Rippenbekenntnisse eines Heimkehrers
Josef Zotter wurde mit seinen handgeschöpften Schokoladen und süßen Utopien berühmt. Aber er kennt auch die zartbitteren Seiten des Erfolgs. Von einem, der auszog, um heimzukommen.

Foto © APA/SujetJosef Zotter
Ein Essiggurkerl. "Darauf freu ich mich nach der Arbeit", sagt Josef Zotter. Der Mann, der Grammeln statt Nüsse in seine Schokolade mischt. Und dessen beste Mundpropaganda immer noch seine Schokolade selbst ist.
Vor der Schokoladenmanufaktur Zotter bei Riegersburg wird fotografiert, verkostet und gemhhht. Gaumenkino. Der Chef sitzt währenddessen einen Stock weiter oben, in seinem Büro mit dem Glastisch und dem Kakao als Topfpflanze. Gut gelaunt in weißer Arbeitskluft hat Zotter allerhand süße Flausen im Kopf. Der kulinarische Spieltrieb. "Schokolade und Fisch, das muss doch gehen", kramt er laut im Werkzeugkasten seiner exotischen Kombinationen. Und plötzlich ist er wieder der kleine Bub, der zu Hause vor der verschlossenen Schoko-Lade stand. Eine Ironie des Schicksals. Heute lacht er darüber. Damals nicht.
Elektro-Antrieb
Über Josef Zotter gibt es viel zu lesen. Dass die Bohnen für seine Schokolade bio und aus fairem Handel sind. Dass er ein Handyverächter ist, dafür aber ein Elektro-Auto fährt. "Mein Auto ist das kleinste auf dem Firmenparkplatz." Man kann sich gut vorstellen, wie Zotter und seine Frau Ulrike damals in Hainburg gegen das Kraftwerk für eine bessere, grüne Welt demonstrierten. "Aber dass mein Auto das kleinste ist, darum geht es nicht."
Es geht um die Früchte der Kreativität: Ideen. So wie damals, als das Schicksal Regie führte und Zotter zu wenig Zeit für einen Großauftrag hatte und sich mit zwei Vorhangstangen behalf, zwischen die er Schokolade strich und Kürbiskerne darüber streute. Die Geburtsstunde der handgeschöpften Schokolade. Schicht für Schicht. "Es gibt zwei Arten von Ideen. Die einen entstehen aus Glück, die anderen in der Not." Geht man in Zotters Biografie einige Schritte zurück, stößt man auf beide Sorten.
48 Jahre ist der Chocolatier und glücklich verheiratet mit seiner Gattin Ulrike. Gemeinsam sind sie mit ihren Konditoreien von zwei Mitarbeitern - sie selbst - auf 39 angewachsen. Und wieder auf zwei geschrumpft. 1999 meldete Zotter Insolvenz an. "Der Erfolg ist ein Schwein", sagt er mit wohldosiertem Schuss Ironie. "Mein Steuerberater hat immer gesagt, dass ich kein Geschäftsmann bin. Wir sind trotzdem Freunde." Heute laufe das Geschäft besser denn je. In seine Schokoladenmanufaktur kommen 160.000 Besucher im Jahr. Täglich werden hier 100.000 Tafeln Schokolade produziert, die in alle Teile der Welt exportiert werden. "Heute zahle ich mehr Steuern, als ich damals Schulden hatte", sagt Zotter mit Genuss. Nun plant er zu expandieren: Frankfurt, Essen und Münster.
Dabei fing alles so einfach an. "Ich wollte aus der Enge des Landes ausbrechen. Ein Nestfluchtreflex. Deshalb habe ich Koch gelernt. Mein Tor zur Welt." Nach seiner Lehre ging es auf den Arlberg, nach Kärnten und New York, um nur einige Stationen zu erwähnen. "Und wieder zurück, in die Oststeiermark." Einer, der auszog, um heimzukommen.
Features
Zur Person
Josef Zotter wurde am 21. Februar 1961 in Feldbach geboren und wuchs in einer Bauernfamilie auf.
Zotter ist dreifacher Vater. Julia, 22, Michael, 21, und die vierjährige Nachzüglerin Valerie.
Seine Koch-Lehre hat der 48-Jährige in Söchau abgeschlossen, er wurde Küchenchef im "St. Antoner Hof" am Arlberg. Später zog es ihn nach New York, wo er im Hotel "The Pierre" arbeitete.







