Zotter stoppt Kakao-Projekt in Kolumbien
Das von der ADA geförderte Zotter-Projekt "Kakao statt Kokain" in der kolumbianischen Region Anorí ist gescheitert. Chaotische Zustände und die schwierige Sicherheitslage vor Ort lassen den Chocolatier das Weite suchen.

Foto © APAJosef Zotter zieht seine Mitarbeiterin nach massiven Widerständen in eine andere Region ab.
"In Kolumbien laufen die Dinge halt etwas anders", nimmt es Josef Zotter das Ende des Projektes scheinbar gelassen, "wir sind von Beginn an auf massiven Widerstand gestoßen." Allerdings nicht direkt durch die Drogenmafia, wie Medien berichteten, sondern eher wegen der chaotischen bzw. fehlenden Infrastruktur vor Ort. "Wir haben uns zu einem Projektstopp entschlossen", teilt der Chocolatier der Kleinen Zeitung Digital mit. An dieser Entscheidung würden auch Interventionen von Botschafter und Gouverneur für das Projekt nichts ändern.
Keine Toten
Das Sicherheitsthema sei zwar ständig akut, "Tote gibt es aber keine", beruhigt der Oststeirer nach den übertriebenen Medienberichten. Zur generell instabilen Lage im Land kamen in letzter Zeit auch noch die Kriegsdrohungen aus Venezuela. "Das treibt auch die Drogenmafia und die Guerillas in die Enge", so Zotter. Die Arbeit vor Ort wurde "immer schwieriger". So konnte die zuständige Projektleiterin vor Ort nur mehr mit Sicherheitsleuten außer Haus gehen. "Wann immer sie in eine Ortschaft fährt, werden Polizei und Militär informiert, sodass Soldaten in der Nähe im Ernstfall Bescheid wissen und rasch eingreifen können", erklärt der Oststeirer die schwierige Sicherheitslage.
Keine Bio-Zertifizierung möglich
Das größte Problem aber sei, dass es unmöglich ist, innerhalb der dreijährigen Laufzeit des Projektes die nötigen Bio-Zertifizierungen im Gebiet von Anori zu bekommen. Seit 2002 würden dort nämlich - mit Unterstützung von den USA - die Kokafelder aus der Luft mit Pflanzengiften zerstört. "Das heißt, die Flächen sind noch vergiftet. Um eine Bio-Zertifizierung zu erhalten, müssen die Flächen drei Jahre lang frei von Pestiziden sein". Somit konnte das Projekt eine wesentliche Auflage des Projekts, nämlich Bio-Kakaobohnen zu erzeugen, nicht erfüllen. "Reine Wartezeit zu finanzieren, können wir uns nicht leisten, es ist auch nicht der Sinn des Projektes", verteitigt sich Zotter. Erschwerend käme hinzu, dass die Bereitschaft der Bauern auf biologischen Anbau umzustellen, durch den durch Spekulationen hochgetriebenen Kakaopreis extrem gesunken sei.
Umzug in die Region Antioquia
Ganz aufgeben will Zotter das Projekt dennoch nicht. "Wir verschieben es in die Sub-Region Bajo Cauca im Department Antioquia", verrät Zotter. Dort will er im Alleingang, "ohne all die Organisationen" mit den Bauern verhandeln. Obwohl auch in Antioquia Drogen und Guerillas vorherrschen, gibt es einen entscheidenden Vorteil, der Boden ist pestizidfrei und es gibt erste Ernteerfolge in reiner Bio- und Fairqualität. In rund einem Jahr ist mit dem ersten Zotter-Produkt aus Kolumbien zu rechnen. Leid tut es dem Chocolatier natürlich um das eingestellte Projekt. "Denn die Bauern in Anorí bleiben auf der Strecke."
Features
Das Projekt
"Kakao statt Kokain". "Kakao statt Kokain" ist ein von der ADA (Austrian Development Agency ) gefördertes Entwicklungshilfeprojekt. Damit Entwicklungshilfe nicht ins Leere läuft, gibt es die Variante des Privat Public Partnership (PPP). Im Falle von "Kakao statt Kokain" war die Schokoladenmanufaktur Zotter als Wirtschaftspartner in das Entwicklungshilfsprojekt eingebunden.
Verantwortung bei Zotter. Zotter trägt zum einen die Hälfte der Projektkosten, bei Nichtgelingen die Gesamtkosten. Zum anderen bringt die Wirtschaftspartnerschaft den Vorteil, dass der produzierte Kakao auch einen Abnehmer findet. Zusätzlich wird den Bauern Know-how, sowie wirtschaftliches Basiswissen geliefert. Außerdem sollte durch das Projekt Korruption unterbunden und die Bauern vom Koka-Anbau abgehalten werden.








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