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Prozess gegen rechte Szene: Erste Zeugen befragt

Sessel flogen, es wurde über den Tisch gesprungen, gedroschen und getreten. Mit ersten Zeugen ist der Prozess gegen Schläger aus der rechten Szene in Graz am Donnerstag fortgesetzt worden.

© APA/Sujet
 

"Das Haar streng gescheitelt und gewachst oder gegelt. Forsches Auftreten." So hat ein Zeuge die Gruppe in Erinnerung, die am 30. Jänner 2010 ein Grazer Innenstadtlokal betrat und dort später eine Geburtstagsgesellschaft attackierte. Dabei wurden mehrere Gäste verletzt, einer schwer. Der Zeuge ist Kellner, hat selber Kampfsport betrieben und ging dazwischen, als es krachte. "Man hat gesehen: Das sind Kämpfer", erinnert er sich an die "Burschen". Wirtshausraufereien ist er gewöhnt, aber: "Diese Brutalität hat mich geschockt. Das hat sehr gezielt gewirkt."

Schwere Verletzungen

Von den Angeklagten erkennt er mehrere wieder, besonders den Drittangeklagten, den mit dem "lieben Bubengesicht". Das war der, "der mir einen Sessel über den Kopf schlagen wollte". Der nächste Zeuge wurde von einem der Angeklagten festgehalten, während ein Zweiter auf ihn eindrosch. Er ist Historiker und kann "Die Fahne hoch!" (Horst-Wessel-Lied") und das Lied vom "schönen Westerwald", das die Schläger sangen, gut einordnen. Genauso die "Heil Hitler!"-Rufe. "Und das ist der, der über den Tisch gesprungen ist", sagt er und deutet auf jenen Angeklagten, der behauptet, an diesem Abend weit weg in Stockerau gewesen zu sein. "Was sagt Ihnen der 30. Jänner?", fragt Staatsanwalt Johannes Winklhofer den Zeugen. - "30. Jänner '33, das war der Tag der Machtergreifung." Am 30. Jänner 2010 marschierte die Gruppe gescheitelt und gegelt und mit schwarzen "Blood and Honour"-Leibchen ins Lokal.

Im Gegensatz zu diesen Zeugen ziehen es die anderen vor, in Abwesenheit der Angeklagten befragt zu werden. "Ich spreche mich dagegen aus", sagt das "Bubengesicht", als die Angeklagten den Saal verlassen müssen. "Können Sie eh. Es ist das Recht der Zeugen", sagt Richter Raimund Frei. - "Dann rüge ich Ihren Beschluss." Wird protokolliert. "Nach diesem Tag ist das Leben für mich anders", sagt ein kroatischer Student. "Ich komme aus einem Kriegsgebiet und habe als Kind viel erlebt. Ich bin Ausländer. Es war schwer, wieder Vertrauen in die Menschen in Österreich zu finden."

Das Geburtstagskind wurde am schwersten verletzt. Er wurde gestoßen, geschlagen, und als er am Boden lag, machten die Schläger laut Zeugen einen Kreis um ihn, um auf ihn einzudreschen und auf seinen Kopf einzutreten. Als er später im Klo das Blut abwusch, sah er, dass ein Auge tiefer lag. Als er sich seine mehrfach gebrochen Nase selbst einrichtete, schoss Blut aus der Nase und das andere Auge lag tiefer. Beide Augenbögen waren gebrochen.

Seine Lebensgefährtin erinnert sich, dass ein Angreifer wie im "Blutrausch" war: laut brüllend, mit zerrissenem Leibchen, Blut an den Händen. Der Staatsanwalt weitet die Anklage gegen den Drittangeklagten auf "Herabwürdigung religiöser Lehren" aus. "Scheiß Christenschweine!", soll am Rande einer Fronleichnamsprozession gefallen sein. "Nicht schuldig!", sagt das "liebe Bubengesicht" lächelnd.

Der Prozess geht am Freitag weiter. Der Grüne Abgeordnete Werner Kogler soll seine Zeugenaussage am Montag machen.

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