FÜRSORGE

Blaue Flecken und Gefahr im Verzug

Klinik, Jugend-WG, Gericht: Ein Hinweis an die Behörden über blaue Flecken einer Jugendlichen brachte eine steirische Familie in Teufels Küche. Von Thomas Rossacher

Die Behörde muss jedem Hinweis nachgehen
Die Behörde muss jedem Hinweis nachgehen © KK
 

Fürsorglichkeit versus Fürsorge. Ein solcher Konflikt hat eine steirische Familie „in den Boden gerammt“, schildert diese ihren Fall der Kleinen Zeitung. Nicht Personal, ein System wird kritisiert, weil ausgehend von einer Sportblessur ein so großer Apparat auf Eltern angesetzt worden ist. Erst nach Klinikaufenthalten, Streit, Monaten außer Haus, einer Anzeige, Gutachten, Verfahren, dessen Einstellung und Versöhnung ist die Balance wieder hergestellt. Dabei stand eigentlich bald fest, dass von Misshandlung oder dergleichen keine Rede ist. Ja, die Eltern betreuen mittlerweile sogar ein anderes Kind zu Hause. „Da ihm die Zeit bei ihnen gut tut“, loben just jene Stellen, die vorher mit Kritik nicht sparten. Entsprechende Unterlagen liegen vor, Ärzte und Behörden dürfen Einzelfälle aber nicht kommentieren.


Angefangen hat es mit einer Ladung der Behörde, wo man die verdutzten Eltern nach einem Hinweis auf blaue Flecken des (mündigen) Kindes befragte. Die Blessur stammte vom Sport, die Angelegenheit schien erledigt. Familiäre Konflikte – inmitten der Pubertät – waren es aber nicht. Folgen: Das Kind kam fallweise nicht nach Hause, war lieber bei Freunden. Es gab großen Ärger, der damit endete, dass man den Teenager „zum Kinderarzt zerrte“. Dieser empfahl, die Jugendpsychiatrie aufzusuchen. Das Mädchen wurde dort (im offenen Bereich) aufgenommen. Eine Untersuchung ergab „Hautrötungen“ – weil „das Mädchen zum Arzt gezerrt worden ist“. Es wurde „nie das Delikt der Kindesmisshandlung ausgesprochen“, hat die Klinik den Eltern später schriftlich bestätigt. Aber da war bereits „das volle Programm“ hochgefahren, wie es die Steirer formulieren.


Der Teenager blieb freiwillig in der Klinik, war in Therapie und freundete sich mit Altersgenossen an. Das ging über Wochen. Unterbrochen von Abgängigkeitsmeldungen, Behördenterminen und versäumten Schularbeiten. „Uns hat man inzwischen eine – Zitat – gewaltfreie Erziehung als Ziel gesetzt“, schütteln die Eltern ob dieser Definition bis heute den Kopf.


Als die Jugendliche dann endlich wieder zu Hause war, bemühte man sich um Normalität unter neuen Vorzeichen: Ausgehzeiten, Handy etc., einiges war neu geregelt. Doch der Frieden sollte nicht halten, wurde gebrochen – und die Konsequenzen? „Wir sollten unterschreiben, dass unser Kind jetzt in eine Jugend-WG übersiedelt.“ Die Eltern verweigerten allerdings die Unterschrift – mit für sie noch ungeahnten Folgen.


„Gefahr im Verzug“


Denn der Fall erhielt den Stempel „Gefahr im Verzug“. Gegen den Willen der Familie bekam die Jugendliche einen Platz in einer Wohngemeinschaft. Alle Proteste – auch an politischer Stelle – verhallten. Stattdessen waren die Eltern mit einer Anzeige wegen des Verdachts der „fortgesetzten Gewaltausübung“ konfrontiert. Darauf steht Gefängnis.


Dazu kam es freilich nicht – eingestellt, doch das Verfahren um die Obsorge der Jugendlichen sollte sich ziehen. Weil auch die Eltern einen Sachverständigen beizogen, der ihre „Erziehungstauglichkeit“ zu bewerten hatte. Während die Begutachtung noch im Gange war, musste über einen Schulwechsel entschieden werden. Und darüber, ob der Jugendlichen wie gewünscht die Anti-Baby-Pille zu verschreiben ist. „Nur wir konnten das nicht mehr entscheiden, das haben bereits andere für uns getan“, erinnern sich die Eltern mit Befremden.


Umso größer war das Aufatmen, als der Teenager nach Monaten wieder nach Hause wollte. Als der Sachverständige den Eltern ein gutes Zeugnis ausgestellt und das Gericht den Antrag der Jugendbehörde auf Obsorge abgelehnt hat. „Dieser Albtraum war einmal vorbei.“


Seither ist die Jugendliche bei ihrer Familie und mit ihr ein Junge, der aus einer Jugendhilfeeinrichtung kam. Aber „weil er sich wohlfühlt“, geben nun jene auf ihn Acht, bei denen „Gefahr im Verzug“ attestiert worden ist.

6 FRAGEN UND ANTWORTEN ZUM KOMPLEX KINDESWOHL

1.Wann wird die Behörde aktiv, geht sie auch anonymen Hinweisen und E-Mails nach?
ANTWORT: Ja, man ist verpflichtet, jede Meldung zu prüfen. Auch Ärzte etc. müssen einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung melden. Bei Verdacht auf bestimmte Tatbestände ist Anzeige zu erstatten.

2.Wer bewertet eine solche Gefährdung? Müssen die Eltern Auskunft geben?
ANTWORT: Die Abklärung ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz umfassend geregelt, zwei Fachkräfte müssen involviert sein. Eltern (oder mit Pflege und Erziehung betraute Personen) müssen dabei mithelfen. Strafrecht ist freilich Sache von Polizei und Justiz.

3.Müssen sich Eltern an Anweisungen vom Amt halten?
ANTWORT: Liegt eine Gefährdung vor, gibt es Auflagen, an die man sich halten muss. Andernfalls steht es den Eltern frei, die Unterstützung anzunehmen. Gezwungen werden
können sie nicht.

4.Wann kommt man in die Jugendpsychiatrie?
ANTWORT: Bei psychischen
Erkrankungen sowie Selbst-/Fremdgefährdung. Im „offenen Bereich“ ist der Aufenthalt freiwillig, es muss der Erziehungsberechtigte zustimmen.

5.Wie ist die Unterbringung in einer Wohngemeinschaft geregelt? Kann ein Jugendlicher quasi in einer Klinik wohnen?
ANTWORT: Eine Klinik dient primär der Behandlung und der Therapie. Bei einer Jugend-WG werden die Eltern gefragt. Lehnen sie ab, wird bei Kindeswohlgefährdung vor Gericht die Obsorge beantragt.

6.Wer schreibt vor, was in der Klinik, was in einer Wohngemeinschaft erlaubt ist?
ANTWORT: Einerseits gibt es Hausordnungen. Freilich gilt das Jugend(-schutz)-Gesetz, das den rechtlichen Rahmen
für Ausgehzeiten, Alkoholkonsum etc. vorgibt.

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Danke für Ihr Verständnis.

flimsy
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Nachträglich betrachtet ....

... hatten wir großes Glück, dass meine Frau und ich nicht in diese "Maschinerie" geraten sind!

Unser Töchterchen hatte nach dem Eislaufen an ihrem Hinterteil jede Menge dunkelblaue Flecken. Sie hat nie gejammert und ging immer wieder zum Eislaufen, weil es ihr trotz der schmerzhaften Blutergüsse Spaß gemacht hat.

Gewalt bei der Erziehung gab es bei uns niemals! Wir konnten jedes Problem mit Gesprächen lösen. Vielleicht hatten wir aber auch nur Glück, dass das bei unserem Kind funktionierte und sie nicht in "falsche Kreise" geriet.
Vielleicht hatten wir aber auch nur Glück, dass man damals auf ein paar blaue Flecke noch nicht so hysterisch reagierte.... Es ist ja doch schon mehr als 20 Jahre her.

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass bei den Behörden manchmal das "Augenmaß" fehlt.

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Grazeta
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Bei so "aalglatten" Geschichten werde ich immer misstrauisch - kann aber auch daran liegen, weil die Story nur aus einer Perspektive (Eltern) geschildert wurde. Merkwürdig finde ich jedenfalls, dass Kinder in eine Psychiatrie gesperrt werden, nur weil die Eltern in der Pubertät mit ihm überfordert sind. Irgendwie scheint das derzeit ein neuer - praktischer - Trend zu sein, um die eigenen Erziehungsversagen zu überdecken. Und was soll das, sich bei Familienproblemen an die Presse zu wenden, und so versuchen, das eigene Image rein zu waschen?! Schreiben sie demnächst vielleicht auch noch ein Buch, und schlagen Profit, aus dem ganzen Schlamassel?!

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csab
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Schmerzensgeld

Hier (und in so machen anderen Fällen, entweder durch Übertreibung oder durch Unterlassung) wurde Schaden angerichtet, der meiner Ansicht nach eine Schmerzensgeldforderung rechtfertigen würde. Außerdem würde ich als Betroffener den agierenden Behördenvertretern und deren Vorgesetzten bis hinauf zum Politiker eine Amtshaftungsklage aufbrummen, damit sie dazulernen und fürderhin Beschwerden der Betroffenen auch tatsächlich bearbeiten.

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pinkfloyd67
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Kannst eh probieren

Kommst aber net weit,war sogar beim Volksanwalt mit meiner Beschwerde,alles für die Katz.Habs versäumt,hätte einer oder einen von denen mit dem Auto überfahren müssen damit die Presse drauf aufmerksam wird.Hätte ichs gewusst wies ausgeht wäre ich mit so einer Aktion besser gefahren

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csab
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Guter Anwalt ist notwendig

Alleine geht das nicht, und der Volksanwalt ist zu weit weg. Per Anwalt einen herauspicken, z.B. den Dienststellenleiter, wenn er seine Mannen und Weibln nicht im Griff hat. Wir hatten einen ähnlichen Fall in der Familie. Binnen kürzester Zeit war Ruhe. Wenn eine Familie funktioniert, können auch Falschaussagen der Teenager nichts ausrichten. Die Kinderchen sind fieser, als man glaubt. Sie rächen sich für Handyentzug, Ausgehverbot u.ä., indem sie die Eltern vor den Kadi zerren (lassen).

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pinkfloyd67
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Stimmt schon was du sagst

Nur waren unsere Kinder damals noch klein von 3 Monate bis 10 Jahre hinauf und was den Anwalt betrifft meinte ich auch den besten zu haben,einen Schulkollegen der aber nur hinter Medienfälle her war so wie es aus heutiger Sicht zu bewerten ist.Nenne keinen Namen,kennt aber jeder in der Steiermark,da ich nicht genügend Geld hatte um den Prozess weiter laufen zu lassen hat er mir einfach geraten alles hinzunehmen.

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kukuro05
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ziemlich wirr geschriebener Artikel.

Hab daher keine Lust, ihn noch ein zewites Mal zu lesen. Der/die VerfasserIn wird schon wissen, was gemeint ist. Ich weiß es jedenfalls nicht.

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Jodl
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Gebe dir völlig Recht

Ich kenn mich vor lauter Andeutungen und halber Sätze auch nicht aus.

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pinkfloyd67
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Ich kenne das zu genüge

Bei uns ist es zwar schon fast 10 Jahre her,aber die Wunden verheilen nie und es haben noch einige Probanten dieses Matyriums von damals einiges gut bei mir. Die Beroffenen werden die Zeit noch verfluchen und zurück drehen wollen wenn ihnen die Maschinerie der Vergeltung Stück für Stück näher rückt.

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hidwanigesromviech
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Wer schützt Eltern und Kinder

vor einer derartigen "Behördenmaschinerie"?

Hinter jedem Beschluss steht doch ein Mensch, das ist nicht zu vergessen.

Hier darf sehr wohl das Behördenpersonal kritisiert werden, da anscheinend viele Menschen mitgeholfen haben, dass es zu dieser Katastrophe kam, anscheinend hat niemand genau hinterfragt.

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pinkfloyd67
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Es gibt kein Hinterfragen

Das ist ein System wo alle Beteiligten zusammen halten und wogegen du null Chancen hast.Das ist wie eine Troika vom JA ,Gericht und Sachverständigen,da steht der Ausgang des Prozesses von vorn herein fest.Es wird auch gar nicht lange vertuscht,vorm eigentlichen Gerichtstermin geht schon mal der Sachverständige 10 Minuten früher zum Richter rein ,dann brauchst dir nur mehr das fertige Urteil abholen. Wird zwar bissl herum geredet damit die angesetzte Zeit verbraucht wird,ist aber alles nur Theater.

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