Zivilcourage

Bus-Chauffeurin warf Fahrgast raus, weil er Ausländer beschimpfte

Grazer Alltags-Helden, gekürt von Lesern: Busfahrerin Sabine Bundela sagt: "In meinem Bus wird keiner beschimpft" Von Didi Hubmann

Möstl/ Buschauffeurin Sabina Bundela
Buschauffeurin Sabine Bundela © Simon Möstl
 

2. September, gegen 20:30 Uhr. Ein älterer Mann wird auffällig, er beginnt ausländische Fahrgäste heftig zu beschimpfen. Diese sehen betroffen und verunsichert zu Boden. Da greift die Bus-Chauffeurin ein. Die kleine, zierliche Frau weist den Mann zurecht, dass ein derartiges Benehmen in ihrem Bus keinen Platz habe. Der Mann schimpft weiter. Die Fahrerin bleibt stehen und weist den Mann aus dem Bus. Als dieser sich weigert, droht sie ihm damit, die Polizei zu holen. Das wirkt. Wild schimpfend zieht der Mann davon. Ich gratuliere der Holding Graz zu solch mutigen Mitarbeiterinnen!“


Das schreibt uns etwa Harald Schmied aus Graz in einem Leserbrief. Als wir Busfahrerin Sabine Bundela darüber informieren, dass Leser diesen Fall öffentlich machten, sagt sie: „Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt, das war selbstverständlich, dass ich das mache. Denn in meinem Bus wird niemand beschimpft, egal woher er kommt.“

Diese Zivilcourage ist aber alles andere als selbstverständlich. In Zeiten, in denen dumpfe Ängste klare Argumente überschatten, tut es gut, dass so eine Geschichte die Runde macht.

Bundela selbst erzählt den Vorfall ganz trocken. Sie sei nicht einmal nervös oder aufgeregt gewesen. „Ich muss ja weitermachen, alles andere würde mich ablenken, dann kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Ich habe die Verantwortung für alle Gäste, die weiter fahren.“

Der Bus, sagt sie, sei „voll besetzt“ gewesen, als der betrunkene Mann am Jakominiplatz in „ihren 34er“ eingestiegen sei. Ab dem Museum der Wahrnehmung habe er zu schimpfen begonnen, und eine Migrantenfamilie rassistisch beleidigt. Als sie ihn letztlich, nach zwei Verwarnungen, aus dem Bus wirft, schaut sie sogar darauf, dass der Betrunkene an einem sicheren Platz aussteigen kann.

Für Bundela war es der schlimmste Vorfall in ihrer noch kurzen Chauffeurs-Karriere. Sie fährt nach einem Jobwechsel seit Februar für die Holding. „Ich hatte schon vorher den LKW-/Anhänger-Führerschein, die Bus-Ausbildung in der Holding war dann sehr gut.“
„Gott sei Dank ist bei dem Vorfall alles gut gegangen“, sagt sie heute. „Und ich bleib dabei: Es hat keiner verdient, beschimpft zu werden.“ Die Sache sei aber abgehakt. Jetzt nimmt sie sich wieder Zeit für ihr „Hobby“: „Meine beiden Kinder sind in einem Sportverein – jede freie Minute sind wir dafür unterwegs.“

Kommentare (7)

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pizzamampf
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schön zu lesen

wie gestern Hans Peter Doskozil in der puls4 diskussion so schön gesagt hat; "hier angenommen werden ist teilweise schwierig, aber es hilft, dass auf einen hetzer immer 20 hilfsbereite menschen kommen"

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webbi2000
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Liebe Frau Bundelar ...

hoffentlich machen Sie in Zukunft bei Ihren Fahrgastverweisungen aus Ihrem Bus keinen Nationalitätenunterschied - denn ... gleiches Recht für alle!

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karntnerfreund
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nicht webbi sondern debbi

der arme hat schon angst dass er als geistiger teifflieger nicht rausgeworfen wird,weil er ja schuldunfähig ist.aber das hat ja nichts mit der herkunft zu tun.

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llgm
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Der Satz - "Es hat keiner verdient, beschimpft zu werden." - war wohl für Sie nicht deutsch genug?

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xanadu
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Bravo!

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laster
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vorbildlich!

schön, mal solche Geschichten zu lesen

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Hurrawieschoen
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Propagandablattl!! :)

Wenn a Bsoffener Fahrgäste beleidigt ghört er immer rausgschmissen- nicht nur wenns sich um eine rassistische Äusserung handelt. Andernfalls wär´s ja eine Diskriminierung der Einheimischen.

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