Bezirks- und Gemeindesuche
Bürgermeister, der schönste Beruf?
2000 zauberte die ÖVP Gleisdorf einen politischen "Niemand" aus dem Ärmel - Christoph Stark. Der politische Überflieger im Interview.

Foto © ÖVPZehn Jahre danach: Christoph Stark, einst politischer Überraschungseinsteiger, ist als Bürgermeister gereift
Als knapp vor den Gemeinderatswahlen 2000 Spitzenkandidat Wolfgang Wagner plötzlich verstarb, suchte die Gleisdorfer ÖVP verzweifelt einen Nachfolger. Und fand ihn in Christoph Stark, damals rund ein halbes Jahr und "sehr lose", wie er sagt, bei der Partei. Zehn Jahre danach hat er die absolute Mehrheit im davor SP-regierten Gleisdorf.
Wie geht es Ihnen nach zehn Jahren Bürgermeisterei?
CHRISTOPH STARK: Ich bin um viele Erfahrungen reicher geworden. Möglicherweise ist das der schönste Beruf mit seiner Vielfältigkeit und Gestaltungsmöglichkeit. Ich mach' das wirklich gerne!
Wenn Sie zurückblicken auf die ersten Wochen als Bürgermeister, wie würden Sie sich sehen?
STARK: Ich war komplett unbedarft hinsichtlich der ganzen Facetten des Berufes. Ich habe mir am Anfang Urlaub genommen und mich wochenlang in die Protokolle eingelesen. Heute habe ich natürlich die Routine, man erkennt, wo die Schwerpunkte und auch die Gefahrenpotenziale liegen.
Sind Sie in diesen zehn Jahren durch Ihre politische Tätigkeit ein Anderer geworden?
STARK: Ich hoffe nicht! Sicher, man wird älter und schon das verändert den Menschen. Manches sieht man abgeklärter, manches mit noch mehr Enthusiasmus. Wenn man sich in zehn Jahren überhaupt nicht verändert, ist auch was schiefgelaufen.
In einem Interview vor zehn Jahren sagten Sie, der 19. März (Gemeinderatswahl 2000, Anm. der Redaktion) sei der schönste Tag Ihres Lebens gewesen. Sehen Sie das noch immer so?
STARK: (lacht) Es gab dazwischen schon auch ein paar schöne. Etwa meine Hochzeit im privaten Bereich und beruflich war natürlich der 21. März heuer überwältigend, als wir die Absolute geschafft haben - eine Steigerung um 150 Prozent in zehn Jahren!
Was hat Sie dieser Beruf persönlich gelehrt, abgesehen vom Fachlichen?
STARK: Ich habe irrsinnig viele Menschen kennengelernt. Was habe ich sonst noch gelernt? Vieles im politischen Diskurs, viel über die politischen Zusammenhänge, wie etwas funktioniert. Und ich habe gelernt, dass man irgendwann besser still ist.
Was sind Ihre Schwächen?
STARK: Manchmal echt die Ungeduld - wenn ich Dinge haben will, muss das gleich passieren. Mit dem Rauchen habe ich aufgehört, aber dass sich der Sport bei mir noch nicht eingestellt hat, ist eine Schwäche von mir.
Worauf könnten Sie in diesem Job verzichten?
STARK: Was mir schwer fällt, ist, bei einem Begräbnis den offiziellen Part zu übernehmen. Man ist emotional selbst sehr betroffen und soll/darf die offizielle Seite vertreten. Sicher ist es schön, für die Angehörigen einen Beitrag leisten zu dürfen, aber wenn verzichten, dann auf das. Ich bewundere unseren Pfarrer, der das dauernd macht.
Wann würden Sie sagen: "Jetzt hör' ich auf!"
STARK: Wenn ich nicht mehr ins Büro gehen mag. Wenn einem die Freude dazu fehlt, muss man aufhören. Ansätze dazu sind noch nicht vorhanden. Aber man muss natürlich darüber nachdenken, wie lange man so etwas machen soll, damit auch das Feuer nicht verloren geht. Aber ich hoffe, dass ich so gute Freunde und Berater habe, die es mir sagen, wenn es Zeit ist, anderen das Ruder zu überlassen. ULLA PATZ
Features
ZUR PERSON
Christoph Stark, geboren am 1. April 1967 in Gleisdorf. Zwei Töchter.
Matura am Gymnasium Gleisdorf. Begann ein Studium als Toningenieur, wechselte auf die juridische Fakultät. Studienabbruch, als die erste Tochter unterwegs war.
Seit 1987 Bediensteter an der Bezirkshauptmannschaft Weiz, zunächst im Strafreferat, später zusätzlich im EDV-Bereich.
Wechsel in das Referat Katastrophenschutz und EDV, teilzeitbeschäftigt.
Seit dem Jahr 2000 Bürgermeister von Gleisdorf.















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