Steirer des Tages

Mit "Hausputz" zum langen Leben

Der Molekularbiologe Frank Madeo, der Entscheidendes zum Altern herausgefunden hat, erhielt den Erzherzog-Johann-Preis. Von Norbert Swoboda

   Molekularbiologe Frank Madeo erhielt den Erzherzog-Johann-Preis des Landes Steiermark
Molekularbiologe Frank Madeo erhielt den Erzherzog-Johann-Preis des Landes Steiermark © KLZ/Hassler
 

Ja, ich freue mich sehr über den Preis und ich bin auch sehr stolz darauf, gerade als Wahl-Steirer den Erzherzog-Johann-Preis bekommen zu haben.“ – Frank Madeo, Molekularbiologe an der Universität Graz, erhielt für einen Beitrag zum Thema Altersforschung einen der Wissenschaftspreise des Landes. Seit elf Jahren ist er hier in der Steiermark: „Ich bin ein klassisches Einwandererkind. Ich wurde im Ruhrgebiet geboren, mein Vater war Süditaliener, der meine deutsche Mutter dort kennengelernt hat. Da lag es nahe für mich, nach Graz zu gehen. Graz ist sozusagen die geografische Mitte meiner genetischen Disposition“, lacht der Forscher.


Ganz so direkt ging das freilich nicht. Nach der Schule bei Dortmund ging er bereits zum Studium der Biochemie Richtung Süden – nach Tübingen. „Mich hat die Molekularbiologie des Menschen fasziniert. Wie kann es sein, dass jemand eine Pille nimmt und daraufhin völlig anders wird?“, fragte sich der junge Naturwissenschaftler.

Zur Person

Frank Madeo wurde 1967 in Schwerte in Deutschland geboren. Er studierte Biochemie in Tübingen und baute dort auch eine Forschungsgruppe auf.
2004 wurde er als Professor an die Universität Graz berufen. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Thema Alterung, Autophagie, programmierter Zelltod.
Madeo hat seine Gruppe am Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Grazer Uni zu jener geformt, die am meisten publiziert – und das in den bedeutendsten Journalen. Er selbst ist Reviewer bei mehr als 30 Journalen weltweit.

Schon mit seiner Doktorarbeit über die Entdeckung, „dass auch Einzeller Selbstmord begehen können“, wurde Madeo weltbekannt. Die Rufe ausländischer Universitäten häuften sich – Madeo wählte Graz und hat das nie bereut: „Ich liebe Graz. Sowohl von der Lebensqualität her als auch in der Forschung. Es mag vielleicht anderswo mehr Geld geben, dafür ist aber der Druck größer. Und das ist nichts für mich, denn den meisten Druck mache ich mir selber.“


In den gut zehn Jahren, die er an der Karl-Franzens-Universität forscht, hat er seine Gruppe zu einem Aushängeschild geformt. „In Graz kann man immer jemanden finden, mit dem man zusammenarbeiten kann. Der Standort ist einfach gut. Und ich bin auch der Universität sehr dankbar, sie unterstützt unsere Arbeit sehr.“

 Peter Ruggenthaler, Monika Oberer, Landesrat Christopher Drexler, Ursula Diefenbach (in Vertretung), Frank Madeo
Peter Ruggenthaler, Monika Oberer, Landesrat Christopher Drexler, Ursula Diefenbach (in Vertretung), Frank Madeo Foto © Land Steiermark/Fischer

Die Preisträger 2015

Neben Frank Madeo, der für eine Arbeit über das Molekül Acetyl-CoA geehrt wurde, wurden drei andere Wissenschaftler von Landesrat Christopher Drexler ausgezeichnet. Den Forschungspreis erhielt der Dekan der TU Graz, Experimentalphysiker Wolfgang Erhard Ernst, für seinen Beitrag „Kalte Moleküle für die Quantentechnologie“. Er erzeugt knapp über dem absoluten Nullpunkt Tröpfchen aus Helium, womit er dann andere Phänomene studieren kann. Quantenmechanische Effekte spielen dabei eine Rolle.
Den Förderungspreis bekam Professorin Monika Oberer vom Institut für Molekulare Biowissenschaften (Uni Graz) für ihren Beitrag über ein bestimmtes Protein. Den zweiten Förderungspreis erhielt Dozent Peter Ruggenthaler vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung für die Arbeit zu Josef Stalins Neutralitätskonzepten.

Madeo arbeitet an einem dankbaren Thema, das wohl jeden interessiert: Wie kann man das Altern beeinflussen oder gar aufhalten? Seine zweite Entdeckung war die Rolle des körpereigenen Stoffes Spermidin, das sozusagen mitverantwortlich für den „Hausputz“ einer Zelle ist. Und damit möglicherweise sogar dafür, dass der Alterungsprozess gehemmt wird und das Gehirn verjüngt. Weil Spermidin auch in Sperma vorkommt, erregten diese Arbeiten Aufsehen bis hin zum „Playboy“ und zum „Time“-Magazin.


Geehrt wurde aber eine Arbeit, die sich mit einem anderen Stoff, einem bestimmten Signalmolekül, befasst. Es wird wirksam, wenn man fastet. „Dann entschrottet sich die Zelle, indem sie überflüssige Produkte verwertet, und das führt letztlich dazu, dass der Organismus länger lebt“, sagt Madeo. Kein Wunder, dass diese Arbeiten auch von populären Zeitschriften wie „Brigitte“ und „Geo“ aufgegriffen werden.


Madeo genießt die Aufmerksamkeit durchaus – aber in Maßen. Deshalb „bin ich wahrscheinlich der letzte Mensch, der noch kein Handy hat“. Er habe es mit Handy probiert, aber das erlaubte ihm nicht mehr „meine kleinen Fluchten, die ich brauche, um nachzudenken“.


Zum Nachdenken kommt der 48-Jährige vor allem im Salzkammergut, in Kalabrien und in den Bergen. Außerdem: „Seit ich 15 Jahre alt bin, bin ich literarisch interessiert. Wenn ich abends die Moleküle beiseitelege, dann greife ich zu Goethe oder Thomas Mann.“ Und noch etwas: Madeo hat – jenseits Hunderter Fachartikel – selbst einen Roman verfasst: „Hymne auf ein liederliches Leben“ erscheint bereits in der zweiten Auflage.

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