GrazDie sieben größten Irrtümer im Straßenverkehr

Das Gesetz der Straße ist ... oft kompliziert. Im urbanen Raum, wo viele Mobilitätsbedürfnisse aufeinanderprallen, gilt das um so mehr. Die sieben größten Irrtümer im Alltagsverkehr.

Klosterwiesgasse ungeregelte Kreuzung
Wer hat an dieser ungeregelten Kreuzung Vorrang? Die Markierung Radweg-Ende hebt die sonst gültige Rechtsregel auf © Gerald Winter-Pölsler
 

1.) An dieser Kreuzung wird die Rechtsregel ausgehebelt

In den Grazer 30er-Zonen sind Radwege gegen die Einbahn Alltag. Daran haben sich alle Verkehrsteilnehmer längst gewöhnt. Knifflig wird es aber nach wie vor bei den ungeregelten Kreuzungen. Grundsätzlich gilt dort ja die Rechtsregel, also: der jeweils von rechts kommende Verkehrsteilnehmer hat Vorrang. Kommt aber ein Radweg gegen die Einbahn dazu, ist alles ein bisschen anders. Dann wird nämlich die Rechtsregel ausgehebelt, bestätigt Rechtsexperte Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Der rechtliche Hintergrund: Jeder Radweg gegen die Einbahn endet an der Kreuzung, danach beginnt ein neuer. Am dafür prototypischen Beispiel Klosterwiesgasse bedeutet das: Es gibt dort nicht einen Radweg gegen die Einbahn, sondern faktisch fünf hintereinander. Und dort, wo das Wort „Ende“ am Radweg markiert ist, hat der Radfahrer laut  Straßenverkehrsordnung prinzipiell Nachrang. Ein Automatismus, den viele Radlobbyisten kritisieren, weil so Radfahrer als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse klassifiziert würden.

2.) Abstand halten I: Radfahrer dürfen in Mitte fahren

Grundsätzlich gilt das „Rechtsfahrgebot“, aber unter der Bedingung, die eigene Sicherheit nicht zu gefährden. Das heißt konkret: Radfahrer dürfen in der Mitte der Fahrspur fahren, um sich vor „Dooring“-Unfällen (wenn sie gegen plötzlich geöffnete Autotüren krachen) zu schützen. Gerichte haben entschieden, dass der Abstand zu parkenden Autos bis zu 1,50 Meter – von der Lenkeraußenseite gemessen – sein darf.

3.) Abstand halten II: Überholen verboten

Ein alltäglicher Vorgang im Stadtverkehr: Autofahrer überholt Radfahrer. Grundsätzlich kein Problem, wenn, ja wenn der Sicherheitsabstand „ausreichend“ ist. Das Entscheidende: „ausreichend“ heißt 1,50 Meter. Weil bei Radfahrern mit leicht schwankenden Fahrlinien zu rechnen ist. Und wenn sich dieser seitliche Sicherheitsabstand nicht ausgeht? Dann gilt praktisch ein Überholverbot, so Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung beim Kuratorium für Verkehrssicherheit.

4.) Das fixierte Smartphone

Rechtlich ist es sehr streng: Das Benutzen des Smartphones beim Auto- oder Radfahren ist verboten. „Es gibt nur zwei Ausnahmen“, weiß Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Das Telefonieren per Freisprecheinrichtung und – neu – das Verwenden des Smartphones als Navigationsgerät; aber nur, wenn das Telefon fixiert ist. In der Hand halten ist nicht erlaubt. Im Prinzip gilt dasselbe fürs Radfahren, betont Kaltenegger, wenngleich es gesetzlich weniger streng formuliert ist.

5.) Grauzone: Radfahren am Zebrastreifen

Es ist eine rechtliche Grauzone, aber: Radfahrer dürfen auch über einen Zebrastreifen fahren. „Es ist zwar ein Weg für Fußgänger, aber das Radfahren ist nicht dezidiert verboten“, sagt Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Wobei eines klar ist: Die Schutzrechte, die Fußgänger am Zebrastreifen von der StVO eingeräumt werden, können Radfahrer nicht für sich in Anspruch nehmen. Sprich: Autofahrer müssen nicht anhalten, um einen Radfahrer queren zu lassen.

6.) Blindenleitsystem: Jetzt wird abgeschleppt

Bisher war es nur ärgerlich für die Betroffenen, künftig wird es teuer für die Verursacher: Wer die „taktilen Leitlinien“ – die Orientierungshilfen im Boden für Blinde und Sehbehinderte – verstellt oder zuparkt, kann nach einer StVO-Novelle kostenpflichtig abgeschleppt und angezeigt werden. Das zielt vor allem auf Rad- und Mopedfahrer, die beim Abstellen ihrer Fahrzeuge nicht auf die Rillen im Boden Rücksicht nehmen.
Die Polizei hat eine vierwöchige Info-Kampagne zur Sensibilisierung angekündigt, danach wird abgeschleppt.

7.) Radeln am Gehsteig: Auch Kinder müssen auf die Straße

Es mag für manche Radfahrer jetzt überraschend sein, aber: Der Gehsteig gehört den Fußgängern, Radfahren ist dort verboten. Und das gilt auch für Kinder. „Wirklich nur mit ganz kleinen Rädern bis 12 Zoll dürfen Kinder am Gehsteig fahren“, weiß Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Sechs- oder Achtjährige sind bereits mit 16- oder 18-Zoll-Rädern unterwegs und müssen laut StVO auf der Straße fahren, und zwar begleitet von einer Person, die älter als 16 Jahre alt ist.

Kommentare (3)

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wabra149a
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...und noch was:

Etwas, das vermutlich Autofahrende (aber auch viele Radfahrende) kaum wissen: Es gibt Radwege, die nicht benutzungspflichtig sind! Diese sind durch quatratische (statt runde) Radwegtafeln gekennzeichnet. Autofahrende sollten also Radelnde nicht anhupen oder beschimpfen, wenn diese legal auf der Fahrbahn fahren.

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kropfrob
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Noch eine 8. "Sünde"...

... der Radfahrer fällt mir dazu ein: Ein Radweg ist nur dort, wo er durch Verkehrszeichen und/oder Bodenmarkierungen gekennzeichnet ist. Wenn man ohne diese Kennzeichnung am Gehweg fährt, gefärdet man nicht nur die Fußgänger, sondern auch sich selbst (durch Autos, die über diesen Gehweg aus Parkplatz- oder Grundstückseinfahrten fahren).

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elcomandante
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Re: Noch eine 8. "Sünde"...

... danke, wurde aber unter punkt 7) genau erklärt!

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