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Serie, Teil 1

100 Jahre LKH Graz: Geschichten hinter der Geschichte

Eine Gegenüberstellung zum Jubiläum: Bernd Melichars Krankengeschichte und die 100-jährige Historie des LKH Graz. Zwischen Hoffen, Glück und Trauer.

© PROVINZARCHIV DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN GRAZ
 

3. Juli 1912: die erste Geburt am LKH Graz.

31. Mai 1963: "Fahren S' ruhig nach Hause", sagte die Klinikum-Hebamme zum Vater. "Heute passiert nichts mehr." Um 3 Uhr in der Früh ist es dann doch passiert, weiß die Mutter. Der Vater war beim ersten Anblick des krebsroten, brüllenden Menschenknäuels anfangs etwas erschrocken. Für die Mutter war ich natürlich das schönste Baby der Welt.

1914: Die chirurgische Klinik wird zum Reservelazarett.

Mai 1989: Das Auto war stärker. Der Lenker meiner Vespa landet im Bauch, ich auf dem OP-Tisch der Chirurgie. Zwischen der dritten und vierten Operation fragt der Vater den Klinikum-Arzt: "Was können wir tun?" Die Antwort: "Beten." Nach der Operation ruft der Vater auf der Intensivstation an und erkundigt sich nach dem Sohn. "Leider verstorben", bedauert die Krankenschwester. Ich habe überlebt, gestorben ist in dieser Nacht ein gleichnamiger Verwandter.

1945: Zusammenschluss der Geistlichen, Rotkreuz- und Freien Schwestern zur "Fachschaft der Steirischen Schwestern".

Juni 1989: Schwester Rosa wäscht mich, putzt mir die Zähne, wacht über mich. "Das wird schon wieder", sagt mein stets lächelnder Engel. "Wie geht's?", fragt der Arzt bei der Visite. "Große Schmerzen", stöhne ich. "Gut so, weitermachen", antwortet der aufmerksame Mediziner.

1969: Die Kinderklinik übersiedelt von der Mozartgasse in den Neubau am Klinikumgelände.

Sommer 2002: Mein Sohn hat ständig höllische Kopfschmerzen. "Das wird schon", sage ich zu ihm, als sich der kleine Kerl voll Angst in die laut brummende CT-Röhre legt. "Mein Gott, beschütze unser Kind", flehe ich. Der Befund im Klinikum ist negativ. Der kleine Mann braucht lediglich eine Brille.

1975: Grazer Neurochirurgen entwickeln Messsonde zur Schädelinnendruck-Überwachung.

Juli 2004: Das Aneurysma im Kopf meiner Mutter ist so groß geworden, dass die Klinikum-Ärzte operieren müssen. "Wir sehen uns morgen", verabschiede ich mich von Mama auf der Station der Neurochirurgie. Ihr trauriges Lächeln sagt: "Nein, werden wir nicht." - "Pass gut auf Papa auf", ist ihr letzter Satz. Noch am OP-Tisch platzt das Aneurysma. "Es tut uns leid", sagen die Ärzte. "Aber sie atmet doch noch!", brülle ich. "Und ihre Hand ist ganz warm!" - "Das sind nur die Maschinen", antworten die Ärzte - und schalten die Apparate drei Tage später ab. "Mama ist tot", schluchzt der Vater und nimmt mich das erste Mal seit vielen, vielen Jahren in den Arm.

1983: erste Herztransplantation in Österreich auf LKH-Chirurgie.

Herbst 2004: "Das ständige Stechen in der Herzgegend macht mir Sorgen", sage ich. "Das haben wir schon alles abgeklärt", antwortet der geduldige Klinikum-Arzt. "Ihnen fehlt nichts." - "Diese Ärzte machen mich ganz krank", klage ich zu Hause der Frau mein Leid. "Ich fühle mich elend und die finden nichts." - "Die Krankheit, an der du leidest, heißt Hypochondrie", lächelt die geduldige Frau. "Du wirst 100 Jahre alt!"

2005: Die letzten Geistlichen Schwestern gehen in Pension.

2005: Es ist nicht zu fassen, aber ein groß angelegter Gesundheitscheck ergibt, dass mir nichts fehlt. Das kann nicht gesund sein, wenn man so gar nicht krank ist, denke ich und gehe in die Krankenhaus-Kirche, plaudere eine Runde mit meinem Herrgott und treffe beim Hinausgehen eine Geistliche Schwester. "Das wird schon wieder", lächelt sie. "Eh", antworte ich verwirrt. "Stellen Sie sich vor, ich bin pumperlgsund!"

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