Attraktiver LebensraumWildtiere erobern die Stadt

Neues von Wildschwein, Fuchs & Co.: Jäger schildern, dass das Wild zunehmend die Scheu vor dem Ballungsraum verliert.

Wildtiere nehmen Kurs auf Ballungsräume
Wildtiere nehmen Kurs auf Ballungsräume © Eva Maria Griese Fotografie und
 

Es ist ein Paradoxon. Zu einen steigt die Bevölkerung im Großraum Graz auf eine halbe Million Einwohner an. Auf der anderen Seite aber beobachten Jäger das Phänomen, dass sich immer mehr Wildtiere, das Stadtgebiet nicht entgehen lassen wollen. Zwei Welten, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen.

Stephan Moser, Bezirksjäger der Stadt Graz, berichtet ein persönliches Erlebnis: „Bei uns im Garten frisst eine Rehgeiß ständig unsere Rosen und ein Rehbock hat den Forsythienstrauch vor dem Hauseingang als Einstand gewählt. Wenn man bedenkt, wie scheu diese Tiere sind, ist diese Entwicklung schon bemerkenswert.“

Wundern tut sie ihn aber längst nicht mehr. „Wir haben im Vorjahr allein im Stadtgebiet von Graz 100 Füchse verendet oder erlegt vorgefunden.“ Die Populationsdichte dieser Wildtierart sei in Graz höher als in der Obersteiermark.

Hohe Rehpopulation

Auch die Zahl der Rehe im Stadtgebiet nimmt ständig zu. Mit den anmutigen Geschöpfen der Natur kehren aber auch Probleme zurück. Fuchsräude gefährdet zwar den Menschen nicht, dafür aber die Hunde. Und durch die hohe Rehpopulation wird auch das Problem uneinsichtiger Hundehalter größer. Erst vor ein paar Tagen rissen zwei Border Collies ein in Panik fliehendes Kitz am Ruckerlberg (wir berichteten).

Nicht zuletzt deshalb findet derzeit eine große Info-Kampagne statt. Harald Schönbacher, Bezirksjägermeister von Graz-Umgebung: „Wir haben in den letzten Tagen rund 300 Tafeln aufgestellt, und bitten Hundehalter, ihre Tiere an die Leine zu nehmen.“ Die Fuchsräude weite sich zum Problem aus.

Was die Wildschwein-Population betrifft, gehen die Meinungen der Experten aber auseinander. Moser ist überzeugt, dass hier ein Problem auf Graz zusteuert: „In Großstädten wie Wien und in Berlin ist das schon ein Thema.“ Umso wichtiger sei es, den Bestand der Wildschweine zu kontrollieren, „denn all diese Wildarten finden in Ballungsräumen durch Müllreste sehr leicht zu Nahrung. Das zieht sie an.“

Schönbacher dagegen weiß nur von vereinzelten „Vorkommnissen“ zu berichten. Auf der Brucker Schnellstraße S35 passierte vor wenigen Wochen ein Unfall mit einem die Straße querenden Tier, „voriges Jahr ist sogar eine ganze Wildschweinrotte über den Deutschfeistritzer Markt spaziert“, erinnert er sich. „Große Plage gibt es keine. Auf der Tyrnauer Alm gibt es heuer sogar weniger Wildschweine als sonst.“

Dafür wundert er sich über die rasante Entwicklung beim Fischotter. „In den letzten fünf Jahren hat er Teiche und Bäche fast leer gefressen. Hier muss jemand mit der Population nachgeholfen haben“, kann er sich die „wundersame Vermehrung“ nicht anders erklären.

Und – der Wolf? „In Graz-Umgebung gibt es einen. Er streift ab und zu durchs Gleinalmgebiet. Wir beobachten ihn.“

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