Murkraftwerk: Befragung im Frühjahr wackelt

Abstimmung über Grazer Murkraftwerk im Mai ist unsicherer denn je, die Energie Steiermark nimmt die Planungen ab sofort wieder auf. Das Projekt teilt die Stadt.

 

Monatelang war es um das geplante Murkraftwerk in Puntigam ruhig gewesen, jetzt gehen die Wogen wieder hoch. Weil die Stadt noch immer keinen Termin für eine Bürgerbefragung gefunden hat, nimmt die Energie Steiermark die Planungen ab sofort wieder auf (wir berichteten exklusiv). Die Grazer Grünen wollen von Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) nun eine Klarstellung, ob die Befragung überhaupt noch durchgeführt werden soll.

Und tatsächlich wackelt der zuletzt anvisierte Termin im Mai. "Sinnvoll ist eine solche Befragung nur, wenn wir zumindest drei Themen haben, die abgefragt werden", sagt Bürgermeistersprecher Thomas Rajakovics. Inzwischen allerdings ist das Murkraftwerk das einzige noch verbliebene Thema, weshalb auch die Befragung im Mai nicht mehr in Stein gemeißelt ist.

Dafür setzt Nagl nun auf eine Enquete. "Dort sollen Experten und Interessierte, auch Kritiker, über das Kraftwerk diskutieren, um in der ganzen Debatte wieder auf eine sachliche Ebene zu finden", sagt Rajakovics.

Während der Gewerkschaftsbund das Puntigamer Kraftwerk "ausdrücklich begrüßt", werfen die Grazer KPÖ und die Plattform "Rettet die Mur" der Energie Steiermark "beispiellose Ignoranz" vor, da sie "den breiten Widerstand der Bevölkerung als die Haltung einer Handvoll Spinner" abtue. Günther Kräuter, neben seiner Funktion als SPÖ-Bundesgeschäftsführer auch Präsident der Arbeiterfischereivereine, warnt davor, dass sich das Stadtkraftwerk laut Experten wirtschaftlich nicht rechne. "Die Energie Steiermark muss das Gegenteil erst einmal mit Zahlen belegen." Eine Absage der Bürgerbefragung wäre für Kräuter jedenfalls "eine demokratiepolitische Provokation".

In die Diskussion schaltet sich nun auch ein Grazer ein, der bereits mit seiner "Interessengemeinschaft Uni-Viertel" aufgefallen ist. Johann Eder hat den Verein "Herz für die Mur" gegründet und will mit seinen Mitstreitern für das Kraftwerk werben.

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