So geht digitale Selbstverteidigung im Netz

Crypto-Party in Graz: Computer-Fachleute zeigen, wie man sicher mit seinen digitalen Daten umgehen kann. Von Facebooks Neugierde, dem Tor-Browser und der eigenen Naivität. Von Gerald Winter-Pölsler

Crypto-Party Graz im Spektral
Bei der Crypto-Party im Spektral ist jeder Willkommen, der Fragen zur technischen Selbstverteidigung im Netz hat © Simon Moestl
 

Du sollst nicht nur ein Passwort für alle Dienste haben. So lautet das erste Gebot für alle, die verantwortungsvoll im Internet unterwegs sein wollen. Aber wie soll man sich 50 verschiedene Passwörter merken für Facebook, Twitter, Mailkonto und Onlinebanking, wenn man sich schon mit dem einen PIN fürs Handy schwertut?

Wohl die meisten schummeln sich mit Variationen von ein oder zwei Passwörtern um das Dilemma herum. Gut, vielleicht nicht die meisten, aber viele zumindest. O. k. - ich! Schlimm? "Ja", ist die Antwort der Computer-Fachleute, die bei der Crypto-Party Naivlinge wie mich auf die richtige Bahn bringen wollen. "Ein Passwort wiederzuverwenden ist so ziemlich das Schlimmste, was man machen kann."

TIPPS DER CRYPTO-PARTY

Privacy Badger: Das ist ein Browser Add-On, das Werbeeinschaltungen blockiert und andere third-party Tracker verhindert, die geheim Überwachen, wohin man geht und welche Seiten man im Web aufruft. Hilft gegen die Neugierde von Facebook und Co.

www.startpage.com: Eine Alternative zur Google-Suchmaschine. Speichert keine Suchabfragen, arbeitet aber mit Google im Hintergrund.

keepass: Ein Passwortmanager, der sichere Passwörter generiert. Damit kann man relativ einfach seine Dutzenden Passwörter verwalten - und braucht sich selbst nur mehr ein einziges Passwort zu merken.

Jeden ersten Montag im Monat treffen sich Anton, Olaf, Bernhard und Co. um 19 Uhr im Spektral am Lendkai 45. Zwischen den Laptops stehen Bier, Club Mate, Makava und Salzgebäck zur freien Entnahme. Wer konkrete Fragen zum Thema Sicherheit im Netz hat, kommt einfach vorbei.

Zuletzt tauchte zum Beispiel Wolfgang Benedek auf, Menschenrechtsexperte und Uni-Professor. Er wollte wissen, wie man der Neugier von Facebook auskommt. Seit Kurzem speichert das beliebte Netzwerk ja nicht mehr nur die Likes, Kommentare und Freunde, sondern praktisch alle Seiten, auf denen jeder Facebook-Nutzer sonst so surft.

Wir werden vom ersten Klick an im Internet überwacht. Dessen muss man sich bewusst sein. Man kann auch etwas dagegen tun. 

Anton von der Crypto-Party Graz

Damit soll Werbung noch stärker personalisiert werden. Datenschützer schlagen ob solcher Dinge aber die Hände über dem Kopf zusammen. Es kommt aber noch schlimmer: "Das ist ja nicht nur Facebook, da gibt es noch viele andere, die das auch machen", sagt Anton. Er ist eine der treibenden Kräfte bei der Crypto-Party. "Wir werden vom ersten Klick an im Internet überwacht. Dessen muss man sich zumindest bewusst sein. Aber man kann auch etwas dagegen tun."

Die Männer - und mit einer Ausnahme sind es alles Männer - empfehlen dazu "Privacy Badger" oder "Adblock Edge". Diese Programme verhindern, dass sich diese kleinen Tracker, mit deren Hilfe Facebook unser Surfverhalten nachvollziehen und speichern kann, am Rechner festsetzen. Oder man surft überhaupt mit dem Tor-Browser anstatt mit dem Internet Explorer - damit wird man praktisch unsichtbar. Der Haken: Man surft dann auch deutlich langsamer.

"Es ist immer ein Abwägen zwischen Sicherheit und Komfort", sagt Bernhard. Wie Anton und Olaf will auch er nur mit seinem Vornamen in der Zeitung stehen. "Wir wollen so in den Suchmaschinen wie Google nicht auftauchen", sagen sie.

Ein Passwort wiederzuverwenden ist so ziemlich das Schlimmste, was man machen kann. Wir empfehlen einen Passwortmanager. 

Olaf von der Crypto-Party Graz

Apropos Google. Kritiker sehen in der Firma ja eine einzige Datenkrake, weil sie so akribisch Daten sammelt und verwertet. "Die speichern jede einzelne Suchanfrage. Ich konnte neulich sehen, was ich vor fünf Jahren gesucht habe", sagt Bernhard. Seine Alternative? Die Internetseite www.startpage.com. "Da wird nichts gespeichert, aber sie arbeiten mit Google im Hintergrund."

Seit gut einem Monat hat sich der Bekanntheitsgrad der Crypto-Party übrigens deutlich gesteigert. Schuld daran ist der Film "Citizenfour" über Edward Snowden, jenen Mann, der den NSA-Überwachungsskandal auffliegen ließ. Der Film läuft seit Anfang Jänner im Rechbauerkino und sensibilisiert viele für das Thema Datensicherheit und Selbstverteidigung im Netz.

"Jeden Freitag haben wir im Anschluss an den Film eine Diskussionsrunde direkt im Rechbauer gemacht", sagt Anton. So auch am 6. Februar: Der Film läuft um 16.30 Uhr, um 18.30 Uhr steigt die Crypto-Party im Café.

Dort werden dann auch wieder Fragen beantwortet. Etwa, wie man mit Passwörtern richtig umgeht. Der Experten-Tipp: ein Passwortmanager wie "keepass". Dann braucht man sich tatsächlich nur ein Passwort zu merken, den Rest macht das Programm.

Kommentare (1)

Kommentieren
Satansbanker
0
0
Lesenswert?

Der gläserne Mensch lässt grüssen….

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Wer sich ins Internet begibt, wird bis in den letzten Winkel ausspioniert.
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Darum sowenig wie möglich Daten preisgeben.....

Antworten

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