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Zuletzt aktualisiert: 18.08.2011 um 20:17 UhrKommentare

Ausnahmen zeigen vor, wie es geht

Trotz gelockerten Kündigungsschutzes lassen sich Menschen mit Beeinträchtigung in der Region immer noch schwer in den Arbeitsmarkt vermitteln. Es gibt aber Ausnahmen.

Kevin Böhm ist seinem Chef, Albert Fink vom Autohaus Fink in Gnas, trotz schwerer Behinderung eine Hilfe

Foto © PrivatKevin Böhm ist seinem Chef, Albert Fink vom Autohaus Fink in Gnas, trotz schwerer Behinderung eine Hilfe

Kevin Böhm hat einen Vollzeit-Bürojob, ist bald ausgelernt und so tüchtig, dass er seinem Chef richtig fehlen würde, wäre er nicht mehr da. "Seine Arbeitsbereitschaft ist ein Wahnsinn. Auch wenn ich ihm kurz vor Dienstschluss noch eine Arbeit gebe, wird es ganz sicher noch sofort erledigt", sagt Juniorchef Albert Fink von der gleichnamigen Werkstätte und dem Autohaus in Gnas.

Warum er seinen Lehrling so lobt? Kevin Böhm ist schwerstbehindert, kleinwüchsig und sitzt im Rollstuhl. Im Büro an der richtigen Stelle eingesetzt, bringt er aber eine tadellose Leistung.

Zusätzlich erhält sein Arbeitgeber für ihn eine Förderung - für Fink aber nicht der Grund, ihn einzustellen. Beschäftigt der Betrieb doch schon seit Jahren Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen. Derzeit sind es neben Böhm noch drei weitere, sie alle ungefördert. "Ich sehe darin überhaupt keinen Nachteil. Schneidert man die Arbeit auf den Mitarbeiter zu, bringt er 100 Prozent", sagt Fink.

Nicht umsonst ist das Autohaus Fink eines von 17 Unternehmen in den Bezirken Feldbach und Fürstenfeld, die am 19. Oktober in Feldbach um den Integrationspreis rittern (wir berichteten): Ist der 20-Mitarbeiter-Betrieb in Gnas doch einer der Vorzeigebetriebe der Region, was die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung betrifft. Denn gesetzlich ist ein Unternehmen erst ab 25 Mitarbeitern dazu verpflichtet, einen Dienstnehmer mit Behinderung einzustellen. 80 Prozent der oststeirischen Unternehmen dieser Größe erfüllen die Einstellpflicht aber nicht und zahlen stattdessen eine Ausgleichstaxe.

Leihfirmen

Auch ein halbes Jahr nach der Lockerung des Kündigungsschutzes (siehe Infobox) sei es noch schwer, Menschen mit Beeinträchtigung am Arbeitsmarkt zu vermitteln, wie Helmut Römer sagt. Er ist neben Beata Tauscher der Koordinator der Joballianz Oststeiermark, einem Projekt der Arbeitsvermittlung der Chance B, die pro Jahr etwa 1000 Menschen betreut und 220 von ihnen vermittelt.

"Seit der Lockerung sind die Unternehmen aber eher bereit, sich zumindest auf ein Praktikum einzulassen", sagt sein Kollege Wolfgang Ankrisch von der Arbeitsassistenz Oststeiermark. Außerdem würden sich nun zum Teil auch Leihfirmen für Dienstnehmer mit Behinderungen interessieren. "Aber das Umdenken braucht noch Zeit", so Römer.


FAKTEN

In der Oststeiermark gibt es rund 450 Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern, die laut Gesetz Mitarbeiter mit Behinderung einstellen müssen.

Knapp 80 Prozent erfüllen diese Pflicht nicht und zahlen stattdessen eine Ausgleichstaxe.

Seit heuer tritt der Kündigungsschutz für begünstigte Behinderte nicht schon nach einem halben Jahr, sondern erst nach vier Jahren in Kraft.

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