Spurwechsel

Schieflage für Gondelprojekt

Seilbahn über Graz müsste mit massiven Hürden kämpfen: Grundeigentümer hätten Parteistellung, Kosten könnten Schätzungen weit übertreffen.

© Montage/Graz Tourismus
 

Gegen alle Widerstände ziehen sie an einem Strang, besser gesagt, an einem Seil: Bürgermeister Siegfried Nagl und Wolfgang Malik, Vorstandsvorsitzender der Holding Graz, forcieren eine Gondelbahn über der Landeshauptstadt. Erst dieser Tage meinte Malik, dass der öffentliche Verkehr am Boden schlicht an seine Grenzen stoße: "An einer urbanen Seilbahn wird kein Weg vorbeiführen."

In diesem Fall wird man aber auch auf zwei massive Hürden stoßen: die Parteistellung der Grundeigentümer samt möglichen Einsprüchen sowie immense Kosten. "Die bislang kolportierten 90 Millionen Euro sind viel zu gering bemessen", schütteln Kritiker den Kopf.

Die mögliche Routenführung wurde mittlerweile ja verschoben - zumindest in Graz: So haben Nagl und Malik die ursprünglich angedachte Gondelbahn entlang der Mur quasi abgesagt. Mittlerweile wird eher eine Verbindung zwischen Verkehrsknoten Puntigam und Webling favorisiert - und zwischen Hauptbahnhof und Reininghausareal.

Mit neuen Herausforderungen: Abgesehen davon, dass derartige "Hochbauten" mit dem Welterbetitel kollidieren könnten: Auch unzählige Grazer müssten erst mitspielen. Denn als "Partei" würden nicht nur jene fungieren, auf deren Grund Stützpfeiler errichtet werden. "Parteistellung haben auch Eigentümer jener Liegenschaften, die direkt unter der Seilbahn liegen, also überspannt werden", bestätigt man im Verkehrsministerium.

Spielen Grundinhaber mit?

Der springende Punkt: Zwar kann die Behörde eine Baugenehmigung zu einem recht frühen Zeitpunkt erteilen - gebaut werden könne aber erst, wenn die Grundeigentümer zustimmen. Bleiben einzelne Inhaber beim Nein, gebe es die Chance, in einem eigenen Verfahren "Nutzungsrechte zu erwirken".

"Diese Parteistellung gibt es in anderen Ländern nicht, bei uns aber schon. Das finde ich aber in Ordnung", so Michael Bitterl, Prokurist der Firma Doppelmayr. Diese ist Weltmarktführer in Sachen Seilbahnen - und möglicher Partner in Graz. Gegenüber der Kleinen Zeitung lässt Bitterl aufhorchen: Wegen dieser Gesetzeslage halte er die Ursprungsidee einer Bahn entlang der Mur - also über öffentlichem Grund - für die einzig mögliche. "Alles andere können Sie vergessen."

In Hinblick auf Kosten komme es letztlich auf die Streckenführung an, so Bitterl. "Wenn man bis Puntigam geht, dann können es schon 200 Millionen Euro werden." Doch auch eine kürzere und günstigere Variante sei alltags- und pendlertauglich. Und: Eine finanzielle Beteiligung von Doppelmayr sei jedenfalls möglich. "Wir sind kein Wohlfahrtsunternehmen. Aber solange es für die Stadt und für uns passt . . ."

Bürgermeister-Sprecher Thomas Rajakovics betont indes, dass es generell um die mutige Vision einer Verkehrsalternative gehe. Dass diese einige Zeit in Anspruch nehmen könne, sei klar. "Deshalb muss man auch lieber heute als morgen mit den Vorarbeiten beginnen, mit der Information der Bürger, auch der Grundeigentümer."

Holding-Chef Wolfgang Malik ergänzt: "Wir sind uns der Parteistellung von privaten Grundeigentümern bewusst." Doch abgesehen von der Mur, gebe es in dieser Hinsicht noch eine andere spannende Variante über öffentliches Gut hinweg: eine Seilbahnroute oberhalb der GKB-Trasse vom Bahnhof nach Straßgang.

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