dem sich alle festhalten können. Denn wenn wir uns vorher nicht untereinander abstimmen, wird es Anzeigen hageln.“

WK-Geschäftsführer Kolbl plädiert ebenfalls für eine koordiniertes Vorgehen – auch wenn er sich die Novellierung der Gewerbeordnung nicht kleinreden lassen will. „Die Interessen der Wirte sind damit erstmals ausreichend berücksichtigt.“

Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ), für die Baubehörde zuständig, meint bloß: „Bitte keine Probleme künstlich aufbauschen!“. Zeige sich doch in anderen Ländern, „dass sich das Rauchverbot weder zum Nachteil der Gastro-Szene noch der Anrainer entwickelt hat“.

Kommentare (3)

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Hr. Kules
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Gut


dass das Rauchverbot noch nicht für meinen Euro 5 Diesel gilt.
Aber das ist schon das nächste Ziel - zum Geifern nahe!

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oo
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"eine praktikable Lösung"

Rauchverbot 10 Meter um jedes Lokal, und schon ist Ruhe!

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Acquario
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den Verkauf und Besitz von

Nikotin gleich verbieten wie Cannabis. Ab 1.1.2018. Punkt.

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