Wer fürchtet sich vor diesem jungen Grazer?*

Einmal Auftrittsverbot und zurück: Cengiz Kulac ist Bundessprecher der Jungen Grünen, Stachel im Fleisch der Elternpartei und ein fröhlicher Radikaler.

 

Die jüngste Aufregung begann mit einem schnell geschriebenen Satz. "Grünes Eva-Magazin: Ein Grund die Parteienförderung zu kürzen!"

Den Satz schrieb Cengiz Kulac auf seiner Facebook-Seite. Und weil Kulac Bundessprecher der Jungen Grünen ist und er damit direkt die grüne Parteichefin attackiert hat, war parteiinterne Panik die Folge.

Die steirischen Grünen verhängten ein Auftrittsverbot. Bei Schuldiskussionen im Rahmen des EU-Wahlkampfes dürfe er nicht mehr für die Grünen sprechen. Mittlerweile ist die Landespartei zurückgerudert, das Interesse an der Person Kulac ist damit aber nur größer geworden.

Vor allem, weil es ja nicht das erste Mal war, dass sich Kulac mit den "erwachsenen" Grünen angelegt hat. "Ich weiß, ich bin vor allem nervig", lacht er. Zuletzt "nervte" er etwa im Jänner anlässlich der Demonstrationen gegen den Burschenschafter-Ball in der Wiener Hofburg. Die jungen Grünen stellten den Demo-Organisatoren eine Homepage zur Verfügung, dort wurde die Botschaft "Unseren Hass könnt ihr haben" verbreitet. Und dieser vermummte schwarze Block verwandelte die Demo in ein gewalttätiges Chaos. Parteichefin Glawischnig drohte den jungen Grünen daraufhin mit Rauswurf. Kulac konterte, sie müsse "ihre Kommunikationspraxis überprüfen".

Globale Bewegungsfreiheit

Wer also ist dieser Kulac, der regelmäßig die eigene Partei so aufscheucht? Gestatten: Grazer, Jahrgang 1988, wilde, unzähmbare Haarmähne; Student der Soziologie und Juristerei, ehemaliger ÖH-Vorsitzender in Graz und seit eineinhalb Jahren Bundessprecher der Jungen Grünen gemeinsam mit Diana Witzani, übrigens ebenfalls aus Graz. Und ein fröhlicher Radikaler.

Kulac lacht viel, wenn man mit ihm über Politik spricht. Die Inhalte sind aber verdammt ernst, manche würden sagen: radikal. Thema EU: "Europa zieht eine Mauer auf, an der massenhaft Menschen sterben. Wir dagegen haben die Utopie einer globalen Bewegungsfreiheit." Thema Parteienförderung: "Die gehört um 75 Prozent gekürzt, um die Demokratie zu retten." Die Parteibudgets würden sich ohnehin zur Spitze hin verengen, für die Basis und Bildungsprogramme bleibe kaum etwas über.

Politischer Aktivist

Damit macht man sich bei der Parteispitze nicht beliebt. Egal. "Ich sehe mich als politischen Aktivisten, nicht als Politiker. Ich bin seit elf Jahren politisch tätig und mit Ausnahme ÖH-Vorsitz mit einer Aufwandsentschädigung von 330 Euro im Monat habe ich immer ehrenamtlich gearbeitet."

Fühlt er sich als junger Grüner von der Elternpartei ernst genommen? "Durch das Eva-Magazin nicht, nein." Dort wird jungen Menschen etwa erklärt, wie "Europa schmust". Werbung für eine politische Partei ohne politischen Inhalt - das geht für Kulac gar nicht. "Ich weiß, dass man zuspitzen muss, um gehört zu werden. Aber ohne Inhalte ist das nur Effekthascherei." Und da verliert selbst der politische Kopf Kulac seinen Humor.

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