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Graz

Die Metropole, die Graz Paroli bieten könnte

Die Städte Leoben, Bruck an der Mur und Kapfenberg samt Umland als eigene Großgemeinde? Landeshauptmann Franz Voves hat einen Nachdenkprozess eingeleitet.

© Schöberl
 

"Haut's euch doch auf ein Packel und denkt's nach" - mit diesen deftigen Worten hat Landeshauptmann Franz Voves jüngst beim SPÖ-Landesparteitag die Städte Leoben, Bruck und Kapfenberg zum Zusammenschluss aufgefordert - und natürlich würden auch die kleineren Umlandgemeinden in dieser Großgemeinde aufgehen.

Damit hätte man die zweit-, die dritt- und die viertgrößte Stadt der Steiermark zu einer Gemeinde vereint. Inklusive der Umlandgemeinden von St. Peter-Freienstein bis St. Lorenzen im Mürztal wäre dies eine Gemeinde mit 76.730 Einwohnern und damit ein potentes Gegengewicht zu Graz und dem Speckgürtel rundum.

Die Landeshauptstadt und ihr Umland wirken wie ein Magnet und saugen dem Mur-Mürztal junge, gut ausgebildete Leute ab, was der Obersteiermark einen besorgniserregenden Bevölkerungsschwund beschert. Eine Großgemeinde mit drei starken Städten wäre für Investoren ein Angebot, das man nützen könnte, um neue Arbeitsplätze zu lukrieren und junge Menschen in der Region halten zu können - auch Absolventen der Montanuniversität Leoben und der Fachhochschule Kapfenberg. Ein gemeinsamer Zentralraum in der Obersteiermark mit der Achse Leoben-Bruck-Kapfenberg könnte zur Region "Graz-Nord" werden, wie es Leobens Bürgermeister Matthias Konrad schon seit Jahren plakativ ausdrückt. Ganz neu ist die Vision dieses Zentralraumes allerdings nicht. In einer Studie des Städtebundes und der Statistik Austria aus dem Jahr 2010 spricht man von einer gemeinsamen Kernzone Leoben mit den Städten Bruck und Kapfenberg samt Umlandgemeinden.

Zusammenarbeit

Viele Institutionen agieren schon seit Jahren und ganz selbstverständlich in diesem Zentralraum. So ist die Baubezirksleitung Bruck für drei Bezirke zuständig, die Landeskrankenhäuser Leoben und Bruck haben bereits einen gemeinsamen ärztlichen Leiter und ein Schwerpunktkonzept für die Großregion. Auch in Sachen Tourismus geht man mit der "Hochsteiermark" Hand in Hand, und das Landesgericht Leoben ist für die gesamte Obersteiermark zuständig. Die Bauernkammer schlägt in die gleiche Kerbe und agiert künftig von Bruck aus.

Kräfte, die jetzt in Partikularinteressen gegeneinander eingesetzt werden, könnten damit gebündelt und umso effizienter genützt werden. Ob Raumplanung, Wohnbau, Kulturprogramm oder Betriebsansiedelungen - wenn ein übergeordnetes Konzept vorhanden wäre, könnte auch der Blick in die Zukunft wesentlich konkreter sein. Ganz abgesehen von den Einsparungen, die eine Zentralverwaltung und eine zentrale politische Führung mit sich bringen. Derzeit ist es so, dass sich vor allem die Städte ihre Infrastruktur nicht mehr leisten können, ob Fachhochschule, Stadttheater oder Sportanlagen. Eine 77.000-Einwohner-Gemeinde wäre die siebentgrößte Stadt Österreichs und könnte zweifellos eine Menge sparen.

Brisante Fragen

Geht man an einen derart großen Wurf ernsthaft heran, wartet allerdings eine Fülle an Detailfragen. Fragen mit sachlicher und emotionaler Brisanz: Wo wird der Sitz der künftigen Gemeinde sein? Werden beim Gerangel um Posten und Funktionen die Kleingemeinden überhaupt noch Gehör finden? Werden auch Feuerwehren, Sportvereine und Musikkapellen durchrationalisiert und ihnen Fusionen nahegelegt? Und überhaupt: Was heißt das für die Bevölkerung? Was würde sich für sie ändern?

Die Menschen wollen hohe Wohnqualität, ein gutes Angebot bei Shopping, Freizeit und Kultur, kurze Wege zur Ausbildungsstätte und zum Arbeitsplatz und generell eine gute Infrastruktur, von den Straßen bis zur Kinderbetreuung. Wie wichtig ihnen die Erhaltung der eigenen Gemeinde für ihr Heimatgefühl und ihre Identität ist, darüber gibt's nur Vermutungen.

Die Politik jedenfalls hat sich bisher von derart kühnen Plänen nicht begeistern lassen. Der Ball liegt dabei vor allem bei den Städten. Nun sind aber zwei der drei Bürgermeister in einem Alter, in dem ein Antreten bei der Gemeinderatswahl 2015 zumindest fraglich ist: Bernd Rosenberger (Bruck) ist dann 67, Konrad 71. Und auch Brigitte Schwarz (51) aus Kapfenberg hat unlängst gesagt, bei Fusionen werde man auch die politische Führung erneuern müssen. Sollte ein großer Wurf kommen, ist also die nächste Generation gefordert.

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