Bezirks- und Gemeindesuche
Jede Stimme zählt: Wer rettet sich ins Ziel?
Die Gemeinderatswahlen sind ein lokales Ereignis, doch das Ergebnis erzeugt Stimmung in Hinblick auf die Landtagswahl. Die Pause bis zum Herbst wird den Duellanten lang werden.

Foto © KanizajHermann Schützenhöfer und Landes-Chef Franz Voves
Der Tag der Gemeinderatswahl 2005 ging in die steirische Geschichte ein: Nur noch exakt 127 Stimmen lag die ÖVP noch vor der SPÖ. "Unser Kampfgeist ist wieder da", hatte SPÖ-Chef Franz Voves damals gejubelt. "Ich kann nur hoffen, dass wir durchhalten bis zur Landtagswahl."
Die SPÖ hielt durch, und es gelang ihr das Kunststück, zum ersten Mal nach 60 Jahren den Landeshauptmannsessel zu erobern.
Durchhalten - das ist die Parole auch für das Wahljahr 2010. Diesmal hofft die ÖVP mit Hermann Schützenhöfer auf den Turboeffekt der Gemeinderatswahl. Dabei ist das "Gesamtergebnis" einer Gemeinderatswahl ein Kunstprodukt, denn die Wähler geben ihre Stimmen in den Kommunen oft nicht primär für eine Partei, sondern für eine Person ihres Vertrauens ab, oder als Zustimmung oder Ablehnung eines Sachthemas vor Ort.
Die Stimmung zählt
Doch die Stimmung zählt: Die Stimmung im Land, die sich auch als Tendenz von einer Gemeinderatswahl ablesen lässt. Die Stimmung, die man in den eigenen Reihen mit einem guten oder schlechten Ergebnis erzeugt. Die Stimmung, die Funktionäre zurücktragen ins Volk.
Vergrößert sich der Abstand, jubelt die ÖVP. Die Chancen dafür stehen gut, denn beim letzten Mal arbeitete der Unmut gegen Schwarz-Blau im Bund für die SPÖ. Und der Zerfall der FPÖ nach der Rebellion von Knittelfeld brachte ihr jene vernichtenden Verluste in ihren Kerngebieten, die sich in Umfragen bereits abgezeichnet hatten.
Diesmal ist es eine Rot-
Schwarze-Koalition, und Vizekanzler Josef Pröll vermag derzeit eher Sympathien anzuziehen, während Werner Faymann die eigene Klientel irritiert. Der Zerfallsprozess des BZÖ bundesweit bremst den Zulauf zu Blau-Orange, davon profitieren sowohl SPÖ als auch ÖVP.
Angreifer & Verteidiger
Diesmal ist Hermann Schützenhöfer der Angreifer. Im Gemeinderatswahlkampf werden weder Schwarz noch Rot allzu aufdringlich die Karte des Ersten ziehen, aber das Ergebnis dürfte die ÖVP stärken. Und mehr als Voves muss sich diesmal Schützenhöfer die Frage stellen: "Halten wir das durch?"
Die Bundespräsidentenwahl, die Landtagswahl im Burgenland sind ein Heimspiel für die SPÖ, und dann kommt das Ferienloch. Einen kurzen September lang haben Voves und Schützenhöfer Zeit, an Boden zu gewinnen. Aus Wien lässt HC Strache grüßen. Der Wiener Wahlkampf sorgt für mediale Präsenz.
Voves hält sich im Moment auffallend zurück. Im Gegensatz zu vor fünf Jahren kann er es sich leisten, nichts zu tun. Die Zeit spielt für ihn. Schützenhöfer macht sich über Großplakate sichtbar. Das hat er auch nötig: Er muss sich den Wählern als Alternative präsentieren, auch wenn ihm das Schautanzen an sich nicht liegt.
Die Landtagswahl wird eine Stimmungswahl werden, sie wird nicht mit Sachthemen gewonnen oder verloren. Die Kunst liegt darin, den Gegner schlecht ausschauen zu lassen, ohne dass auf einen selbst ein Schatten fällt.
Die ÖVP hat sich in dieser Kunst vier Jahre lang geübt. Die SPÖ scheint gerade zu realisieren, dass es ohne dieses taktische Doppelspiel nicht geht.
Features
Wussten Sie...
. . . dass Hermann Schützenhöfer am 29. Februar 1952 geboren wurde, also an einem Schalttag?
. . . dass Hermann Schützenhöfer schon als Volksschüler sein erstes Taschengeld damit verdient hat, dass er Semmeln ausgetragen hat?
. . . dass Hermann Schützenhöfers Sohn Thomas seit 1. Jänner Büroleiter von Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka ist?
. . . dass Hermann Schützenhöfer sich jedes Jahr in der Steiermark mit Gummibärchen-König Hans Riegel zum Essen trifft?
. . . dass Hermann Schützenhöfer seine politische Karriere bereits 1971 als Landes- sekretär der Jungen ÖVP begann, dann ÖAAB-Landessekretär und Obmann, Abgeordneter, Klubobmann und Landesrat war, ehe er schließlich zum Landeshauptmann- stellvertreter aufstieg?
Fotoserie
Wussten Sie...
. . . dass Franz Voves am 28. Februar 1953 geboren wurde und ihn sein Sternzeichen, die Fische, mit Hermann Schützenhöfer verbindet?
. . . dass Franz Voves acht Jahre lang Klassensprecher war, bevor es ihn in die Politik verschlug?
. . . dass Franz Voves bei sieben Eishockey-Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976 als Mittelstürmer spielte?
. . . dass Franz Voves am liebsten Fisch und Meeresfrüchte isst?
. . . dass Franz Voves ein politischer Spätstarter ist? 2002 wechselte er vom
Vorstand der Merkur-Versicherung auf den Chefsessel der SPÖ und dann auf den Sessel des Landeshauptmann- stellvertreters. Seit 1995 war er als Präsident des ASKÖ-Landes- verbandes im SPÖ-Vorstand gesessen.















