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Graz

Ehefrau in Kalsdorf getötet

Staatsanwältin spricht bei Prozess von "Exekution"

Die Bluttat geschah im Juni: Das Opfer hatte noch die Polizei angerufen, die Schüsse während des Notrufs hörte - der Frau aber nicht mehr helfen konnte. Vor Gericht sagt der Angeklagte: "Ich kann mich nicht erinnern." Der Prozess wurde am Abend vertagt.

Der Mann ließ sich nach der Tat widerstandslos festnehmen © (c) APA/ELMAR GUBISCH
 

Sieben Schüsse aus nächster Nähe auf seine Ex-Frau haben einen Mann in Graz vor ein Geschworenengericht (Vorsitz: Angelika Hacker) gebracht. Er muss sich heute wegen Mordes verantworten, gab aber an, sich an nichts erinnern zu können. Die Staatsanwältin sprach von einer regelrechten "Exekution". Der Angeklagt sagte, keinerlei Erinnerung an die Tat zu haben.

Der gebürtige Bosnier (54) und seine gleichaltrige Frau hatten sich 1987 kennengelernt, heirateten und ließen sich 2006 scheiden. Doch das Paar hatte immer wieder zusammengelebt, bis es Anfang 2016 zur endgültigen Trennung kam. Das konnte der Mann offenbar nicht verkraften. Er besorgte sich eine Waffe und fuhr im Juni zu seiner Ex-Frau, wo er die Wohnungstüre aufbrach. Sie hatte zuvor schon Angst vor ihm gehabt und rief sofort die Polizei, als sie ihn bemerkte. Gleichzeitig lief sie ins Schlafzimmer und wollte sich im Kasten verstecken. Doch der Beschuldigte entdeckte sie sofort und feuerte sieben Schüsse ab, sechs davon trafen das Opfer. Drei waren tödlich, die Frau starb noch am Tatort. "Diese Exekution ist live über Polizeinotruf wahrnehmbar gewesen", schilderte Staatsanwältin Reingard Wagner.

"Genau und sorgfältig geplant"

Sechs Minuten später war die Polizei da und fand den Mann teilnahmslos vor dem Fernseher vor. Er wurde in die Nervenklinik gebracht und gab von Anfang an an, er habe keine Erinnerung an die Tat, die er laut Anklägerin "genau und sorgfältig geplant" haben soll. Bereits in den Jahren davor soll er gegen seine Frau und seine Kinder "massiv gewalttätig" gewesen sein.

Psychotische Störung

Sein Verteidiger Gunther Ledolter zeichnete ein ganz anderes Bild: "Er war ein liebevoller Opa und ein hilfsbereiter Mensch, alles andere als ein kaltblütiger Killer." Der Tod von zwei seiner vier Kinder habe ihn aus der Bahn geworfen und immer wieder zu gesundheitlichen Problemen geführt. Ein Privatgutachten, das die Verteidigung in Auftrag gegeben hat, stufte den Angeklagten aufgrund einer psychotischen Störung und seiner Medikamenteneinnahme als nicht zurechnungsfähig ein. Der Gerichtssachverständige Manfred Walzl kam dagegen zu dem Schluss, dass der 54-Jährige sehr wohl zurechnungsfähig gewesen sei.

Der Angeklagte selbst bekannte sich zwar schuldig, gab aber stereotyp an, sich weder an die Tat noch an den Waffenkauf erinnern zu können. Er erklärte, dass er nie gewalttätig gegen seine Frau oder Kinder gewesen sei. "Sie haben nichts getan, waren liebevoll und freundlich, und dann die Schüsse aus nächster Nähe auf eine am Boden liegende Frau - wie passt das zusammen?", fragte Richterin Angelika Hacker. "Ich kann mich nicht erinnern", antwortete der Angeklagte.

Nicht kontaktierbar

Im Prozess sind zahlreiche Zeugen geladen worden. Außerdem wurden sechs Gutachter bestellt, wobei im Zentrum der Ausführungen die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des 54-Jährigen stand. Einer der Polizisten, der nach der Bluttat in der Wohnung des Opfers war, beschrieb den Beschuldigten als "total apathisch". Dieser sei nur da gesessen und habe kein Wort gesprochen. Daraufhin wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht. Er war zuvor immer wieder in der Nervenklinik in Behandlung gewesen, da er nach eigenen Angaben den Tod von zwei seiner vier Kinder nicht verkraften konnte.

Eine Ärztin, die den gebürtigen Bosnier nach der Tat betreut hatte, erklärte, er wäre "nicht kontaktierbar" gewesen und habe nur von seinen toten Kindern und vom Krieg - "er meint vermutlich den Jugoslawienkrieg", so die Zeugin - gesprochen.

Vertagung

Da für den Nachmittag noch mehrere Zeugen geladen waren und die restlichen Gutachten noch erläutert werden mussten, wurde bis in die Abendstunden verhandelt. Danach wurde der Prozess für die Erläuterung der letzten Gutachten auf den 3. Februar vertagt.

(APA)

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