''Goldene Panthera''

Courage-Preis: Ein Leben mit Mami und Mama

Für ihr Engagement in Sachen Gleichberechtigung bekamen Bettina, Romana und ihre Tochter Valentina einen Preis verliehen. Es ist die Geschichte über Zufall, Recht und ganz viel Liebe. Von Michael Kloiber

Dreimäderlhaus. Vor dem Interview mit der Kleinen Zeitung waren Bettina, Valentina und Romana auf einem winterlichen Spaziergang © KK
 

„Mama“ und „Mami“ ruft die dreijährige Valentina ihre Eltern. Sie hat keinen Vater, dafür aber zwei Mütter. Valentina scheint damit glücklich zu sein und präsentiert ihre beiden Mamas selbstsicher. Genauso wie umgekehrt: Für die beiden Oberösterreicherinnen Bettina und Romana ist ihr kleines Mädchen ihr ganzer Stolz. Den Nachnamen wollen sie nicht veröffentlichen – um keine Angriffsfläche zu bieten. Ganz so offen sei Österreich dann vielleicht doch noch nicht. Dabei geht es den Frauen gerade um Offenheit, um Toleranz und Gleichberechtigung. Dafür wurden sie beim Tuntenball in Graz auch mit einem Courage-Preis geehrt.

Aber der Reihe nach: „Kennengelernt haben wir uns schon in Jugendtagen“, erzählen Romana und Bettina. „Wir kommen beide aus kleinen Dörfern im Innviertel, die keine zehn Kilometer auseinander liegen. Da läuft man sich zwangsläufig irgendwann über den Weg.“ Doch dann haben sie sich aus den Augen verloren. „Wie es der Zufall aber will, sind wir uns während des Studiums in Wien wieder begegnet.“ Bettina hat sich zufällig in derselben WG vorgestellt, in der Romana damals schon lebte. Aus der Wiedersehensfreude wurde bald mehr. Die beiden verbrachten viel Zeit miteinander und verliebten sich. Das war 1998.

Ihre Beziehung hielten die Frauen zu Beginn aber geheim – vor allem vor ihren Familien: „Wir waren weit weg von zu Hause und damit nicht gezwungen, dass wir uns outen“, erinnert sich Romana. „Man kann zwei Leben leben.“ Nach rund zwei Jahren trauten sich die beiden, offen zu ihrer Lebensgemeinschaft zu stehen. Besonders für Bettinas Familie war es anfangs nicht einfach, die Lebensform ihrer Tochter zu akzeptieren. Die Mutter von Romana war hingegen wenig überrascht: „Ich habe mir das schon gedacht. Aber danke, dass du es mir erzählst“, hat die Mama geantwortet. „Ich vermute, dass sie es deshalb wusste, weil ich den Fragen nach einem Partner immer ausgewichen bin. Sie dürfte gemerkt haben, dass es mir unangenehm ist“, glaubt Romana.

Nachdem sie ihr Medizinstudium und Bettina das Studium der Sozialpädagogik abgeschlossen hatte, ging es für beide zurück ins Innviertel: „Wir fühlten uns damals etwas unwohl, weil wir nicht wussten, wie die Menschen in so kleinen Orten auf ein lesbisches Paar reagieren.“ Tatsächlich gab es aber keine Berührungsängste. „Vielleicht haben manche hinter unserem Rücken getuschelt, aber das ist uns egal. Da muss man drüberstehen.“ Getuschelt werde ohnehin immer und überall, lachen die Frauen. Daher sind sie auch die nächsten Schritte ohne Umwege gegangen: „2011 haben wir unsere Partnerschaft offiziell eintragen lassen.“ Dieser Akt, dieser Bund fürs Leben, habe auch die Beziehung zu den Eltern deutlich verbessert.

Geheimer Kinderwunsch

Zwar war der Wunsch nach einem Kind schon vor der Verpartnerung immer intensiver geworden, die Frauen wurden aber erst danach aktiv: „Unseren Babywunsch haben wir zu Beginn für uns behalten, weil die rechtliche Situation in Österreich so schwierig war“, erklären Bettina und Romana. Einziger Ansprechpartner war ein anderes lesbisches Paar: „Wir haben uns Mut gemacht und Erfahrungen geteilt.“ Das Streben nach einem Kind wurde so groß, dass die beiden einen Anwalt engagierten, der ihr Recht auf Adoption einklagen sollte: „Er hat bereits ein anderes Frauenpaar vertreten, das vom Gericht auch recht bekam“, erzählen sie. Nach diesem richtungsweisenden Urteil war zwar klar, dass die beiden adoptieren dürfen – eine Frage blieb aber offen: „Wie schaffen wir es, dass unser Nachwuchs zumindest das leibliche Kind von einer von uns ist?“

Nach reiflichen Überlegungen und Recherchen entschied sich das Duo, für eine Samenspende nach Deutschland zu fahren, „weil für uns selbst die Spende hierzulande nicht erlaubt war“. Das Paar hatte Glück: Bettina wurde tatsächlich schwanger. 2012 kam Valentina zur Welt. Endlich! Das lang ersehnte Kind war da. Es folgten Formalitäten, wie sie bei jeder Adoption auftreten: „Unzählige Formulare wurden ausgefüllt, wir mussten bei Gericht vorsprechen – und erst Monate später war die Adoption dann offiziell durch.“ Unterstützung kam von den Grünen, dem Verein für Frauenrechtsschutz und ihrem Anwalt: „Gerade die rechtlichen Aspekte sind für Laien nicht leicht zu durchschauen und kaum alleine zu bewältigen“, sagen sie.

Männliche Bezugsperson

Erst 2013 durfte Romana das Kind von Bettina adoptieren. Damit waren beide offiziell die Eltern von Valentina: „Unser Glück hätte nicht größer sein können. Wir wissen von diesem Tag wenig, wir haben nur noch ein unendliches Glücksgefühl in Erinnerung.“

Auch Valentina scheint glücklich zu sein. Sie ist nicht mit Anfeindungen konfrontiert. Im Gegenteil: Jede Menge Liebe und Unterstützung kommt, sagen die Eltern, nicht nur aus der Familie („Die männliche Bezugsperson ist beispielsweise der Onkel“), sondern auch aus dem Kindergarten: „Dort war es noch nie Thema, dass unsere Tochter zwei Mütter hat – auch bei den Eltern nicht, die wir ja großteils kennen.“

Preis für Dreimäderlhaus

Und doch trügt der Schein, denn rechtlich gibt es nach wie vor Benachteiligungen für eingetragene Partnerschaften. „Daher engagieren wir uns so sehr für die Gleichstellung von eingetragenen Partnerschaften mit der Ehe“, sagen die beiden Mütter. Einer der Gründe: „Valentina wäre dann kein uneheliches Kind mehr“, sagt Romana. Und: „Eine Vereinheitlichung der Systeme und eine rechtliche Gleichstellung würden der gesellschaftlich längst akzeptierten Gleichstellung nachkommen.“

Für dieses Engagement, das weniger öffentlich als in persönlichen Gesprächen mit anderen homosexuellen Paaren stattfindet, wurde dem Dreimäderlhaus der Courage-Preis „Goldene Panthera“ verliehen. Valentina bekommt von all dem Trubel klarerweise noch wenig mit. Sie lebt einfach ihren Alltag mit zwei Müttern. Es ist der einzige Alltag, den sie kennt. Und den sie liebt. Ganz genauso wie Mami und Mama . . .

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Danke für Ihr Verständnis.

eleasar
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3
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Eines Tages, vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren

wird das Kind fragen: Wer ist mein Vater? Und wer bin ich? Ein Produkt, eine Samenspende? Etwas, das man kaufen kann, wie alles andere auch, um meine Mütter glücklich zu machen? Bin ich empfangen worden oder wurde ich gemacht, erworben? Wo bleibt das Recht des Kindes auf einen Vater? Ich kann der Begeisterung hier einfach nicht folgen...

Antworten
eleasar
1
3
Lesenswert?

Ein Bild für eine vaterlose Gesellschaft

in der dem Individuum keine Grenzen mehr gesetzt sind und das eigene Ego und Wollen über alle natürlichen Grenzen hinweg zum einzigen (käuflichen und einklagbaren) Maßstab wird, solange bis die Gesellschaft sich selbst abgeschafft hat.

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