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Politikverdrossenheit

"Wir sind sehr wohl motivierbar"

Das Interesse an der Politik unter Jugendlichen sinkt stetig. Woran liegt diese Verdrossenheit? Wir haben uns mit einer Gruppe in einem Jugendzentrum unterhalten.

 

Die Zahlen sind ernüchternd. Laut einer Umfrage zeigen nur zwölf Prozent der 16- bis 29-Jährigen mehr oder weniger starkes Interesse am politischen Geschehen (siehe Artikel rechts). Aus diesem Grund treffen wir Armin (20), Konrad (17), Eva (18), Wolfgang (19) und Yps (26) im Jugendzentrum "Dietrichskeusch'n" in Graz. Ihre Hauptkritikpunkte an der heutigen Politik klingen vertraut. Es würde zu viel gestritten und Wahlversprechen würden nicht eingehalten werden.

Strache sticht hervor

Doch was macht die Jugend, wie die Studie zeigt, noch desinteressierter als den Rest der Österreicher? "Wir sind sehr wohl motivierbar. Aber es hapert an den Mitteln", spricht Eva den fehlenden Kontakt zwischen den Politikern und der Jugend an. Discotouren à la HC Strache findet die Gesprächsrunde eher peinlich. "Politiker sollten sich in Jugendliche hineinversetzen und nicht nur in die Disco gehen", sagt Armin, der sich mehr jüngere Kandidaten in anderen Parteien wünscht. Ihm ist aber bewusst, welchen Stand sich der Parteichef der FPÖ bei der Jugend schon erarbeitet hat. "Egal, wie man zu ihm steht, aber Strache sticht aus der Masse hervor." Ein Armutszeugnis für den Rest der Parteien, denn Gefallen an den freiheitlichen Inhalten findet niemand in der Runde. "Sie plakatieren offensiv gegen Ausländer. Das ist doch kein Vorbild für die Jugendlichen", meint Yps. Dabei wäre Integration ein wichtiges Thema, da man als Schüler ja damit tagtäglich konfrontiert sei, führt Armin fort. Auch soziale Themen haben einen hohen Stellenwert in der Runde. Die steirischen Einsparungen in diesem Sektor stoßen auf Unmut. "Wenn irgendwo gekürzt wird, dann eh nur im Sozialbereich", konstatiert Konrad.

"Es geht uns zu gut"

Das Interesse an der Politik scheint also in den jungen Menschen zu schlummern. Warum ist aber etwa eine Protestbewegung gegen Missstände nicht vorstellbar? "Es geht uns einfach zu gut", stellt Eva fest, "wir können uns über nichts mehr aufregen." "Egal, was in unserer Politik passiert, man wird nicht von heute auf morgen auf der Straße stehen. Deswegen ist die Motivation zum Protest nicht so hoch", ergänzt Armin. Wolfgang nimmt daher auch sich selbst in die Pflicht: "Es sollte von beiden Seiten mehr Interesse gezeigt werden. Sowohl von der Jugend als auch von der Politik."

Warum ist die Jugend nicht an Politik interessiert?

Foto © J. Fuchs

Katharina Bartl, 27, Drogistin:

Ich glaube, dass Politik in der Schule von Lehrern zu wenig vermittelt und so erst gar nicht populär wird. Außerdem muss man sagen, dass in der Politik halt viel nicht funktioniert, es fällt nicht leicht, sich für eine Partei zu entscheiden. Man müsste die Jugend stärker involvieren, zum Beispiel mit Veranstaltungen, an denen die Jugend beteiligt ist.

Foto © Jürgen Fuchs

Daniel Pöltl, 21, Student:

Ich verfolge Politik über Zeitungen. Das negative Image, das von den Politikern vermittelt wird, zum Beispiel durch die ganzen Schmiergeldaffären, wirkt sich natürlich aus. Die Jugendlichen sehen das in den Medien, was an Ergebnissen rauskommt, kriegt dann keiner mit. Vielleicht sollten Politiker auch einmal länger als eine Legislaturperiode vorausdenken.

Foto © Jürgen Fuchs

Marlene Kröpfl, 16, derzeit in Fortbildung: Ich achte eigentlich gar nicht auf Politik, weil es mich einfach nicht interessiert. Die Jugend hat heute andere Sorgen und andere Sachen zu tun. Ich glaube, dass Jugendliche sich nicht für Politik interessieren, weil bei Wahlen nur Dinge versprochen werden, aber nie was getan wird. Ich würde mir mehr junge Menschen in der Politik wünschen.

Foto © Jürgen Fuchs

Martin Eidenhammer, 27, Industriekaufmann: Viele Eltern interessieren sich schon nicht für Politik und das wird dann halt auch an die Kinder weitergegeben. Ich verfolge die Politik zwar schon, finde aber, es ist heute einfach nicht mehr so interessant wie vor einigen Jahren. Für junge Menschen sind Bildung und Arbeit große Themen, die einfach verstärkt behandelt werden müssen.

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