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HYPO-PROZESS

Angeklagter zu Exekutionen befragt

Am Grazer Straflandesgericht ist am Montag der Prozess rund um die Leasing-Affäre der Hypo-Steiermark fortgesetzt worden. Zwei ehemalige Manager müssen sich wegen Untreue verantworten.

 

Ihnen wird vorgeworfen, riskante Geschäfte vor allem in Kroatien und Bosnien betrieben und einen Schaden von 40,5 Mio. Euro verursacht zu haben. Am vierten Prozesstag wurde die Befragung des Erstangeklagten fortgesetzt.

Der ehemalige Geschäftsführer hatte sich von Anfang an nicht schuldig gefühlt. Er schilderte, dass er die gesamten Leasing-Geschäfte der Hypo-Steiermark erst aufgebaut hatte. Bei seiner Einvernahme zeigte er sich souverän und gelassen. Ganz anders hingegen der mitangeklagte Ex-Prokurist, der die meisten Fragen erst nach längerer Pause oder gar nicht beantwortete.

Nicht bezahlte Raten

Am vierten Prozesstag ging es um konkrete Leasinggeschäfte, um nicht bezahlte Raten und verspätete Exekutionen. Der hohe Schaden war nicht zuletzt dadurch zustande gekommen, weil viele Leasingverträge geplatzt waren. Zum Teil wurden die geleasten Objekte gar nie ausgeliefert, in anderen Fällen wurden gleich 49 Raten nicht bezahlt. Üblicherweise wird das Leasing-Objekt nach drei nicht bezahlten Raten eingezogen, der Schaden für die Leasing-Gesellschaft hält sich damit in jedem Fall in Grenzen. Doch hier war alles etwas anders gelaufen.

Obwohl es bereits große Rückstände bei den Ratenzahlungen gab, wurde das Finanzierungsvolumen weiter aufgestockt. "Die Akten sind bei Gericht gelegen, sie wurden erst nach einer Änderung des Exekutionsrechts im Jahr 2005 bearbeitet", schilderte der Befragte. Erst dann habe man Exekutionen einleiten können - allerdings scheinen diese Zahlen nicht mehr auf, so der Angeklagte. "Wir waren total überlastet, und das Inkassobüro auch", so die Erklärung des Angeklagten. Dass dann oft trotzdem kein Geld geflossen war, war seinen Ausführungen nach die Schuld der Gerichte. Dort lagen die Akten nämlich zum Teil jahrelang, bis endlich eine Gesetzesänderung durchgeführt wurde.

"Sie haben ein System, das hinten und vorne nicht funktioniert, und trotzdem erhöhen Sie laufend die Finanzierungssumme?", wunderte sich Staatsanwalt Wolfgang Redtenbacher. Das stimme nicht ganz, man habe das Volumen ab 2003 schon etwas zurückgefahren, so der Angeklagte. "Ja, von 113 auf 94 Mio. Euro. Und wieso investieren Sie 2003 noch 94 Mio. Euro, wenn das Gerichtswesen steht?", so der Ankläger. "Irgendwann musste sich das ja ändern", antwortete der Beschuldigte gleichmütig. "Das sind reine Mutmaßungen gewesen", stellte Richter Helmut Wlasak fest.

Der Prozess wird morgen, Dienstag, um 9.00 Uhr fortgesetzt, es steht weiterhin die Befragung des Ex-Geschäftsführers auf dem Programm.

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