Deutschland statt ÖsterreichSo schaffte es ein Steirer ohne Prüfung zum Med-Studium

Eben melden sich wieder Tausende zum Mediziner-Aufnahmeverfahren in Österreich an. Ein Grazer berichtet, wie in Deutschland das Maturazeugnis allein schon genügt.

Philipp Kahr ist in Würzburg sehr zufrieden
Philipp Kahr ist in Würzburg sehr zufrieden © KK
 

Kaum zu ermessen, wie viel Nerven hier jedes Jahr flattern: Eben melden sich Tausende österreichische Maturanten für die Medizin-Aufnahmetests an. Nur rund jeder Siebente (!) wird es dann tatsächlich schaffen, einen der Studienplätze zu ergattern.


Ein Drittel der Bewerber kommt seit Jahren aus Deutschland. Gäbe es die Quote nicht, die 75 Prozent der Plätze für Österreicher reservieren, wäre der Ansturm vom Nachbarn wohl noch schlimmer.


Aber warum als Österreicher nicht den Spieß umdrehen? Warum nicht – bewaffnet mit einem guten Maturazeugnis – die riesigen Möglichkeiten in dem zehnmal so großen Deutschland erkunden?


„Ich glaube, das ist vor allem ein psychologisches Problem. Die Hemmschwelle, ins Ausland zu gehen, ist für Österreicher offenbar viel größer als für Deutsche“, sagt der Grazer Philipp Kahr, der vor vier Jahren den umgekehrten Weg gegangen ist. Er hat sich um einen Studienplatz in Würzburg beworben, und ist dort jetzt auch in Ausbildung.


„Unmittelbar nach der Matura hätte ich mir das auch nicht vorstellen können“, erzählt Kahr. Aber nach einem Auslandsjahr in Rumänien, wo er mit Deutschen zusammenlebte, tauchte die Idee auf, es frech in Deutschland zu versuchen. Die Überraschung: „Das ging alles sehr, sehr leicht.“


Tatsächlich genügte bei der Bewerbung sein Maturazeugnis – „zugegeben, ich konnte ein schönes Zeugnis vorweisen“. Verblüffend aber: Die gefürchtete deutsche „Numerus-clausus“-Regelung erwies sich als leicht überwindbare Hürde, es zählte nur der Notenschnitt: Dabei hatte Kahr die Leibnitzer HAK absolviert und gar nicht in den naturwissenschaftlichen Fächern maturiert. „Ich musste nur noch das Jahreszeugnis beibringen, um nachzuweisen, dass ich Biologie hatte“.

Schreckgespenst Numerus Clausus?

Das deutsche System, bei dem alles über die „Stiftung für Hochschulzulassung“ läuft, kennt drei Zugänge: 20 Prozent der Studienplätze werden über die Noten vergeben (Numerus Clausus, je nach Bundesland unterschiedlich), weitere 20 Prozent können sich Bewerber durch Warten ersitzen. 60 Prozent sind uni-abhängig; manchmal sind Tests nötig, manchmal Aufnahmegespräche, manchmal Maturanoten.


Kahr, der in Würzburg studiert, bereut keine Sekunde seine Entscheidung. Nicht nur, dass er seine Lebenspartnerin in Franken gefunden hat, fühlt er sich auch sonst wohl. „Sicher, man bleibt immer der Ösi. Aber Nachteile gab es nie. Zudem sind die Lebenskosten hier fast günstiger als in Österreich.“

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Danke für Ihr Verständnis.

Acquario
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Hätte es vor 30, 40 Jahren bei uns Aufnahmstests

für das Med Studium gegeben - sehr viele - heutige - medizinische Koryphäen hätten nie Medizin studiert.
Ein Aufnahmetest besagt genau: Nix.

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AlBundyFan
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das sagen immer die, die nicht selbst leisten oder schaffen

um sich einzureden, daß die, die etwas aus ihrem leben machen, alle eigentlich nur idioten sind, weil das nichts ist, was fähigkeiten verlangt.

am besten ist natürlich ein mediziner, der das studium nach 3-5 semester hinschmeisst....zu dem kannst ja dann du gehen.

in graz sind die abbrecher von 30% auf 5% gesunken.....und ja, die 25% gehen auf das konto des aufnahmetests

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paulrandig
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Acquario

Genau. Manche lernen für Prüfungen, andere um zu verstehen.

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nasowasaberauch
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Und die Gehälter besser

Kwt

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