Missbrauchsverdacht

Gutachten entlastet Großeltern und Ex-Richter

Fast fünf Monate, nachdem vier Verdächtige in der Steiermark wegen Missbrauchs einer 16-jährigen Oberösterreicherin im Gefängnis landeten, werden sie durch Gutachten entlastet.

 

Die Expertise der forensischen Psychiaterin Heidi Kastner ist umfangreich. 111 Seiten umfasst sie, vier Mal so viel wie in den meisten anderen Missbrauchsfällen. Viele Aspekte mussten berücksichtigt werden, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen eines 16-jährigen Mädchens, es sei Opfer von Massenvergewaltigungen geworden, wohl nicht stimmen.

Aber nicht, weil das schwer traumatisierte Mädchen gelogen hat, um sich etwa wichtig zu machen. Von einem "false memory syndrome" ist die Rede. Demnach glaubt das Opfer selbst, dass ihm all das Schreckliche passiert sei, obwohl das nicht der Realität entspricht. Wie berichtet, hatte die 16-Jährige erzählt, jahrelang von den steirischen Großeltern, einem Ex-Richter und einem Gerichtsgutachter missbraucht worden zu sein - gegen vier Personen wurde im September die U-Haft verhängt (siehe rechts).

Ausgelöst kann diese "Pseudoerinnerung" durch Stress, Krankheit oder Suggestion bei Therapien werden. Die Staatsanwaltschaft Wels gab sich gestern bedeckt. Die zuständige Staatsanwältin müsse das Gutachten erst einmal lesen, sagt Behördensprecher Manfred Holzinger.

Wolfgang Moringer, Linzer Verteidiger des beschuldigten Ex-Richters aus Graz, sichtete die Expertise gestern und sagte den OÖN: "Diese bestätigt den Eindruck, den ich bei der Einvernahme des Mädchens gewonnen habe. Das vorliegende Gutachten wird zur kurzfristigen Einstellung des Verfahrens führen müssen." Anwalt Friedrich Schwarzinger aus Wels, der die Großeltern und einen weiteren beschuldigten Nachbarn verteidigt, sagt: "Wieso muss eine U-Haft verhängt werden, wenn es außer dieser Vorwurfsgeschichte keine objektivierten Indizien gibt?"

Er erwägt eine Schadenersatzklage gegen die Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, wo das Mädchen in Therapien den Vorwurf geäußert hatte. Spitalsärzte hatten daraufhin Anzeige erstattet. "Die Sache nahm im Wagner-Jauregg ihren Ausgang und diese wurde dort nicht professionell gehandhabt", sagt Schwarzinger.

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