Mit den Haustieren auf Du und Du
Josef Zotter schlägt ein neues Kapitel auf - essbarer Tiergarten aus Fleisch und Blut. Er will Emotionen schüren, auch provozieren?
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Ein Streichelzoo? Nein, das sollen andere machen, legt sich Josef Zotter fest. Er geht einen neuen Weg, stellt ein Projekt in die Gegend um die Riegersburg in der Südoststeiermark, das er selbstbewusst "weltweit einzigartig" nennt - seinen essbaren Tiergarten. Nicht aus Schokolade, wie es Zotters weltmeisterliches Metier ist, "nein, aus heimischen Nutztieren", die man anschauen, bisweilen angreifen kann (wenn sie nahe genug zur Einfriedung kommen) und deren Fleisch man verkosten kann.
Zotter geht aufgrund seines Handelns - Aufforstungen im Regenwald, Kauf von Bio-Produkten zur Schoko-Herstellung in Südamerika - und seiner oftmals erklärten Betrachtung der Natur als "eine Einheit" als grün denkender und vordenkender Mensch durch, aber Tiere schlachten, eine blutrote Sache, ist das nicht vielmehr Provokation? "Nein", antwortet Zotter bestimmt, "wer darin eine Provokation sehen will, den kann ich nicht abhalten".
Das Ziel liegt auf anderer Ebene. Seit Tausenden von Jahren leben die Menschen mit ihren Nutztieren zusammen, "mein essbarer Tiergarten folgt der Philosophie der Bauernhöfe. Ich will zeigen, wie Tiere artgerecht leben können, artgerecht heißt auch, artgerecht zu speisen." Das Schnitzel aus dem Supermarkt "ist anonyme Ware, ein Stück Fleisch in Plastik verpackt, zu Billigpreisen", zu dem man emotionslos greife. "Ich will Emotionen wecken, erklären, informieren, nachdenklich machen. Dass man mit dem, was uns die Natur schenkt, respektvoll und maßvoll umgeht." Aber immer ohne erhobenen Zeigefinger, die Besucher sollen die Wertigkeiten für sich selbst entdecken.
Gegenpol Aiderbichl
Ein Gegenpol ist doch wohl das Gut Aiderbichl, der Tierhof von Michael Aufhauser in Salzburg. Das sei eine "vorgegaukelte Welt, nicht die Realität". Aber ganz ohne diese Zutaten kommt auch Zotter nicht aus, für die kleinen Besucher ist ein Streichelzoo eingerichtet, mit allem, was Kinder süß finden: Ponys, Lämmer, Gänseküken, Hasen und wer sich nicht scheut, kann auch Ratten in weitläufigen Käfigen anschauen, "auch diese Tiere gehören seit jeher zum Leben der Menschen".
Der essbare Tiergarten ist ein Biotop, eingelassen in einen Talkessel, direkt angrenzend an die Schokoladen-Manufaktur. 27 Hektar groß, nach den Erkenntnissen artgerechter Tierhaltung gebaut, z. B. mit Erdställen, im Sommer kühl, im Winter temperiert. Zottelrinder, Hühner, Gänse, Enten, Esel, Schafe, Lamas, Hirsche, Schweine, Hasen leben in den Gehegen, von selbst hat sich nahe den Teichen mit Fischen besetzt eine Kolonie Wildenten angesiedelt. Zotter wünscht sich, dass noch viele Wildtiere Quartier suchen.
"Alles ist bio", geht Zotter geradlinig den Weg. Die Energie speisen Solaranlagen und Erdwärme ein und selbst Geschirr, Becher und Besteck sind aus natürlichen Materialien, die nach Gebrauch zerkleinert, mit Rinderdung vermischt und kompostiert werden. "Alles ist essbar, was hier wächst", Kräuter, Obst, Gemüse.
Na, und weil Josef Zotter auch ein "schräger Vogel" sein kann und will, sorgt er für die eine oder andere Überraschung: Bauerngolf, moderne Kunst, einen Bilderrahmen für die Riegersburg oder Öko-Toiletten.










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