Steiermark

Den Ärmsten ihr Gehör zurückgeben

Die schweren Schäden stammen oft noch aus der Kriegszeit: Ein Team der Malteser versorgt mit Spezialisten von Neuroth die Vergessenen Bosniens mit Hörgeräten.

© MALTESER
 

Viereinhalb Stunden dauert die Fahrt von Graz nach Maglaj in Zentralbosnien. Tatsächlich ist es eine Reise in eine andere, erschreckende Welt, wie die in Graz lebende und in Bosnien geborene Ärztin Sehija Softic am Telefon erzählt: "Die Armut ist hier groß, viele Häuser sind noch vom Krieg zerschossen, die Arbeitslosigkeit ist katastrophal." Die Straßen zu verlassen ist nicht ratsam, denn Minenfelder bergen noch immer tödliche Gefahr. Viele wurden bis heute nicht geräumt - und sie können durch den Regen sogar unterirdisch "wandern".

Kriegsrelikte der anderen Art prägen auch noch viele Menschen in Bosnien: Sie leiden an Hörschäden. Um den Ärmsten der Armen zu helfen, ist am vergangenen Samstag ein Team des steirischen Malteser Hospitalteams mit Spezialisten der Firma Neuroth AG und der Ärztin Sehija Softic nach Maglaj aufgebrochen. Im Gepäck haben sie 150 Hörgeräte im Wert von insgesamt einer halben Million Euro. 75 Menschen in Bosnien wird damit ihr Gehör zurückgegeben.

"Es ist erschreckend, die Pension der Menschen reicht oft schon zum alltäglichen Leben nicht", erklärt Peter Zechner, der Einsatzleiter der Malteser. Schon gar nicht reiche sie für eine angemessene medizinische Versorgung. Massive Hörschäden sind seit vielen Jahren unbehandelt. Das trifft auch Kinder mit genetisch bedingten Schäden.

"Diese Menschen sehen sich selbst als vergessen", sagt Zechner. Er erzählt von einem Mann, der seine Enkel noch nie reden oder lachen gehört hat. "Er hatte sein Leben abgeschrieben. Als er das Hörgerät bekommen hat, sind seine Tränen geflossen." Es ist die größte Hilfslieferung seit dem Krieg in der Gegend. "Die Dankbarkeit ist riesig", so Zechner. Bis Sonntag ist das steirische Team noch in der Gegend um Odzak, Tuzla und Banja Luka unterwegs. Geholfen wird allen - Bosniaken, Serben und Kroaten, über Konfessionsgrenzen hinweg.

Zwölf Stunden am Tag werden Hörgeräte angepasst, die Menschen bekommen Batterien für ein Jahr. Auch der nächste Einsatz ist bereits in Planung: Im Mai wird es eine zweite Hilfslieferung von Neuroth geben.

Waltraud Schinko-Neuroth sagt: "Wir freuen uns sehr, die Aktion in Bosnien aktiv unterstützen und den Menschen ein Stück mehr Lebensqualität schenken zu können." Sie betont: "Besseres Hören funktioniert nur mit einer individuellen Einstellung und Anpassung der Hörgeräte - dafür sorgen unsere Hörakustiker."

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